Auf nach Gotland

Forsvik - Nynäshamn

Sa. 26.05.

Fabrik.jpg Während der Nacht hatte mein Zelt seine Farbe von grün nach gelb geändert. Pollen! Alles was sich während der Nacht außerhalb des Zeltes befand, war dick damit bedeckt.

 

Ausflugsschiff.jpg Lokal.jpg Zunächst radelte ich nach Karlsborg. Das lag zwar nicht in meiner Richtung, aber ich benötigte Bargeld. Nebenbei kaufte ich eine viel zu teure Straßenkarte, die noch nicht einmal bis Gotland reichte. Nachdem ich nun schon 15 km geradelt war, ohne wirklich vorwärts zu kommen, übermannte mich der Hunger und ich fuhr Sibylla (eine schwedische Fast-Food-Kette) an.
Ich schaute auf die Teller der anderen Gäste - Kartoffelpüree, darauf eine Wurst, daneben Pommes, über allem eine Mayonnaise mit etwas klein gehäckseltem Gemüse, daneben Töpfchen mit Ketchup, Senf etc. - und nahm lieber nur einen Hamburger.

Köhlerei.jpg Bauernhof.jpg Gegen 13:00 Uhr kam ich dann endlich wirklich los und folgte Runt Vättern in Richtung Norden. Eine Berg- und Talfahrt die, abgesehen von lockerem Schotter bei manchen Abfahrten, richtig Spaß machte.
Zu spät bemerkte ich, dass ich die Route verlassen hatte. Auch die Straßenkarte nützte im Wald nicht viel und so fuhr ich weiter, bis ich an eine richtige Straße kam.
Diese nahm ich natürlich in die falsche Richtung, konnte dadurch aber ungefähr meine Position auf der Straßenkarte bestimmen. Wieder in der richtigen Richtung unterwegs, gelangte ich schnell an eine Kreuzung, die mir sehr bekannt vorkam.
Schilder.jpg Ich hatte eine Ehrenrunde von 10 km gedreht.

Die Straße war gut, es gab keinen Verkehr und sie führte nach Norden. Der einzige Nachteil war, dass Gotland im Osten lag.
Auf dem Campingplatz Tiveden trank ich einen Kaffee und unterhielt mich mit einem Schweden über Salz-Design auf Hüten und kartenlose GPS-Empfänger. Wir hatten es lustig und so stieg ich nicht mehr aufs Rad, sondern buchte für 150:- SEK einen Zeltplatz.
Der Campingplatz war mit WLAN ausgestattet. So konnte ich mir einen Track nach Nynäshamn zusammenstellen und auf den GPS-Empfänger übertragen.

Schaukel.jpg

In einiger Entfernung von mir zelteten zwei Frauen, die sich auffallend unauffällig benahmen. Das machte mich natürlich neugierig, bis ich sah, dass sie sich heimlich Rotwein schmecken ließen. Scheinbar durfte man das nur im Zelt.
Später kam eine der beiden auf mich zu, doch brachte sie keinen Rotwein, sondern wollte sich nur über mein Zelt informieren, da sie für ihre Wochenend-Touren im Fjäll ein leichteres suchte.
Sie war Lehrerin, und als gute Pädagogin riet sie mir, mich nach den Fährüberfahrten zu erkundigen. Möglicherweise würden die außerhalb der Saison nur sehr selten fahren. Das hätte ich bei den Gotland-Fähren nicht vermutet.
60 km | 5:40 | 15,3 km/h

So. 27.05.

Schon um 9:00 Uhr machte ich mich auf den Weg und folgte Runt Vättern bzw. Tivedsrundan nach Askersund. Die Temperaturen waren um diese Zeit sehr angenehm und das Radeln mit dem herunter geladenen Track war sehr entspannt. Die teuer gekaufte Straßenkarte hätte ich mir sparen können.
Snack.jpg Schiffsarbeiter.jpg Im Hafen von Askersund ließ ich mir einen Mittagsimbiss schmecken.

