Mit dem Fahrrad zum Nordkap

Nordkap-Tour Teil 2: Sunne - Noppikoski

Fr. 12.06.

Wieder klingelte der Wecker um 8:00 Uhr, doch heute morgen fühlte ich mich noch sehr müde und auch der mit Wolken verhangene Himmel trug nicht zur Hebung meiner Stimmung bei.
Trotzdem brachten wir gegen 11:00 Uhr den Sitzplatz zurück und tauschten ihn gegen unsere Fahrradsättel.
Rastplatz Rastplatz Gegen den Wind radelten wir bis zum Rastplatz Tosseklätten, konnten aber wegen der tief hängenden Wolken kaum eine schöne Aussicht genießen. Während wir uns ziemlich unmotiviert auf den Weg nach Torsby machten, begann es zu regnen.
Festwagen Dort gingen wir einkaufen und schauten uns einen Festumzug zum Schulabschluss an. Nun war uns auch klar, was die Jugendlichen in Sunne gestern gefeiert hatten. Dann suchten wir erfolgreich nach einer Pizzeria. Festwagen
Ich wählte eine Pizza aus, bestellte mit der entsprechenden Nummer und wurde nach dem Namen gefragt. Ziemlich verwirrt fragte ich zurück: "Mitt namn?", weil ich dachte ich würde aufgerufen, sobald die Pizza fertig wäre.
Daraufhin brach meine Umgebung in Gelächter aus, denn es war nur der unaussprechliche Name der Pizza gemeint.
An diesem Missverständnis erfreute sich Oscar noch Tage später.

Dank der Parade und der leckeren Pizza verging die Zeit wie im Fluge und es war schon 15:00 Uhr als wir uns wieder auf die Räder begaben. Den Wind immer irgendwo von vorn strampelten wir weiter und weiter auf der E45.
Ziemlich geschafft kamen wir um kurz nach 18:00 Uhr auf dem Campingplatz bei Stöllet an, und wurden beim Aufbauen der Zelte von Mückenschwärmen überfallen. Es war unerträglich und ich besorgte mir schnell eine Flasche Djungelolja in der Rezeption. Bier, das ich bei der Gelegenheit gleich mitnehmen wollte, gab es leider nicht. Doch das gab es an der Tankstelle auf der anderen Straßenseite.
80 km | 4:57 Std. | 16,5 km/h

Sa. 13.06.

Rezeption Für heute morgen wurde kein Wecker gestellt. Wir wollten mal ausschlafen. Aber scheinbar hatte ich mir schon einen normalen Wach- Schlafrhythmus angewöhnt. Jedenfalls wurde ich um 7:00 Uhr wach, machte aus Langeweile einen kleinen Spaziergang, kochte mir leise einen Kaffee und schlief nach drei Schlucken wieder ein.

Ludger Um 11:00 Uhr erwachte ich das nächste Mal. Das gleiche Ritual, aber diesmal schlief ich nicht wieder ein. Der Himmel war, wie nicht anders erwartet, bedeckt und es nieselte. Auch Oscar erwachte irgendwann und um 13:30 Uhr waren wir wieder auf dem Inlandsväg unterwegs. Die Steigungen und Gefälle waren flach und lang gestreckt, so dass wir, bei dem Gegenwind, auch bergab noch ordentlich in die Pedalen treten mussten.
Wir schafften die 20 km bis zum Rastplatz Lisskogsåsen und aßen im Dutch Mountain leckeren, süßen Kuchen zum Kaffee.
Straße Anschließend war das Pedalieren etwas leichter. Dafür überschüttete uns auf dem Weg nach Malung ein heftiger Regenschauer.
Um kurz vor 17:00 Uhr kamen wir in Malung an und fuhren direkt zum Campingplatz. Für 330:- SEK mieteten wir eine Hütte. Welch eine Überraschung!
Hütte Statt eines Zimmer mit zwei Betten und einem Tisch mit zwei Stühlen standen wir in einer kleinen Wohnküche mit 2-Platten-Herd, Kühlschrank und zwei winzigen Zimmern mit je zwei Etagenbetten. Sogar einen Trockenschrank gab es. Da bot sich doch ein Waschtag geradezu an.

Oscar ging noch ein wenig in die Stadt und ich probierte die kostenlose Sauna des Platzes aus. Dabei stellte ich fest, dass ich mein Duschgel am Morgen auf dem Campingplatz vergessen hatte. Die Pflegedusche, die ich dann an der Rezeption kaufen konnte, war eine widerlich riechende Cremedusche.
Auch von der Sauna war ich alles andere als begeistert. Die Sitzbänke waren so schmal, dass ich weder richtig sitzen noch liegen konnte, und sie war sehr ungleichmäßig beheizt. Im Schulterbereich drohte ich Brandblasen zu bekommen, während es unterhalb des Bauchnabels noch kalt blieb.
So brach ich diesen enttäuschenden Saunagang ab und setzte mich lieber für ein Stündchen auf die Veranda.
45 km | 2:47 Std. | 16,5 km/h

So. 14.06.

