Radreise mit Klaus Pfingsten 2008

Blind Date Pfingsttour 2008

Immer mal wieder haben Klaus und ich uns vorgenommen eine gemeinsame Radtour zu machen, doch geklappt hat es bisher nie. Nun soll es endlich soweit sein. Wir werden uns am Dümmer treffen und dann gemeinsam ins Ammerland radeln.

Am Freitag, nach dem Frühdienst, werden noch die letzten Sachen gepackt und dann geht es zum Hauptbahnhof. Ich habe mich auf eine Schönwettertour eingerichtet und schaffe es tatsächlich, mein Hab und Gut in zwei Packtaschen und dem Zeltbeutel unterzubringen.
Der Bahnsteig ist brechend voll, und ich würde nie auf die Idee kommen, in diesem Getümmel die Taschen vom Rad zu nehmen. Viel zu groß ist meine Sorge, dass jemand mit den Taschen verschwinden könnte, während ich das Rad in den Waggon lade, oder dass der Zug mit meinem Rad abfährt, während ich die Packtaschen holen will.
Doch mit Kraft und Geschick komme ich mit meinem Zubehör ins Radabteil, in dem es zwar keine Fahrräder gibt, aber viele Fahrgäste. Dafür habe ich nun reserviert und IC-Zuschläge bezahlt!
Beim nächsten Mal nehme ich lieber den Metronom.

Ab Bremen geht es mit dem Regionalzug weiter nach Diepholz. Das Mehrzweckabteil ist zwar auch voll mit Fahrgästen, die gleich panisch jeden Sitzplatz blockieren, aber ein ebenerdiger Einstieg mit breiten Türen ist sehr angenehm.
Als ich in Diepholz aussteige, stellt sich endlich dieses Gefühl von Freiheit ein, dass es nur auf Radreisen gibt.

Am Bahndamm entlang radle ich nun, den Wind überwiegend gegen mich, in Richtung Dümmer. Hoffentlich dreht sich der Wind nicht; dann haben wir eine gute Schubkraft ins Ammerland.
KlausAls ich den Campingplatz in Lembruch gefunden habe, sitzt Klaus schon dort und erledigt die Anmeldeformalitäten. Er hat für uns entschieden, nicht auf der Zeltwiese zu nächtigen, sondern kurzerhand eine Parzelle gebucht. Grundsätzlich mag ich das ja nicht so gerne, aber in diesem Fall hat es den unschätzbaren Vorteil, dass wir uns, ungestört von anderen Campern, erst einmal in Ruhe kennen lernen können. Schließlich sehen wir uns heute zum ersten Mal.
Wir sind uns auf Anhieb sympathisch und, nach ersten Gesprächen, Zeltaufbau und duschen, gehen wir zu Fuß in den Ort und suchen uns eine Pizzeria.

Klaus Samstag
So sehr hätte ich mich doch nicht auf sommerliche Temperaturen verlassen sollen! In meinem dünnen Sommerschlafsack wache ich in der Nacht mehrmals frierend auf und blicke neidvoll auf Klaus, der wohlig schlafend unter seinen dicken Daunen liegt.
Bereits um 7:00 Uhr schälen wir uns aus den Schlafsäcken. Doch wir trödeln herum und genießen Klaus' selbst gebackene Brötchen. So dauert es noch etwa drei Stunden, bis wir endlich abfahren können.

Duemmer

Nach einem kurzen Blick auf den Dümmer, um den sich schon eine Menge Spaziergänger tümmeln, folgen wir dem Meerweg, der die drei großen niedersächsischen Seen (Steinhuder Meer, Dümmer See und Zwischenahner Meer) miteinander verbindet, Richtung Norden.
KlausAuf überwiegend asphaltierter Strecke schaffen wir es bis nach Kröge, wo wir eine kleine Bäckerei entdecken. Für uns wird ein Tisch nach draußen gestellt, und außer leckerem Kuchen bekommt man hier Kaffee soviel man trinken kann. "Aber nur solange noch welcher da ist," schränkt die Verkäuferin vorsichtshalber ein.