 

Lokal.jpg Möve.jpg Der Track führte mich durch viele blühende Wiesen und Wälder, vorbei an einigen Seen und durch einige Bullerbü-Dörfer. Ganz unspektakulär, aber sehr schön zum Radeln.
Straße.jpg Holzstapel.jpg Nur von Flieder hatte ich langsam die Nase voll. Seit Tagen hatte ich immer wieder diesen Geruch in der Nase. Auf Dauer wurde mir dieser - eigentlich recht angenehme - Duft einfach zu viel. Hof.jpg

Mitten in dieser Landschaft gab es, für mich völlig unerwartet, ein großes Warenhaus. Es hatte sogar geöffnet und ich kaufte mir einen Vorrat an Wasserflaschen. Dabei war mir sicher, ihn nun nicht mehr zu benötigen.
Auf beschaulichen Strecken radelte ich dann weiter, bis ich in Brevens bruk ein kleines Café entdeckte. Tatsächlich handelte es sich dabei um einen Garagen-Trödelmarkt mit Sitzgelegenheit im Garten, aber ich bekam Kaffee und Kuchen.
Badhus.jpg Das Badhus sah ich leider erst auf der Weiterfahrt. Ich hätte gerne gewusst, ob es noch benutzt wird.

Keine 10 km weiter bemerkte ich beim Bremsen ein leichtes Holpern meines Rades. Am Hinterrad war eine Speiche gebrochen. Ich schraubte ein wenig an den Speichennippeln herum und glich so den Seitenschlag etwas aus.
Auf der Weiterfahrt hielt ich Ausschau nach einem Badeplatz. Dort wollte ich das Zelt aufstellen und dann in Ruhe die Speiche wechseln.
Floß.jpg Wie so häufig wenn ich einen Platz suche, fand ich keinen und so kam auf der schönen Strecke ein Kilometer zum nächsten, bis ich nach weiteren 40 km Djulöbadets Camping vor Katrineholm erreichte.
152 km | 12:02 | 17,2 km/h

Mo. 28.05.

Kanuten.jpg Es hatte doch sein Gutes, gestern keinen Badeplatz gefunden zu haben. Meine Ersatzspeichen hatten die falsche Länge, was ich allerdings erst nach dem Ausbau des Hinterrades bemerkte. Samt Hinterrad spazierte ich in die Stadt und fand mit einiger Mühe, versteckt hinter Motorsägen und Gartengeräten, eine Fahrrad-Werkstatt.
Das Einspeichen hätte ich liebend gerne den Fachleuten überlassen, doch die hatten keine Zeit und vertrösteten mich auf übermorgen. Ich kaufte einige Speichen, ließ mir das Zahnkranzpaket lockern und wechselte, zurück auf dem Campingplatz, zum ersten Mal in meinem Leben eine Speiche.
Einen Großteil des Nachmittags verbrachte ich mit zentrieren und Probe fahren, zentrieren und Probe fahren, und trug damit nicht unerheblich zur Unterhaltung der anderen Gäste bei.

Di. 29.05.

Djulösjön.jpg Gegen 10:00 Uhr bestieg ich mein Rad und fuhr in die Stadt. Ich frühstückte in einem Café und ließ mir von einem begeisterten alten Mann die Schultern klopfen.

Straße.jpg Unproblematisch, aber alles andere als schön, musste ich zunächst einige Kilometer an der 55 fahren, dann führte die Strecke auf kleineren Straßen weiter: Mälardalsleden, Näckrosleden und später Kustlinjen.
Meilenstein.jpg An einigen Stellen war der Track etwas undeutlich und ich konnte nur ausprobieren, welche Straßen zum Track gehörten. Doch da ich nach spätestens 100 m immer erkennen konnte, ob ich mich noch auf dem richtigen Weg befand, störte mich das kaum.

