Nicht mehr Bohusleden 2013

Sonntag, 13.10.

Ferienhaus Ferienhaus Gleich nach dem Aufstehen stürmte ich in die Rezeption, um nach einer Hütte zu fragen.
Ich hatte Glück und bekam ein 6-Personen Haus zu einem akzeptablen Preis für mich ganz alleine, der wahre Luxus.
Als Wanderer, und weil ich schon eine Nacht im Zelt verbracht hatte, bekam ich sogar doppelten Rabatt.
Sonntag ist Ruhetag und so verbrachte ich einen faulen Tag mit viel Essen und lockeren Spaziergängen ohne Rucksack. Leider musste ich dabei auch feststellen, dass der Supermarkt geschlossen war. Ob für immer, oder nur für diese Saison, wurde mir aber nicht so richtig klar.
Die WLAN-Verbindung nutzte ich, um nach Busverbindungen in Richtung Göteborg zu sehen. Es sah aus, als ob man von Überall irgendwie nach Göteborg kommen würde.

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Montag, 14.10.

Da der Supermarkt geschlossen hatte hoffte ich, mich in der Rezeption mit etwas zusätzlichem Proviant eindecken zu können. Nur gut sortiert war der Laden auch nicht mehr; es gab nur Süßigkeiten, Chips und Dosenfutter. Ich begnügte mich mit ein paar Schokoriegeln.
bohusleden Nicht ohne nochmals vor der Elchjagd gewarnt zu werden, machte ich mich um kurz nach neun auf den Weg zum Älgafallet. Viele, von der Feuchtigkeit glitschige Stufen musste ich hinunter, bevor ich den Wasserfall mit seinen 46 m Fallhöhe von allen erreichbaren Stellen bestaunen konnte. Doch sehr lange hielt ich das herum sitzen und staunen nicht aus. Nach einer halben Stunde wurde der Rucksack wieder geschultert und ich folgte prompt der falschen Wegmarkierung.

 

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bohusleden Glücklicherweise bemerkte ich den Fehler recht schnell. Ich suchte nach Markierungen in meiner Richtung, aber hier unten waren davon keine zu sehen. All die rutschigen Stufen mühte ich mich nun wieder hinauf, und siehe da, ich stand plötzlich vor großen und deutlich lesbaren Schildern.
Wie hatte ich die vor dem Abstieg nur übersehen können?

Gemächlich ging ich auf einer Schotterstraße weiter, bog auch einmal ab und dann war die Straße zu Ende. Nur Trampelpfade in zwei Richtungen gab es. Ich ging ein Stück den einen Pfad entlang, konnte aber keine Wegmarkierungen finden. Der zweite Pfad verlief durch ein Stück gerodeten Wald. Mitten auf der Lichtung entdeckte ich dann auf der anderen Seite die ersehnte Markierung.
Da kam auch schon laut rufend eine Jäger auf mich zu. Ohne Rucksack hätte ich wohl einen riesigen Sprung gemacht, so erschrocken war ich.

„Elchjagd! Gefährlich! Du kannst nicht durch den Wald gehen und du musst an der Straße weiter gehen“, konnte ich verstehen. Doch was sollte ich machen? Es gab doch nur den Weg in den Wald oder zurück. Ich ging weiter in den Wald. Der wurde allerdings immer unübersichtlicher und mir wurde immer mulmiger zumute.
Schließlich kreisten meine Gedanken nur noch um ein Thema: „Du hast dich operieren und eine Chemotherapie über dich ergehen lassen! Und jetzt sollst du dich erschießen lassen?“
Ich kehrte um und traf wieder auf den Jäger. Diesmal war er recht freundlich und erklärte mir, zur Straße müsste ich durch den Wald, aber ich bräuchte keine zu Angst haben, denn er hätte seinen nächsten Kollegen schon per Funk informiert. Also wieder eine Kehrtwendung.
Im Wald wurde ich schon vom nächsten Jäger erwartet und wieder freundlich ermahnt, doch bitte an der Straße weiter zu gehen.

