Trekking auf dem Bohusleden 2013

Nach einer gelungenen Operation - sofern man eine Entnahme von Körperteilen gelungen finden kann - rieten mir meine Ärzte von einer längeren Radreise ab. Wandern hingegen wäre in Ordnung, wenn ich mich dabei nicht überfordern würde.
Ich durchforstete das Netz, insbesondere natürlich das Outdoorforum und beschloss dann, den als Anfängerweg bezeichneten Wanderweg Bohusleden, so weit mich meine Beine tragen würden, von Norden nach Süden entlang zu wandern.

Anreise

Fähre Wie schon so oft fuhr ich mit dem Zug nach Kiel und begab mich dort zum Fährterminal der Stena Line. Nur hatte ich statt eines schwer beladenen Drahtesels einen schweren Rucksack dabei und das machte mich scheinbar zu einem Risikopassagier.
Auf meinen Radtouren wurde noch nie kontrolliert, welches Gepäck ich mit in die Passagierräume nahm, mein Rucksack hingegen wurde jetzt durchleuchtet, und das Multitool darin musste ich heraus suchen und beim Bordpersonal abgeben. In der Hosentasche hätte ich es problemlos mit an Bord nehmen können!
So sind halt die Vorschriften, war das einzige Argument mit dem mir dieses seltsame Verhalten erklärt wurde.
Beim Verlassen der Fähre in Göteborg, nicht eine Minute früher, bekam ich mein gefährliches Werkzeug zurück. Ein anderer Passagier bekam sein Beil zurück. Aber unsere beiden Werkzeuge waren offensichtlich die einzigen Gefahrengüter während dieser Überfahrt.

Zu Fuß machte ich mich auf den Weg zum Nils Ericson Terminal und schon dabei wurde mir das Gepäck auf meinem Rücken schwer. Doch ich vertrieb alle aufkeimenden Bedenken, indem ich mir immer wieder sagt, dass der Rucksack mit jedem Tag leichter würde.
Busbahnhof Am Nils Ericson Terminal kaufte ich mir eine Fahrkarte und eine Broschüre über den nördlichen Bohusleden und bestieg schließlich den Bus nach Strömstad. So dachte ich jedenfalls, bis mir der Busfahrer sagte, dass ich in Uddevalla umsteigen müsse. Das ich zum Umsteigen fast zwei Stunden Zeit hatte, verschwieg er mir lieber.
Dankenswerter weise liegt der Busbahnhof an einem Einkaufszentrum, und ich konnte mir die lange Wartezeit mit Kaffee und Kuchen vertreiben. Endlich in Strömstad angekommen, fand ich, dass ich mich für einen Tag genug angestrengt hatte und suchte nach einem kurzen Stadtbummel den Campingplatz auf.

Donnerstag, 10.10.

Früh morgens um viertel vor elf (in der Nacht hatte ich nicht besonders gut geschlafen) machte ich mich ausgeruht und ein wenig aufgeregt, bei feuchter Kälte auf den Weg zum Startpunkt des Bohusleden. Die ca. 3,5 km bis dorthin kamen mir schon endlos vor. Als ich am Startpunkt ankam fühlten sich meine Hände eiskalt an, und Handschuhe hatte ich natürlich nicht eingepackt.
Jedoch endlich auf dem richtigen Weg unterwegs, verflogen alle Bedenken und Belastungen (nur der Rucksack blieb schwer).

bohusleden bohusleden Der Bohusleden ist mit orangefarbenen Markierungen gekennzeichnet, die sich derart häufig auf Steinen und an Baumstämmen befinden, dass man nur selten nach der nächsten Markierung suchen muss.
bohusleden bohusleden So konnte ich mich voll und ganz auf meine Füße konzentrieren, denn einfach war der Weg bei der Feuchtigkeit nicht. Einige Trampelpfade hatten sich in kleine Bäche verwandelt und manche Felsen waren durch die Feuchtigkeit ziemlich rutschig. Ich rutschte einige Male aus und ohne meine Trekkingstöcke als zweites Paar Füße hätte ich mich vermutlich mehrmals lang gelegt. Auch an stufigen Stellen fand ich es hilfreich, mich auf den Stöcken zusätzlich abstützen zu können.

