Auf nach Gotland

Mönsterås - Trelleborg

Mo. 04.06.

Morgens, ich war gerade dabei meine Sachen zu packen, wurde ich von zwei Rasenmähern grimmig angeschaut: „Hast du schon bezahlt?“ „Natürlich nicht. War ja niemand da.“ „Aber jetzt ist jemand da.“ So stellt man sich den Beginn eines schönen Tages vor.
Die Leute an der Rezeption waren dann wesentlich freundlicher. Nun, ein wenig besser gelaunt, wollte ich mich auf den Weg machen, wurde dann aber von einer Frau und ihren beiden Kindern zum Kaffee eingeladen. Da konnte ich doch nicht „Nein“ sagen.

Die drei waren mit Auto und Zelt unterwegs und blieben immer ein paar Tage an einem Ort, von dem sie dann Tagestouren machten. Ich berichtete von meinem bisherigen Tourverlauf, und dass ich nun doch nicht mehr nach Öland fahren würde.
Die drei waren auf Öland gewesen: „Wenn du eh keinen Flieder mehr sehen kannst, solltest du jetzt auch nicht hinfahren, die Insel ist voll davon.“ Gegen 11:30 Uhr verabschiedete ich mich.

Ich radelte zurück nach Mönsterås, folgte dann einer kleinen Straße nach Blomstermåla und stand dann plötzlich vor einer Baustelle. Den Schildern nach zu urteilen konnte man dort nicht hindurch. Ich versuchte es trotzdem. Obwohl es sich hier nicht um eine Radroute handelte, kam mir nach wenigen Minuten ein Reiseradler entgegen.
Ob er den gleichen Versuch gemacht hatte und nun wieder auf dem Rückweg war? Doch er fragte im vorbei rauschen, ob man in seiner Richtung durch könne. Es musste also in meiner Richtung auch irgendwie weiter gehen. Es war ein schönes Fahren so ganz ohne Autos. Wenige Kilometer weiter kam mir schon wieder ein Reiseradler entgegen. Das war ja schon fast eine Invasion.

Alterån.jpg Schule.jpg Die einzige Straße in südlicher Richtung war etwas größer und führte mich in den Ort Ålem. Der kleine Fluss hier heißt Alsterån. Da fühlte ich mich schon fast wieder zu Hause. Auf einer kleinen Straße radelte ich dann weiter nach Bäckebo. Hier hatte ich auf ein Café gehofft, oder wenigstens einen Supermarkt.
Es gab weder das eine noch das andere, und so ließ ich mich gegenüber der Schule nieder um von meinen Snacks zu naschen.
Als ich zu frieren begann, setzte ich mich aufs Rad, überholte die beiden Lehrerinnen, die einige Minuten vor mir von der Schule abgefahren waren, und machte mich auf den Weg nach Nybro. Die Strecke führte ausschließlich durch Wald, und auf halber Strecke nutzte ich eine Lichtung für eine kleine Pause.
Plötzlich hörte ich Gesprächsfetzen und dann radelten die Lehrerinnen an mir vorbei. Für so Plappermäulchen hatten die beiden ein gutes Tempo drauf und ich versuchte gar nicht, sie noch einmal einzuholen. Doch bis Nybro hatte ich sie immer vor mir in Sichtweite. Über 20 km Arbeitsweg legten sie mit dem Rad zurück.

Ich fuhr zum Einkaufen in den Ort und anschließend auf den winzigen aber schönen Campingplatz. Um die 100:- SEK bezahlen und das Servicegebäude nutzen zu können, musste ich den Platzwart anrufen.
Ich teilte mir den Platz mit einigen, vermutlich osteuropäischen, Arbeitern. Sie parkten ihre beiden Autos so geschickt zwischen die kleinen Wohnwagen, dass sie einen geschlossen Kreis bildeten, und ich ihr Grillfest zwar hören und riechen, aber nicht sehen konnte.
79 km

Di. 05.06.

Kirche.jpg Skulptur.jpg Nach den Einkäufen und einem Kaffee im Supermarkt irrte ich ein wenig herum, bis ich die Straße nach Örsjö fand. Eine ruhige Straße, die auch fast nur durch Waldgebiete führte. In Örsjö warf ich einen Blick in einen kleinen Skulpturenpark, dann radelte ich weiter nach Emmaboda.
Während ich eine kurze Pause im Zentrum einlegte, sprachen mich zwei Jugendliche an, die mir neugierig ein paar Fragen zu meiner Tour stellten.

 

Skulpturen.jpg Skulptur.jpg Skulptur.jpg Skulptur.jpg Skulptur.jpg

 

Schild.jpg Straße.jpg Auf der Weiterfahrt kam ich leider auf eine Straße, die zwar 3-stellig war, auf der aber trotzdem viel Auto- und LKW-Verkehr herrschte. Kurzentschlossen fotografierte ich einen Umgebungsplan und verließ die Straße bei der nächsten Möglichkeit.
Nun befand ich mich zwar auf einer ruhigen Straße, aber wohin führte die? Ich kreuzte die Fahrradroute Utvandrarleden, doch konnte ich den auf dem Foto des Umgebungsplans genauso wenig finden wie die Ortsnamen, die ich an der Straße sah. Umgebungsplan.jpg