War ich froh, als ich die Straße endlich erreicht hatte. Kurzzeitig wurde ich wieder mutig und überlegte, ob ich nicht einfach von Jäger zu Jäger wandern sollte, wenn die sich so gut per Funk informieren konnten.
Doch dann siegte die Vernunft (oder die Angst). Was wäre wenn mich ein Jäger übersähe und damit die Kette damit unterbrochen wäre? Von jetzt an würde ich an Straßen bleiben.
Es folgte ein ziemlich langer Marsch an einer ziemlich langweiligen Schotterstraße. Nach 7 km kam ich bei Fagerhult auf eine große Straße. Meine Wanderkarte erlaubte mir keinen großen Überblick, und ich marschierte an der Straße in Richtung Süden, abwartend was kommen würde.
Ausweichstrecke 8 km lang passierte nichts. Dann ein richtiger Ort (Östad), sogar mit einem Supermarkt. Frustfressen! Ich kaufte 3 Vaniljmunkerl und verschlang sie auf der Stelle. Danach ging es mir besser, und ich begab mich wieder auf die Straße.
Ich hielt Ausschau nach Pfaden oder Wegen, um am S Bullaresjön mein Zelt aufschlagen zu können. Zwar fand ich einen Weg, der bis an den See führte, aber ein Zelt konnte man dort nicht aufstellen. Doch zum Weitersuchen fehlte mir die Kraft und so stellte ich mein Zelt in der Nähe an der Einfahrt zu einer Kuhweide auf.
Nach 28 km gab es nur noch einen Kaffee, dann fiel ich schon in den Schlaf.

Dienstag, 15.10.

Ausweichstrecke Ausweichstrecke Ich hatte geschlafen wie ein Toter und war saß schon um 7:00 Uhr vor meinem Kaffee. Dann drangen plötzlich Schritte durch den Nebel. „Nein“, dachte ich „jetzt musst du Platz machen, damit die Kühe durchs Gatter können“.
Doch als ich um die Ecke schaute kam dort ein Jäger. Statt mich zu ermahnen, fragte er nur ob alles in Ordnung sei. Ich erkundigte mich, ob auch nachts gejagt würde, was er verneinte. Eine Sorge weniger, wenigsten ruhig schlafen würde ich können.
Ausweichstrecke Beim Abbauen des Zeltes fiel mir eine Stelle mit platt gewälztem Gras auf. Ich untersuchte die Stelle genauer und fand auch noch etwas, dass wie Elchlosung aussah. Sicher war und bin ich mir allerdings nicht. Hatte ich in der Nacht Besuch bekommen? Oder war das am Abend auch schon da gewesen? Ausweichstrecke

Um halb neun hatte ich mein gesamtes Gerödel zusammen gepackt und begab mich wieder auf die Straße. Nach wenigen Kilometern kam ich an einem Badeplatz vorbei, und nutzte die Gelegenheit, um meinen Wasservorrat aufzufüllen.
Ausweichstrecke Ausweichstrecke Ausweichstrecke
Ausweichstrecke Ausweichstrecke Östlich des Stora Bullaresjön ging ich Kilometer um Kilometer auf Asphalt oder auf Schotter weiter. Eine schöne Strecke zum Rad fahren, aber zu Fuß war mir das alles zu langsam. Hin und wieder sah ich in der Ferne Elchjäger, und zu meinem Erstaunen kam mir auch eine Elchjägerin entgegen.
Ausweichstrecke Ausweichstrecke Meine Trekkingstöcke fand ich auf der Strecke eher lästig als hilfreich. Doch zusammen geschoben und sie mit beiden Händen im Rücken haltend, konnte ich damit den hängenden Rucksack während des Gehens leicht anheben und damit meine gequälten Schultern entlasten.
Stoisch ging ich weiter und weiter und entdeckte einen wunderschönen Lagerplatz am Stora Bullaresjön.

Ausweichstrecke Ausweichstrecke Ausweichstrecke
Ausweichstrecke

Nur womit sollte ich mir den Rest des Tages die Zeit vertreiben? Es war früher Nachmittag und zum Angeln hatte ich weder Ausrüstung noch Ahnung. Ich trottete weiter, freute mich über eine Quelle mit Geländer und Becher und kam schließlich auf eine größere Straße. Richtung Norden führte sie wieder nach Vassbotten, Richtung Süden ging es nach Hällevadsholm.
Ausweichstrecke Aber es gab hier auch eine Bushaltestelle, und wenn meine Technik mich richtig informierte, sollte auch bald ein Bus ankommen. Ich befreite mich von dem Rucksack und wartete. Zur angegebenen Zeit kam auch ein Bus, aber leider auf der anderen Straßenseite. Aber ich stand definitiv auf der richtigen Seite. Ich wartete zehn Minuten, verfluchte meine Technik,ging zu Fuß weiter und wurde nach wenigen Metern vom Bus überholt.

