Ein Schaf auf dem Bohusleden, Teil 2

30.05.

Krokstjärnet am Morgen Ein Auto zum Spielen Meine gestern aufgestellte Theorie bestätigte sich heute morgen wieder, auch wenn wir eine halbe Stunde später als gestern Morgen los gegangen sind. Vom Zeltplatz am Krokstjärnet gingen wir wieder zurück in den Ort. Zum Glück hatte das Lokal noch geschlossen, sonst hätten wir bestimmt gleich wieder einkehren müssen.
Idefjorden So konnten wir aber gleich 3 km an der Straße und kleineren Schotterstraßen weiter gehen. Ich muss zugeben, dass mir das Wandern an oder auf Straßen nicht sonderlich gut gefällt, aber hier wurden wir mit schönen Ausblicken auf den Idefjord belohnt.

Wie der Weg wohl bei Regen ist? Hübsch und lecker Bohusleden

Dann kamen noch Abschnitte mit Waldwegen und Trampelpfaden, und nach sechseinhalb Kilometern waren wir am Sandvatten, einem schönen See mit einer Schutzhütte. Angela und Ludger beschlossen hier eine Pause zu machen und etwas zu kochen.
Bohusleden Sandvatten Sandvatten
Sandvatten Ich nutzte die Gelegenheit mich in die Sonne zu legen, bis mich die Beiden ermahnten. Da suchte ich mir ein schattigeres Plätzchen. Nach eineinhalb Stunden waren die Beiden satt und ausgeruht genug, so dass wir uns wieder auf den Weg machen konnten. Etwas schattiger Sonnenbad
Bohusleden Bohusleden Die Wegstrecke, die wir nun gingen war richtig spannend. Es ging an seltsamen Gemäuern vorbei, über Trampelpfade die uns bestimmt von Elchen getrampelt worden waren, über Blumenwiesen und - wie sollte es auch anders sein - über Felsen. Schließlich kam noch ein Stück (Schotter)Straße, dann waren wir bei der Hütte, in der Ludger im letzten Jahr auch schon geschlafen hatte. Und hier wollten wir auch diesmal bleiben.
Eine Elchfährte? Bohusleden Bohusleden
Bohusleden Bohusleden Obwohl jemand im Gästebuch den Weg zu einer Wasserstelle beschrieben hatte, konnten wir keines finden. Doch Ludger filterte einfach Wasser aus der Regentonne. Angela war entsetzt. Sie sammelte alle noch vorhanden Wasservorräte ein und sagte: „Wenn du morgen noch lebst und es dir gut geht trinke ich das vielleicht auch!“ Darüber hingegen war Ludger entsetzt.
Ludger und die Regentonne Angela und die Regentonne
Gästebucheintrag Nun muss ich aber noch den besagten Eintrag aus dem Gästebuch zitieren:
Wir sind hier gestern Abend gegen 17:45 angekommen, nachdem wir gegen 9:05 vom Fuß des Björnerödpiggen den Aufstieg wagten. Es ist nun der 3. Tag, nachdem wir am 20.08. von Strömstad los gelaufen sind.
Die Toilette funktioniert wunderbar und auch die Wespen existieren nicht mehr wirklich → freie Bahn
Wasser gibt es direkt unterhalb des Weges ein Stückchen den Hang herunter. Besser geht es etwa 300 m den Weg in nördlicher Richtung hoch und dann 20 m den Hang runter.
Die Hütte ist super: Hält dicht, feine Lage und einfach gemütlich.
Irgendjemand hat uns ein Paket Nudeln mit Tomatensoße dagelassen, welches zusammen mit unserm Pfund Nudeln endlich mal wieder Geschmack erzeugte – Ein ganz großes Danke!
Wir hoffen gleich die Abzweigung nach Norwegen zu finden und würden uns freuen, wenn unsere Knie weiterhin unsere immerhin auf 35 kg herunter geschrumpften Rucksäcke tragen wollen... Mehr geht nicht. Bisher haben wir etwa 400 g Nüsse, 750 g Haferflocken, 350 g Milchpulver, 500 g Schokoriegel, 1500 g Nudeln konsumiert.
Wir hoffen uns in 3-4 Tagen unter die magische 30 kg Grenze gefressen zu haben :-)
Gleich noch mal zur Toilette und HODOR hinein rufen, dann geht es los!
Allen Wanderern noch eine schöne Tour und beste Grüße

Ich sag's doch: Menschen sind seltsame Wesen!