Trotz der strahlenden Sonne war es ziemlich kühl, und ich hatte entweder zu viel oder zu wenig Kleidung an. Die perfekte Kombination fand ich den ganzen Tag nicht.
Runenstein.jpg Irgendwo auf der Strecke kam ich an eine Baustelle und wartete dort an der roten Ampel. Endlich kam aus der Gegenrichtung ein Auto, wendete und leuchtete mir ein „Följa mig!“ entgegen. Derweil wurde auch die Ampel grün und ich folgte dem Wagen, der sich überhaupt nicht für einen Radfahrer interessierte.
Das musste eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme sein, denn die Baustelle war so breit, dass auch zwei LKW hindurch gekommen wären.

baum.jpg Baumstamm.jpg Nach 85 km fuhr ich in Tystberga einen Supermarkt an, und während ich mich über den frisch gekauften Kuchen hermachte, erklärte ich neugierigen Kindern, warum ich so viel Wasser durch die Gegend fuhr.
Brotzeit.jpg Ich war noch keine 2 km weiter gekommen, da hörte ich im Wald ein lautes Knacken. Erschrocken drehte ich mich um. Direkt hinter mir kam ein Elch aus dem Wald gesprungen, überquerte die Straße und rannte, erstaunlich elegant, über die Wiesen davon.
Nach weiteren 15 km kam ich an einem Schild mit dem Hinweis Sandviks Camping vorbei, und die Aussicht auf eine heiße Dusche ließ mich dorthin fahren. Meine Oberschenkel waren eiskalt. Vermutlich wäre es doch besser gewesen, eine lange Radhose über zu ziehen.
Es handelte sich um einen ganz einfachen Platz, dessen Rezeption nur am Wochenende für eine Stunde geöffnet war.
99,8 km | 8:14 | 17 km/h

Mi. 30.05.

Die geforderten 100:- SEK fand ich für den Platz zu viel. Ich legte einen angemessenen Obolus in den Briefkasten und machte mich – man lese und staune – schon um kurz nach 8:00 Uhr auf den Weg.
Die Lehrerin hatte mich doch sehr verunsichert, deshalb machte ich einen Umweg nach Trosa, um mich in der Touristinfo nach den Gotland-Fähren zu erkundigen. Doch vor 10:00 Uhr war dort nichts zu machen, und so hatte ich noch genug Zeit ein Café auf zu suchen und Kladdkaka (klebriger Schokokuchen) zu frühstücken.

„Auf Gotland wohnen viele Leute, da müssen die Fähren natürlich fahren!“ erfuhr ich in der Info.
Straße.jpg Nun wäre es schön gewesen, einen direkten Weg von Trosa nach Nynäshamn zu haben. Nur war da leider eine furchtbar langgezogene Ostseebucht im Weg, und ich musste weiter gegen den Wind nach Norden radeln, um diese zu umfahren.
Zwar sah ich einmal ein Schild mit einer Fähre, aber die fuhr nur auf die Insel Oaxen. So eine Querverbindung wäre auch zu schön gewesen.
Skanssundet.jpg Fähre.jpg Ich radelte bis zum Skanssundet und überquerte diesen mit einer kleinen Fähre. Dann kämpfte ich mich weiter gegen den Wind nach Norden. Manchmal glaubte ich sogar, auf der gegenüber liegenden Seite der Bucht, die Straße zu sehen, auf der ich später zurück radeln müsste.

Nach dem Umfahren der Bucht hatte ich in Richtung Süden Rückenwind erwartet, doch die Hoffnung wurde nicht erfüllt. Stattdessen nahm nun auch noch der Verkehr zu.
Briefkästen.jpg Briefkästen.jpg Vielleicht war die Strecke von Kagghamra nach Nynäshamn sogar schön, doch ich fand sie nur nervig und anstrengend. Ich vermute, ich war vorher noch nie so viele Kilometer am Stück mit dem kleinen Kettenblatt gefahren.

Hocherfreut es geschafft zu haben, fuhr ich Nickstabadets Camping in Nynäshamn an und zahlte für einen Zeltplatz 100:- SEK.
Campingplatz.jpg Ich wärmte mich mit heißem Kaffee auf und traute meinen Augen nicht. Da spielten doch tatsächlich Leute im Meer. „Ich bin eine Memme,“ dachte ich und radelte zum Hafen um den Fährplan an zu schauen.
103 km | 8:28 | 16,2 km/h