3 km können so lang sein! Doch die Quälerei wurde belohnt: Der Supermarkt in Hällevadsholm war geöffnet. Frisch gestärkt machte ich mich auf den Weg zum Campingplatz, der sich in Svarteborg, direkt am Bohusleden befinden sollte. Das waren nochmal fast 5 km, und dann war von dem Campingplatz nicht mehr viel zu sehen. Zwei verwaiste Hütten und eine Menge „Betreten verboten“ Schilder, direkt neben einem Wohn- und Bürogebäude, das vermutlich zum Steinbruch gehörte.
Ich schaute mich ein wenig in der Gegend um und fand dann eine gemütliche Kiesgrube, in der ich mein Zelt aufbaute. Reifenspuren und ein wenig Autoschrott deuteten zwar darauf hin, dass hier manchmal Crossrennen gespielt wurde, aber nach 30 km nahm ich fast alles in Kauf. Zwischen den Kiefern würde man mich schon nicht überfahren.
Später am Abend kamen tatsächlich zwei Männer mit einem Wagen angefahren, doch die Beiden waren so rücksichtsvoll gleich wieder weg zu fahren als sie sahen, das die Kiesgrube belegt war.

Mittwoch 16.10.

Bohusleden Bohusleden

Noch bevor ich mein Zelt am Morgen richtig geöffnet hatte, sah ich die Elchfährten direkt davor. Diesmal war ich mir sicher, ich war in der Nacht doch nicht von meinem eigenen Schnarchen geweckt worden.
Nach einem ruhigen Frühstück packte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg zurück nach Hällevadsholm. In der Nacht hatte ich beschlossen die Tour abzubrechen und mit dem Bus nach Göteborg zu fahren. Da ich bis zur Abfahrt des Busses noch etwas Zeit hatte, schlenderte ich durch Hällevadsholm und entdeckte einen Wohnmobilstellplatz mit Rasenfläche.
Wenn ich den doch nur gestern schon entdeckt hätte. Fünf quälende Kilometer wären mir erspart geblieben.

Der Bus fuhr pünktlich ab und die Umsteigezeit in Uddevalla war weit kürzer als auf der Hinfahrt. Auch das Umbuchen meines Fährtickets klappte problemlos. Allerdings musst ich eine etwas luxuriösere Kabine buchen, da in meiner Preisklasse schon alles ausgebucht war.
Aber dafür konnte ich noch am selben Abend die Fähre besteigen und nach Hause fahren.

Und sonst?

Trekkingtouren können Spaß machen, sogar mir!
Das Gewicht auf dem Rücken fand ich ungewohnt, aber trotz nicht richtig passendem Rucksack machbar. Dabei haben die Trekkingstöcke sicher einiges zur Entlastung beigetragen.
Zwar ist man zu Fuß um Einiges langsamer als auf dem Rad, aber dafür kommt man an Stellen, die man mit dem Rad nicht erreichen würde. Öden war es nur, wenn ich lange an Straßen wandern musste.
Optimal wäre eine Kombination aus Beidem, aber dafür fehlt mir bisher noch die perfekte Lösung.
Zum Bohusleden:
Die wenigen Tage auf dem Bohusleden fand ich interessant und lohnenswert. Aber als Anfängerweg würde ich ihn nicht unbedingt bezeichnen. Ausreichend Wasser und Lebensmittel sollte man immer dabei haben.
Bei feuchtem Wetter können die Felsen und auch die Holzbohlen über die Sümpfe sehr rutschig sein, und manchmal muss man auch ein wenig klettern. Dafür kann man sich aber kaum Verlaufen, außer die Holzfäller waren vorher unterwegs.
Da dies bestimmt nicht meine letzte Trekkingtour war, werde ich sicher noch mal auf dem Bohusleden unterwegs sein.