bohusleden bohusleden bohusleden bohusleden bohusleden bohusleden

 

bohusleden

So wanderte ich über Felsen, Trampelpfade im Wald und manchmal auch an Straßen entlang immer weiter, ohne so richtig zu merken, wie Zeit und Kilometer an mir vorbei zogen.
Nach ungefähr 12 km kam ich an einen schönen Aussichtspunkt mit einem Windschutz vorbei. Ich versuchte die Aussicht zu genießen, aber bei dem Wind dort oben wurde mir ziemlich schnell kalt und ich stapfte lieber weiter. Dann dauerte es nicht mehr lange bis ich merkte, dass mein Trinkwasser langsam zur Neige ging.
Der Weg führte zwar auch an einigen Gehöften vorbei, doch ohne eine echte Notlage mochte ich dort nicht nach Wasser fragen. Statt dessen hoffte ich stoisch auf einen Bach mit eine schönen Lagerplatz.

steingrab Einen Bach fand ich dann tatsächlich, aber erst nachdem ich noch einige Kilometer an kleinen Straße entlang gegangen war. Auch eine Wiese gab es dort, aber ich befürchtete, dass sie zu dem in der Nähe liegenden Hof gehörte.
Also filterte ich mir Wasser aus dem Bach, ging einige Meter in den dunklen Wald hinein und baute mein Zelt im Halbdunkel auf morschem Geäst auf. Nicht einmal meinen Kocher konnte ich auf diesem Boden vernünftig aufstellen, und zwangsläufig bestand mein Abendbrot nur aus Müsliriegeln und Wasser.
Meine Nacken- und Schultermuskulatur war völlig verspannt, und den letzten Kaffee hatte ich auf dem Campingplatz getrunken. Eigentlich Gründe genug, um schlechte Laune zu bekommen!Doch bevor ich das realisierte, war ich schon eingeschlafen.
Die 22 km mit dem ganzen Gepäck waren vermutlich doch etwas viel.

Freitag, 11.10.

ofen bohusleden Nach dem frühen, tiefen und durchgängigen Schlaf wachte ich morgens für meine Verhältnisse sehr zeitig auf. Da ich auch am Morgen keinen Platz für den Kocher fand, und auch keine Lust hatte meine gesamtes Gerödel auf die Wiese zu schleppen, um dort in Ruhe zu frühstücken, machte ich mich schon um 8:00 Uhr auf den Weg.
Auch ohne den Morgenkaffee war ich hoch motiviert, denn laut meiner Wanderkarte sollte ich nach ca. 15 km an einen See mit Windschutz kommen, wo ich dann die Nacht verbringen würde.

bohusleden bohusleden Bei diesigem Wetter und gemütlichen 5° C marschierte ich zunächst über Wiesen- und Waldwege, dann auf Pfaden und über Felsen immer weiter bergauf bis zum Gipfel des Björnerödpiggen, dem mit 222 m höchsten Berg von Bohuslän. Inzwischen hatte die Sonne den Nebel vertrieben, und bei den Steigungen wurde mir doch ziemlich warm, aber nicht warm genug, um mir auf dem Björnerodpiggen einen Kaffee zu kochen.
Bergab trottete ich, den Sonnenschein genießend weiter nach Krokstrand. Der Ort machte auf mich den Eindruck eines netten Touristenörtchens, aber nach einem geöffneten Lokal hielt ich vergebens Ausschau. Also immer noch nix mit Kaffee! Noch nicht einmal meinen Wasservorrat konnte ich aufstocken, denn das Wasser des Idefjord ist Salz- oder zumindest Brackwasser, und Salzatome kann mein Wasserfilter leider noch nicht heraus filtern.

björnerödpiggen bohusleden bohusleden idefjord björnerödpiggen

Gegenüber, auf der anderen Seite des Fjordes, sah ich einen Campingplatz. Nach der letzten Nacht eine reizvolle Aussicht! Aber wie hinüber kommen? Ob der um diese Jahreszeit überhaupt geöffnet hatte? Da war der Windschutz am See doch die einfachere Alternative.
Mein Trinkwasser musste ich dann halt irgendwo am Wegesrand auffüllen. Ich stapfte weiter auf dem Bohusleden und kam schließlich an einen Hinweis zu einem Windschutz vorbei. Den ignorierte ich jedoch, denn es war ja noch früher Nachmittag und ich wollte an einen See und nicht auf einen Berg.
So stapfte ich weiter, bis ich an eine Straße kam. Das irritierte mich nun doch ein wenig und ich nahm Karte und GPS genauer unter die Lupe. Super, ich war schon viel zu weit. Ganz offensichtlich wäre der ausgeschilderte Windschutz doch meiner gewesen. Aber wer ahnt schon, dass man bergauf muss um an einen See zu kommen?