LuvoKlausNach zwei Bechern Kaffee geht es weiter. Vorbei an Lohne und dem Südlohner Moor geht es über Vechta bis nach Visbek. Die Sonne strahlt und der Wind weht, sehr zu unserer Freude, weiter aus Südosten. Wir sind in der Diaspora und an fast jeder Wegkreuzung stehen hier Kruzifixe.
Vielleicht ist der Blick auf die Kirche der Grund, weshalb die Radroute nicht direkt in den Ort führt, sondern uns einen Umweg über einen furchtbaren Sandweg fahren lässt. Doch immerhin: In Visbek gibt es eine Eisdiele, und das Pizza-Eis mit halbgefrorenen Früchten ist himmlisch. Mit frischer Kraft treten wir wieder in die Pedalen.

Wir verlassen den Meerweg und fahren durch meine alte Heimat, das Oldenburgische Münsterland, über kleine Dörfer zu den Ahlhorner Fischteichen. Ein wenig anders habe ich die Teiche in Erinnerung, und den Badeplatz aus meiner Kindheit kann ich natürlich nicht wiederfinden. Auch die wenigen Bademöglichkeiten die wir finden, sind belegt, und so fahren wir weiter bis zur Landstraße 871, die uns direkt nach Garrel führt, wo wir bei einer alten Freundin von Klaus auf dem Bauernhof zelten können.
Damit wir den Hof auch nicht verfehlen können, steht die Bauersfrau an der Einfahrt und winkt uns von weitem mit zwei Flaschen Alsterwasser entgegen.
Die können wir nach den 90 km gut gebrauchen!

Sonntag
Schon um 9:00 Uhr ist der Frühstückstisch für uns gedeckt. Welch ein Luxus auf einer Radreise. Nach dem opulenten Frühstück machen wir uns auf den Weg zur Thülsfelder Talsperre, die nur einen Katzensprung entfernt ist. Wie gut, dass wir gleich an der Nordspitze der Talsperre ankommen, sonst hätten wir uns durch eine Menge Radler und Spaziergänger drängeln müssen.
Da fahren wir lieber direkt weiter nach Friesoythe, um uns dort eine Eisdiele zu suchen. Bei dem schönen Wetter kommen uns noch eine Menge Radler entgegen, die alle auf dem Weg zur Talsperre sind.
im RapsfeldDurch blühende Rapsfelder hindurch geht es auf asphaltierten Wirtschaftswegen zum Küstenkanal. Wir müssen einige Kilometer fahren, bevor wir diesen an einer Fußgängerbrücke, die Räder hinauf und hinab tragend, überqueren können. Dann ist es nur noch ein kurzes Stück und wir sind auf der Ammerlandroute, der wir bis Ocholt folgen. Auf dieser Strecke wird so langsam sichtbar, dass wir uns im Rhododendronparadies befinden, auch wenn es fast nur weiß blühende Sorten gibt.
Bevor es von Ocholt weitergeht, gibt es hier am See erst einmal viel Kuchen für wenig Geld.
Wir drehen noch eine unbeabsichtigte Runde durch eine Ferienhaussiedlung, um dann endlich die letzten Kilometer nach Westerstederfeld hinter uns zu bringen. Dort werden wir von meinem Bruder schon sehnsüchtig erwartet. Als Rennradfahrer hat er wohl etwas andere Vorstellungen von einer gemütlichen Radreise.
Doch wir sind mit unseren 62 km vollauf zufrieden.

Zelt Am nächsten Morgen muss sich Klaus leider schon wieder auf den Heimweg machen. Mit ihm hätte ich noch länger fahren können.
Stattdessen genieße ich noch einen Tag bei einer Familienfeier, die schließlich der Grund war, Westerstede als Reiseziel auszuwählen.

