Weihnachtstour nach Halen

23.12.08

Winterlich angezogen und die Packtaschen entsprechend gefüllt machte ich mich am 23. Dezember auf den Weg nach Halen, dem Dorf, in dem ich vor langer Zeit meine Kindheit und Jugend verbracht habe. Wie so viele Touren begann auch diese mit der Fahrt zu den Landungsbrücken und der anschließenden Überfahrt mit der Fähre nach Finkenwerder.

Strecke

Davon ausgehend, dass man sich auf dem Weg vom Fähranleger zum Francoper Hinterdeich kaum verfahren kann, hatte ich meinen GPS-Empfänger auf Luftlinien-Routing zu diesem Weg eingestellt. So hatte ich während der Fahrt, auf der Karte des GPS-Gerätes, immer eine gerade Linie vom jeweiligen Standort zum angepeilten Ziel, an der ich mich orientieren konnte.
Ich nahm also die erste Straße die ungefähr an dieser Linie entlang führte und fuhr auf einer gut befahrbaren Straße durch eine schöne Gegend.
Nur hatte ich dummerweise nicht darauf geachtet, das zwischen mir und dem Zielpunkt die Alte Süderelbe floss. Keine Brücke, nicht mal ein Steg ging dort hinüber. So hatte ich schon zehn Kilometer auf dem Tacho, bevor es überhaupt richtig losging.

Deichweg

Dabei wollte ich doch auf möglichst direktem Weg bis nach Bremen fahren.
Über Hauptstraßen erreichte ich schließlich den Francoper Hauptdeich und war nun endlich auf der geplanten Strecke.
Ziemlich gemütlich radelte ich bis nach Buxtehude. Nur ein Rennradler rauschte fast lautlos an mir vorbei und riss mich aus meinen Tag-und Radträumen.

In Buxtehude legte ich eine Pause für Kaffee und Kuchen ein und nutzte die Zeit um den direkten Track nach Bremen im GPS-Empfänger einzustellen. Eigentlich ein unnötiges Unterfangen, da man die direkte Strecke von Buxtehude nach Bremen fast mit einem Lineal auf der Karte zeichnen könnte.
Leider schien der Wetterbericht Recht zu behalten und ich würde den ganzen Weg bis nach Bremen gegen den Wind fahren müssen. Das passte gar nicht zu meinem Zeitplan, hinter dem ich schon erheblich zurück lag.

So schnell wie möglich beendete ich die Kaffeepause und fuhr zunächst auf der L 127 über Apensen und Kammerbusch nach Ahrenswohlde. Dann ging es weiter nach Wangersen und auf der L 124 durch Flachsberg und Heeslingen nach Zeven.
Mittlerweile war es 17:00 Uhr und der stetige Gegenwind, sowie die nahende Dunkelheit schlugen mir aufs Gemüt.

Ein wenig mürrisch verließ ich Zeven auf der L 122 und kam nach etwa 1 km an die L 133, auf die ich nun abbog und durch Badenstedt und Kirchtimke bis nach Westertimke fuhr.
Der Duft von heißem Bratfett strömte mir in die Nase! Die Ursache dafür war schnell gefunden. Es gab einen Landgasthof, der sogar geöffnet hatte. Mit Kaffee, einer riesigen Portion Pommes und viel Mayonnaise wärmte ich mich hier auf.
Aufgewärmt und gestärkt wagte ich mich nun an den Endspurt. Durch Tarmstedt und Wörpedorf folgte ich der L 133 bis nach Lilienthal. Dann ging es auf schnellstem Weg zum Campingplatz am Stadtwaldsee in Bremen.