31.05.

Frühstück mit Regenwasser Am Morgen war es offensichtlich: Ludger hatte die Nacht überlebt und es ging ihm gut. Nur die Mücken hatten ihn gequält. Wie gut, dass ich so ein dichtes Fell habe. Seltsamerweise wurde auch Angela von den Mücken in Ruhe gelassen, obwohl sie kein Fell hat.
Warum der Schreiber in dem Gästebuch die Lage der Hütte so lobte, ist blieb mir unbegreiflich. Es gab weder einen See in der Nähe, noch war die Aussicht von hier besonders schön. Das einzig Interessante war ein Autofahrer, der auf der Schotterstraße vorbei fuhr und zu mir herauf winkte.
Ludger, ich warte! Aber so hatten auch Angela und Ludger keinen Grund sich lange aufzuhalten und wir verließen die Hütte schon um halb neun. Von mir aus hätten wir schon viel früher aufbrechen können, aber Ludger musste sogar noch einen Kaffee trinken, als ich schon längst meinen Platz am Rucksack eingenommen hatte.

Hinter dem Hof Wir folgten der Schotterstraße, die nach kurzer Zeit an einem Hof endete. Hinter dem Hof ging der Weg weiter und wir kamen an eine wunderschöne Wiese auf der, dem Himmel sei Dank in ausreichender Entfernung, Wildschweine weideten. In nächster Zeit bemühten wir uns, beim Wandern etwas Krach zu machen, um weitere Wildschweine zu warnen und ihnen eine rechtzeitige Flucht zu ermöglichen. Und tatsächlich blieben wir von weiteren unangenehmen Überraschungen verschont.
Wildschweine! Bohusleden Nachdem wir wieder ein kleines Stück auf einer Schotterstraße gegangen waren, hatten wir die Wahl zwischen einem alten und einem neuen Wegverlauf. Wie nahmen die neue Streckenführung, die durch einen dichten Wald verlief. Ohne die vielen Markierungen an den Bäumen hätte selbst ich mich hier verirren können. Es ging ziemlich steil bergauf, bis wir schwer atmend auf einem Hochplateau ankamen. Ludger fotografiert Elchspuren... ...und Angela Steine Bohusleden Bohusleden Bohusleden
Im Windpark Im Windpark Windräder wohin man blickte.
Es wehte zwar nur ein leichter, dafür aber recht kühler Wind, weshalb wir von einer längeren Pause an diesem Ort absahen. Zu fressen gab es hier für mich ohnehin nicht viel. Wir gingen fast viereinhalb Kilometer wechselnd über Fels und Schotter, und zwischendurch sogar Sumpf, durch diesen Windpark. Zum Glück gibt es meistens Stege, die uns Wanderer durch die Sümpfe leiten, sonst wären wir möglicherweise versunken.
Bohusleden Ludger und ich Als wir den Windpark verlassen hatten, kamen wir an einen Bach und machten dort eine wohlverdiente Pause. Es kam sogar noch ein weiterer Wanderer vorbei, mit dem sich Ludger und Angela unterhielten, aber worum es dabei ging habe ich nicht verstanden.
Upcycling-Markierung Lieblingsbeschäftigung? Bohusleden
Angela Blindschleiche Wir gingen kreuz und quer durch einen Wald, und ich war sehr erstaunt, als wir dabei andere Wanderwege kreuzten. Bis dahin hatte ich nicht gewusst, dass es mehrere gibt. Nach über 7 km kamen wir an eine Straße. Auf der gingen wir ziemlich erschöpft noch drei langweilige Kilometer, bis wir auf dem Campingplatz in Vassbotten ankamen, wo wir uns für zwei Nächte ein Haus ein richtiges Haus mieteten. Bullarebygdens camping

01.06.