Dienstag
Für den Rückweg nach Hamburg habe ich mir bei Radweit eine Tour zusammengestellt und in den GPS-Empfänger geladen. Dabei diente mir die Radweit-Strecke Hamburg-Groningen als Vorlage. Nur das Stück von Westerstede zur Radweit-Strecke musste ich mir selber zusammenstellen, wobei mir der Blick auf eine Straßenkarte einen Umweg erspart hätte. Man muss wirklich nicht erst nach Süden fahren um in den Norden zu kommen.
Ammerland RhododendronDie ersten 25 km durch die Ammerländer Alleen begleitet mich noch mein Bruder, dann muss ich ohne Begleitung weiter. Obwohl ich bisher fast alle meine Urlaubstouren alleine gefahren bin, fühlt sich das nun sehr seltsam an. Ich scheine mich schnell an Gesellschaft beim Radeln gewöhnt zu haben. So tröste ich mich in Wiefelstede erst einmal mit Kaffee und Kuchen.
Der Energieschub war aber auch nötig, denn der Wind weht überwiegend aus östlichen Richtungen.

WiesenDer Weg führt mich durch eine Landschaft, die nur aus saftigen Wiesen zu bestehen scheint. Die vereinzelt stehenden Baumgruppen reichen nicht aus, um mich vor dem Wind zu schützen. Kilometerlang geht es geradeaus und nur Kanäle kreuzen den Weg.
Seltsamerweise komme ich trotz des Windes gut voran und als ich die Weserfähre hinter Ovelgönne erreiche, fühle ich mich immer noch topfit. Nach der Überfahrt will ich endlich eine Kaffeepause einlegen, aber kein Cafe liegt an meinem Weg und zum Suchen fehlt mir die Lust. Ich folge der K 51, und in Hagen im Bremischen gibt es endlich die ersehnte Pause.
Danach geht es dann über kleinere Straßen weiter, die mich ziemlich direkt über Axstedt, Holste und Kuhstedt nach Gnarrenburg führen. Sogar richtige Wälder gibt es auf dieser Strecke.

Der Abend naht und ich muss mich auf die Suche nach einem Schlafplatz machen. Auf der Karte entdecke ich einen Campingplatz bei Deinstedt. Nur ihn real zu finden, ist schon etwas schwieriger. Auf den Feldwegen hinter Ober Ochtershausen werde ich unsicher und frage zwei Spaziergänger. Diese schicken mich auf den nächsten Feldweg, dann weiter zur Straße und dann einfach nur geradeaus.
Das klingt gut, doch plötzlich finde ich mich in Selsingen wieder. Jeder andere Weg wäre kürzer gewesen. Als ich den Campingplatz endlich erreiche, bin ich ganz schön ausgelaugt und brauche erst einmal eine Pommes.
Kein Wunder, mein Tacho zeigt 120 km Tagesleistung an.

Mittwoch
Nun bin ich natürlich nicht mehr auf der geplanten Route und muss die nächsten Straßen und Feldwege ohne Hilfe des Navis finden. In Malstedt bestätigt mir ein Bauer, dass ich mich noch auf dem richtigen Weg befinde, und ab Farven übernimmt das Navi wieder die Führung.
In Bargstedt lege ich meine erste Kaffeepause ein, denn für den Endspurt heute habe ich jede Menge Zeit. Dann geht es weiter über Harsefeld bis nach Buxtehude.
deichIch bin begeistert: Auch in der Stadt kein Verfahren und kein ewiges Suchen nach den richtigen Wegen. Da lasse ich sogar die Altstadt und Eisdielen links liegen und fahre am Deich weiter.
Völlig verträumt vergesse ich den Blick auf das Navi und verpasse in Rosengarten die Abfahrt über den Deich. Doch nach kurzer Fahrt durch die Obstplantagen erreiche ich Finkenwerder. Hier nehme ich die Fähre zu den Landungsbrücken, schlage mich durch den Hamburger Großstadtverkehr und bin nach 72 km wieder zu Hause.

Fazit
Karte Ein richtig schöner Kurzurlaub!
Klaus als Radelpartner war so stimmig, dass ich ihn bedenkenlos auch auf eine längere Tour mitnehmen würde.

Die Strecke war abwechslungsreicher als ich gedacht habe und meistens gut befahrbar. Ohne GPS hätten wir nach dem Meerweg, an manchen Stellen ganz schön suchen müssen.
Wenn alle Routen von Radweit so gut sind wie diese, kann ich sie nur weiter empfehlen. Leider erfordert das eine Menge Vorarbeit, gleichgültig ob man mit GPS oder Papierkarte fährt.