Eigentlich machte der Platz einen recht netten Eindruck, aber nach 18:00 Uhr hatte ich keine Möglichkeit mehr an eine codierte Karte für das Servicegebäude zu kommen. Und darin befanden sich leider auch die Duschen und, noch wichtiger, die Toiletten.
Als ich den Platz, auf der Suche nach Trinkwasser und Notfalltoiletten, ein zweites Mal umrundete, entdeckte ich Campinggäste im Servicegebäude. Auf mein verzweifeltes Klopfen hin ließen sie mich hinein und verrieten mir auch, dass sich Trinkwasseranschlüsse auch draußen an den Stromkästen befänden. Auf die Idee wäre ich im Leben nicht gekommen.
Nun konnte ich wenigstens meinen Kaffee kochen und hoffen, dass die morgige Tour besser würde. Den größten Teil der Strecke musste ich, mal links- mal rechtsseitig der Fahrbahn, auf schlechten Radwegen zurücklegen.
111 km | 16,8 km/h

24.12.08

Gleich nach dem Aufstehen am späten Vormittag stürmte ich die Rezeption. Zum einen wollte ich schnell die Codekarte fürs Servicehaus haben, zum anderen meine Beschwerde loswerden.
Immerhin hatte ich mich einige Tage vorher angemeldet und auch kundgetan, dass ich erst spät am Abend ankommen würde. Da hätte man mich doch vorwarnen oder anderweitig eine Codekarte bereitstellen können.
Ich bekam die Karte, eine Entschuldigung und das Versprechen, sich eine Lösung für spät Anreisende zu überlegen.

Vor der Abfahrt wärmte ich mich mit einer heißen Dusche auf und um 12:15 Uhr machte ich mich auf den Weg.
Entlang der Parkallee kam ich bis in die Bremer Innenstadt und dann auf einer gut ausgeschilderten Route bis zur Weser. Doch bevor ich die Weser überquerte, stoppte ich an einer kleinen Pizzeria und aß erst einmal zu Mittag. Ich hatte die Befürchtung nachmittags am Heiligabend keine offenen Läden oder Restaurants zu finden.
Nachdem ich die Innenstadt verlassen hatte, kam ich durch eine Schrebergartenkolonie auf einen kurzen, aber schönen Deichweg und dann auf die Straße nach Stuhr.

Rastplatz

Auf der K 111 fuhr ich durch Klein Mackenstedt und weiter auf der B 439 nach Heiligenrode. Dann ging es über kleinere Straßen durch Kirchseelte und Klosterseelte weiter bis nach Dünsen.
Von hier aus wollte ich nun auf dem Geestweg bis nach Halen radeln.
In Harpstedt fand ich eine geöffnete Tankstelle und konnte für 1,80 € Kaffee und ein belegtes Brötchen erstehen. Der günstige Preis war das Weihnachtsgeschenk des Tankwartes für mich.
Windmühlen Ich folgte dem Geestweg und kam zwischen Wiesen, Feldern und Wald hindurch nach Wildeshausen. Mit der Weihnachtsbeleuchtung machte die Stadt einen sehr heimeligen Eindruck auf mich, doch an eine gemütliche Kaffeepause war nicht zu denken. Alle Läden waren geschlossen und nur wenige Menschen, die auf dem Weg zum Weihnachtsgottesdienst waren, waren zu sehen.

Park

Von Wildeshausen bis nach Aumühle ging die Route wenige Kilometer über einen Waldweg, der in der Dämmerung aber schon recht schwierig zu befahren war.
Ich überquerte die B 213 und dann ging es auf mehr oder weniger befestigten Wirtschaftswegen weiter. Inzwischen war es schon so dunkel, dass ich von der Landschaft um mich herum kaum noch etwas erkennen konnte.
Mitten in dieser einsamen Gegend sah ich weit vor mir ein weißes Blinklicht. War hier tatsächlich noch ein weiterer Radfahrer unterwegs? Doch wenige Minuten später war von dem Licht nichts mehr zu sehen, und ich fiel vor Schreck fast vom Rad, als es neben mir plötzlich schnaufte und trampelte. Direkt neben dem Weg, versteckt hinter ein paar Bäumen, standen Reiter mit ihren Pferden. Ganz offensichtlich hatten sie ihr Blinklicht ausgeschaltet, um mich besser erschrecken zu können.