Heute war Pausentag.
Ich blieb auf dem Campingplatz, schlief viel und zupfte hin und wieder von dem köstlichen Gras auf der sumpfigen Zeltwiese.
Meine beiden Begleiter erholten sich nur von ihren Rucksäcken - Ludger hatte sich die Haut an der Hüfte schon wund gescheuert - und machten eine Wanderung zum Älgafallet. Ich schaute mir später nur die Bilder an.
Für Menschen ist es allerdings wichtig zu wissen, dass es den Supermarkt in Vassbotten nicht mehr gibt. Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist 12 km entfernt.
Ehemaliger Supermarkt Gubbdagis, Tagesheim für alte Männer Grenzgänge Älgafallet Älgafallet Älgafallet
Älgafallet Älgafallet So ein Wasserfall ist ja ein hübscher Anblick, aber darunter stellen würde ich mich niemals!
Die Zählung beginnt Als die Beiden am Abend wieder zu Hause waren, breiteten sie alle noch vorhandenen Lebensmittel auf dem Tisch aus und zählten sie nach. Sie stellten fest, dass sie damit noch einige Tage überleben würden. Und dann gingen sie in Nellies Place, einem Restaurant beim Campingplatz, essen.

02.06.

Meine Theorie bestätigte sich an diesem Morgen wieder. Kaum befinden sich die Menschen in einer Komfortzone, beginnen sie zu trödeln. Heute gingen wir erst um halb elf los.
Obwohl Angela und Ludger gestern alle Lebensmittel gezählt und für ausreichend befunden hatten, versuchten sie im Kiosk des Campingplatzes noch mehr zu kaufen. Viel Auswahl gab es dort allerdings nicht, überwiegend Süßes, Chips und Dosenfutter. Aber die Wirtin fand noch Aufbackbrötchen in ihrer Gefriertruhe. Ludger und Angela kauften alle! Und die Wirtin stellte den Backofen an, um sie aufzubacken. Das dauerte!

Dann marschierten wir endlich los.
Angela Wir kamen am Älgafallet vorbei, ohne jedoch hinunter zu steigen und gingen dann in den Wald, von dem Ludger behauptete er wäre dort im letzten Jahr fast erschossen worden. Es folgte ein kleines Stück Straße, dann bogen wir wir wieder einen Wald ab. Hier hatte Ludger den Bohusleden im letzten Jahr verlassen und war an Straßen weiter gewandert.
Bohusleden Der Weg war wirklich nicht immer einfach zu gehen und ich war froh über meinen unbequemen Platz am Rucksack. An manchen Stellten hatten Waldarbeiten den Weg fast unpassierbar gemacht, an anderen Stellen ging es auf wunderbaren Pfaden durch den Wald, und manchmal mussten wir uns durch nahezu undurchdringliches Gestrüpp winden. Es war viel spannender, als an Straßen entlang zu gehen.

Wir sahen Reste eines alten Gemäuers, das scheinbar zu einem früher in den Berg gebautem Haus gehörte. Wenn wir die Tafel richtig verstanden haben, starb der letzte Bewohner 1927. Das war aber nicht das älteste Gemäuer, später sahen wir noch eines aus den 1800-ter Jahren.
Von Schafen war auf keiner Informationstafel etwas zu lesen. Möglicherweise war ich das erste Schaf an diesen Orten.
Das war mal ein Wohnhaus Bohusleden Ein Reh Bohusleden Bohusleden Bohusleden
Ludger Bohusleden Der Weg durch den Wald endete nach ungefähr 8 km an einer, wie sollte es auch anders sein, an einer Schotterstraße. Die verlief direkt an einem See, und wir hielten während wir dort weiter gingen nach einem schönen Zeltplatz Ausschau.
Bohusleden Angela und Ludger überlegten, ob wir auf der anderen Seite des Sees nach einem schönen Platz schauen sollten, da standen wir plötzlich vor einer Hütte mit einer Feuerstelle und Bänken. Und das auch noch direkt am See. Die Hütte sah noch recht neu aus, und in der Broschüre über den Bohusleden war sie noch nicht eingezeichnet.
Mellan Kornsjön Mellan Kornsjön Windschutz Nornäs
Windschutz Nornäs Windschutz Nornäs Natürlich blieben wir an diesem schönen Platz. Angela freute sich auf ein Lagerfeuer und die Nacht in der Hütte, während Ludger, aus Angst vor Mückenüberfällen, lieber im Zelt schlief.