An Kreuzungen und Gabelungen musste ich mich also auf meinen Orientierungssinn verlassen und geriet auf immer schmaler werdende Straßen. Dann sah ich endlich einen Wegweiser: Ich radelte Richtung Karlskrona. Das war mir zwar zu weit östlich, aber immerhin nicht ganz falsch. Dann gab es plötzlich eine Straße, die scheinbar nach Westen führte. Was sollte Schlimmeres passieren, als das sie irgendwo im Wald endete?
Also fuhr ich dort weiter. Vorsichtshalber speicherte ich jedoch mögliche Übernachtungsplätze, an denen ich vorbei kam, als Wegpunkte in den GPS-Empfänger.
Badestelle.jpg Der Weg gen Westen führte mich nach Eringsboda und fand dort fand ich eine größere Straße, die ich auch wieder Richtung Westen nahm. Ich kam an einem ziemlich groß aussehenden Campingplatz vorbei. Doch der wirkte auf mich so unsympathisch, dass ich ihn ignorierte.
Fahrrad.jpg Eine gute Entscheidung, denn nur wenige Kilometer weiter fand ich einem kleinen Campingplatz, der, mit dem Fahrrad im Fluss, gleich einen sympathischeren Eindruck vermittelte. Ein einfacher Platz, der mich nur 65:- SEK kostete.
81,8 km | 7:25 | 14,8 km/h

Mi. 06.06.

Wasserfall.jpg Ostsee.jpg Den Verkehr am schwedischen Nationalfeiertag hatte ich mir anders vorgestellt. Ich rechnete mit viel Ausflugsverkehr, aber nicht mit so vielen LKW. Die 25 km bis Bräkne Hoby waren noch gut zu ertragen, doch dann nahm der Verkehr stetig zu.
Ich ergriff die Flucht und folgte Cykelspåret zur Küste.

 

Fischer.jpg Boote.jpg Dort gab es dann den erwarteten Ausflugsverkehr in Form von Motorrädern. Hunderte müssen es gewesen sein, die mir auf dem Weg nach Karlshamn entgegen kamen. Am liebsten wäre ich auf dem Campingplatz vor Karlshamn geblieben, aber 13:30 Uhr war dafür einfach noch zu früh.
Stattdessen radelte ich zur Mittagspause in die Stadt und fuhr anschließend weiter nach Mörrum. Dort verließ ich die Radroute, um nach einigen Kilometern doch wieder darauf zu gelangen. Falls es dafür jemals einen Grund gab, so habe ich ihn erfolgreich verdrängt.

Fluss.jpg Schilder.jpg Dann, auf eine gemütlichen Strecke - vermutlich ein ehemaliger Bahndamm - hörte ich ein Knacken. Schon wieder ein Speichenbruch, diesmal genau gegenüber der neu eingesetzten Speiche. Nach einer Werkstatt brauchte ich am Nationalfeiertag nicht Ausschau zu halten und so radelte ich halt etwas vorsichtiger weiter.
Zum Glück blieben mir auf der Radroute Schlaglöcher u. ä. erspart, und ich schaffte noch 60 km, über Bromölla, bis nach Kristianstad. Den ganzen Tag über hatten dunkle Wolken den Himmel verdeckt, doch es fiel kein Regentropfen auf mich herunter, und Teperaturen um 14°C waren auch sehr angenehm.
Haus.jpg In Kristianstad steuerte ich Charlottenborgs Camping och Vandrahem an, wo ich für 80:- SEK mein Zelt aufbauen, und die Nacht verbringen durfte. Als ich sicher im Zelt lag, begann es zu regnen.
132 km | 16,3 km/h

Do. 07.06.

Morgens überlegte ich hin und her und kam zu dem Ergebnis, dass ich wenig Lust hatte mich um die Speiche zu kümmern. Also machte ich mich auf zum Bahnhof, in der Hoffnung einen Bus nach Trelleborg nehmen zu können.
Ich fand zwar die Haltestelle, der Busbahnhof war eine Baustelle, aber weder einen Fahrplan noch sonstige Anzeigen. Am Bahnschalter empfahl man mir, den Zug nach Malmö zu nehmen und ich wies vorsichtshalber noch einmal auf mein Fahrrad hin. „Kein Problem, der Öresundståg hat ein Mehrzweckabteil.“
Ich verließ mich darauf, die kurze Strecke von Malmö nach Trelleborg mit gebrochener Speiche radeln können, und kaufte eine Fahrkarte. Im Gegensatz zu den Mehrzweckabteilen in deutschen Zügen, die prompt von Fahrgästen ohne Gepäck dicht belagert werden, ging es im Öresundståg sehr rücksichtsvoll zu.

Eine ausgeschilderte Radroute, führte mich ganz unproblematisch in südöstlich Richtung aus Malmö hinaus. Bis nach Trelleborg war die Route leider nicht ausgeschildert, und an der Straße war mir zu viel Verkehr.
Kirche.jpg Ich verließ die Straße und fuhr über die Dörfer, von Kirchturm zu Kirchturm. Ziemlich windig war es zwischen den Feldern. In einem kleinen Dorf fand ich ein Geschäft für Inneneinrichtungen, in dem es aber auch ein Café gab. Natürlich musste ich einkehren.
Über Umwege kam ich schließlich doch noch in Trelleborg an, kaufte mir am Fährterminal ein Ticket für den nächsten Tag und radelte weiter zum Campingplatz.
55 km

Fazit

Ohne Karte kann ich ziemlich zielstrebig in die falsche Richtung fahren, und viel habe ich von meinem urspünglichen Plan nicht erreicht, aber es hat Spaß gemcht. Auf das Wetter kann man sich in Schweden immer noch nicht verlassen, Temperaturen zwischen 6°C und 26°C, und Flieder kann unerträglich sein.
Aber Gotland ist auf jeden Fall eine Reise wert.