bohusleden Zurück zu gehen kam natürlich nicht in Frage, und so ging ich mürrisch und auch schon mit müden Knochen weiter. Nun aber immer nach einem guten Lagerplatz Ausschau haltend; die nächste freie Fläche sollte mir gehören. Einen Platz wie gestern wollte ich nicht noch einmal. Dann plötzlich wieder ein Hinweisschild. Ich schaute in die Richtung, und da winkte auch schon jemand ein paar Meter über mir.
Ich war am Windschutz Allemarken, den ich mir nun mit einem Schweizer teilte. Endlich konnte ich mir einen Kaffee und etwas Warmes zum Essen machen. Zwar unterhielten wir beiden uns noch ein wenig, aber sehr lange ging der Abend nicht mehr. Wir waren beide ziemlich erschöpft, hingen die offene Seite des Windschutzes mit einer Plane ab und legten uns schlafen. Immerhin war ich statt der geplanten 15 km schon wieder 22 km gewandert.

Samstag, 12.10.

An das Schlafen in so einem Windschutz muss ich mich noch gewöhnen. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, mich mehr von einer Seite auf die Andere gewälzt zu haben als zu schlafen. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb stand ich morgens schon so früh auf, dass ich schon um 9:00 Uhr Abschied nehmen konnte.
Doch vorher sah ich meinem Mitbewohner für eine Nacht noch beim Packen seines Rucksacks zu und staunte nicht schlecht. Welche Mengen an Proviant und Ausrüstung er unterbringen konnte, und alles auch noch gut sortiert in irgendwelche Behältnisse untergebracht...
Dagegen muss mein Rucksack ein Leichtgewicht gewesen sein.

bohusleden Wenige Minuten nachdem ich bei strahlendem Sonnenschein losgegangen war, irritierte mich die Weg-Kennzeichnung. Sollte ich wirklich über den Hof müssen? Ich schaute nach weiteren Hinweisen, aber ich war richtig. Gleich hinter dem Hof ging es an einer Wiese weiter. Der Tau auf dem Gras war noch gefroren! Ich hatte gar nicht gemerkt, dass es in der Nacht so kühl gewesen war. Ein Lob an meinen Schlafsack.
bohusleden Am Waldrand entlang ging der Weg dann weiter. Hier wunderte ich mich über eine Menge an Betonklötzen, die mir mal jemand als „Panzersperren“ beschrieben hatte. Was auch immer das war, als natürliche Felsformationen konnte ich mir das nicht vorstellen. Dann ging der Weg an einer kleinen Straße weiter, und nach ca. 800 m musste ich mich zwischen alter und neuer Streckenführung entscheiden. Da es so aussah, als ob die alte Streckenführung an der Straße entlang führte, nach ich die neue Strecke durch den Wald.
bohusleden bohusleden bohusleden

 

bohusleden Sehr viele Wanderer waren auf dieser Strecke scheinbar noch unterwegs gewesen, denn ein ausgetretener Pfad war kaum zu erkennen, und ich war froh über die vielen orangefarbenen Ringe an den Bäumen. Ich hatte das Gefühl, ständig die Richtung zu wechseln. Nur aufwärts ging es die ganze Zeit, und ich war schweißgebadet, als ich schließlich am Rand eines riesigen Windparks ankam.

bohusleden Mitten in diesem Windpark traf ich auf vier Schweden, die hier ein Picknick machten. Ich wurde herzlich Willkommen geheißen und zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Da konnte ich natürlich nicht ablehnen. Eine halbe Stunde lang saßen wir beieinander und hatten mit viel Kauderwelsch eine Menge Spaß miteinander. Von den Vieren erfuhr ich dann auch, dass morgen überall in den Dörfern große Feste gefeiert würden, weil doch am übernächsten Tag die Elchjagd begänne, und ich wurde ausdrücklich davor gewarnt dann weiter im Wald zu wandern.
bohusleden Die Wanderstrecke im Windpark fand ich nicht besonders schön. Ein ständiger Wechsel von Schotterstraßen und Fels, und ich war froh als es endlich wieder auf richtigen Wanderwegen weiter ging. Auf der Strecke kreuzte ich noch andere Wanderwege und bei Olseröd entschied ich mich, auf der schwedischen Seite weiter bis nach Vassbotten zu gehen. Später habe ich erfahren, dass es auf der norwegischen Seite eine wunderbare Übernachtungshütte geben soll. Ich vermute jedoch, dass ich auf jeden Fall die Übernachtung auf dem Campingplatz von Vassbotten vorgezogen hätte.
bohusleden bohusleden bohusleden

 

bohusleden bohusleden Nach 20 km Wanderung baute ich mein Zelt auf einer ziemlich feuchten Wiese auf. Später am Abend – die Rezeption war natürlich schon geschlossen – entdeckte ich, dass man auf dem Platz auch Hütten mieten kann.