Mit klopfendem Herzen radelte ich weiter nach Engelmannsbäke. Hierher hatte ich in meiner Grundschulzeit meine erste Klassenreise gemacht, doch für eine Besichtigung des Großsteingrabs "Visbeker Bräutigam" war es nun zu dunkel. Dies nahm ich mir für den Rückweg vor.
Bis auf ein kleines Stück entlang der L 870 bei Ahlhorn ging die Fahrt auf befestigten Wirtschaftswegen, vorbei an einem Windpark, weiter bis nach Halen.
Das Erste, was ich von Halen sah war ein Wegekreuz, das ich noch aus meiner Kindheit kannte. Trotzdem hatte ich, nach all den Jahren und in der Dunkelheit, Schwierigkeiten mich zu orientieren. Doch um 18:20 Uhr hatte ich es geschafft und konnte bei meinen Eltern klingeln.
77 km | 16,7 km/h

27.12.08

Ludger Nach den sehr angenehmen Weihnachtstagen mit der Familie machte ich mich am 27. Dezember auf den Rückweg. Zunächst fuhr ich nach Emstek, um beim Fahrradhändler eine Ersatzkette zu kaufen. Meine hatte nämlich das Rasseln angefangen und ich wollte für den Notfall gewappnet sein.
Von dort aus ging es dann über Egterholz wieder auf den Geestweg und weiter nach Engelmannsbäke.
Steindenkmal SteindenkmalDer Landgasthof war leider geschlossen, aber das Großsteingrab, den Opfertisch und Wildschweinspuren guckte ich mir nun genauer an.

Waldweg

Dann radelte ich weiter nach Wildeshausen. Auch bei Tageslicht besehen machte die Strecke einen recht einsamen Eindruck auf mich. Doch im Gegensatz zur Hinfahrt gab es in Wildeshausen ein geöffnetes Café.
Auf der Weiterfahrt kürzte ich den Geestweg ein wenig ab. So spannend fand ich den Weg zu dieser Jahreszeit nicht. Statt blühender Rapsfelder gab es nur umgegrabene Äcker.
Kirche Bis Horstedt blieb ich auf der K 9 und kam dann über Klein Ippener und Groß Ippener wieder nach Kirchseelte. Von dort nahm ich den selben Weg wie auf der Hinfahrt bis nach Bremen.
Dort machte ich nun eine Pause, um zu überlegen was ich nun tun könnte.
Sollte ich wieder den Campingplatz anfahren und mich den Rest des Abends im Schlafsack verkriechen, oder auf den Radfernweg Hamburg-Bremen ausweichen und wieder im Dunkeln fahren, oder einfach in den Zug steigen und damit nach Hamburg fahren?
Da ich weder Lust hatte so früh einen Campingplatz aufzusuchen, noch im Dunkeln durch unbekannte Gefilde zu fahren, entschied ich mich für die Zugfahrt und war zwei Stunden später wieder zu Hause.

Um im Winter Radtouren zu fahren, sollte man wohl etwas früher aufstehen. Die Nächte beginnen doch recht früh und ohne den GPS-Empfänger hätte ich von Wildeshausen nach Halen an der Bundesstraße bleiben müssen, weil Karten lesen nicht mehr möglich war.
Trotzdem hat es seinen ganz eigenen Reiz zu dieser Jahreszeit eine Radtour zu unternehmen. Etwas ganz Neues und Reizvolles wäre natürlich eine richtige Wintertour mit viel Schnee.
Mit einem lauten Wecker im Zelt sollte es, auch für mich, möglich sein, schon beim ersten Tageslicht loszuradeln und vor Einbruch der Dunkelheit mein Ziel zu erreichen.
Wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt!
71 km

Fazit von Iris, meiner strengen Korrektöse, die immer wieder hofft in meinen Reiseberichten Ideen zu finden, die sie in ihrem nächsten Krimi zu Gruseligkeiten verarbeiten kann.
Ludger hatte ein Ziel: Halen, mit dem Rad erreichen, soundosoviel Tage. Sehenswürdigkeiten sind im Vorfeld nicht geplant, sie ergeben sich einfach, oder auch nicht... wie er richtig erkannt hatte, so wurde es recht früh dunkel, allerdings früher hell, als das er es mitbekam.
So war es eine Fahrt durch "Gegend, bei Gegenwind, in seiner Gegenwart Menschenarm", er versüßt den Leser nicht mit Infos, was und wie er die Weihnachtstage verbracht hatte (und dabei hätte zumindest ich sehr gerne gewusst, wie viel Kaffee er dabei getrunken hatte) und quälte mich weiterhin mit der logischen Technik eines GPS-Empfängers, um am Ende dort zu landen, wo ich tatsächlich seiner Meinung bin: Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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