Bereits um 3:00 Uhr in der Nacht wurde ich wach. Es regnete immer noch, und schnell legte ich mich wieder schlafen. Als ich um 5:30 Uhr das nächste Mal aufwachte, sah es zwar immer noch sehr duster aus, aber es regnete nicht mehr.

Um 9:30 Uhr waren wir soweit und konnten, motiviert durch ein großes Wolkenloch in nördlicher Richtung, losfahren. Doch wir hatten vergeblich gehofft. Schon kurz hinter Malung setzte der Regen ein und ließ für den für den Rest des Tages nicht nach. Immerhin mussten wir endlich einmal nicht gegen den Wind antreten, manchmal hatten wir sogar Rückenwind.
Trotzdem machten sich in meinem linken Knie leichte Schmerzen bemerkbar. Lag es an der Kälte, oder an Überanstrengung? Seltsamerweise ging es dem Knie aber gut, wenn ich nach einigen Kilometern Fahrt kurz vom Fahrrad stieg. Nach dem Aufsteigen hatte ich dann keine Probleme mehr.
Nach 15 km legten wir eine kurze Pinkelpause ein und eine freundlich grüßende Radlerin fuhr an uns vorbei. Als wir wieder auf die Räder stiegen, war sie immer noch in Sichtweite. Ich motivierte mich, indem ich mir zum Ziel setzte, sie in Sichtweite zu behalten. Eine Zeit lang klappte das gut, doch sie war schneller als wir, und irgendwann verlor ich sie aus den Augen.

So kamen wir trotz Kälte und Nässe ziemlich flott bis nach Johannisholm. Ich wollte einige Gänge herunter schalten und griff plötzlich ins Leere. Der Schaltzug war gerissen.
Bevor ich mich an die Reparatur machte, kehrten wir in den Johanniskrog ein und wärmten uns erst einmal bei einem Mittagessen auf.
Hier trafen wir auch die freundliche Radlerin wieder. Sie drehte bei dem schlechten Wetter mal eben ihre lange Trainingsrunde.
Nach dem Essen suchten wir uns einen trockenen Platz unter einer Veranda und ich begann mit der Arbeit. Der Inhaber des Campingplatzes erwischte uns... und schloss uns sofort seine Werkstatt auf.
Doch auch in der warmen Werkstatt bekam ich den Schaltgriff nicht auf, um das darin verbliebene Endstück zu entfernen. Mir blieb nicht anderes übrig als den defekten Schaltzug zu befestigen und mit nur drei benutzbaren Gängen weiter zu fahren.

Vorher wollte ich aber noch eine Zigarette rauchen. Wir gingen einige Meter zu einem überdachten Tisch am Rastplatz. Es war ziemlich kalt, Oscar hüpfte sich warm und sprang dabei schwungvoll gegen den First. Ohne Helm hätte er sich einen dicken Dachschaden zugezogen.
Siljanfors Die Strecke war recht flach und entgegen meiner Erwartungen - mit nur drei Gängen und Knieproblemen - kamen wir gut voran und fuhren zunächst bis zum Rastplatz Siljanfors. Wieder einmal gab es Kaffee und Kuchen und die nette Bedienung schaute für uns im Internet nach dem Wetterbericht, der - welch eine Freude - für die nächsten Tage besseres Wetter ankündigte.
Danach wagten wir uns an die letzten 20 km bis nach Mora. Dort fuhren wir gleich zum Campingplatz, konnten aber keine Rezeption finden. Statt dessen entdeckten wir einen geöffneten Kiosk und dort erfuhren wir, dass die Rezeption im Hotel war.

Bei dem Wetter hatte selbst ich nichts gegen eine zweite Nacht in einer Hütte einzuwenden. Wir bekamen ein hübsches Zimmer in einem alten 4-Zimmer-Holzhaus, das aussah als ob es zu einem Museumsdorf gehören würde.
Dann gingen wir in den Ort, kauften ein und schauten nach der Touristeninformation. Zu unserem Erstaunen hatte die Information geöffnet und die Bedienung konnte mir sogar zwei Fahrrad-Werkstätten nennen.
Mit großen Bedauern tat sie kund, dass ich damit aber bis morgen warten müsste, da die Werkstätten am Sonntag geschlossen hätten.
Den Rest des Abends verbrachten wir mit viel Essen und wenig Dosenbier auf dem Zimmer.
75 km | 3:45 Std. | 19,8 km/h

Mo. 15.06.

Da die Fahrradwerkstätten erst um 10:00 Uhr öffneten, konnten wir am Morgen ruhigen Gewissens ein wenig herumtrödeln. Um 10:30 Uhr waren wir in Moras Fußgängerzone beim Intersport.
Mora Ich fragte im Geschäft, ob es dort wirklich eine Werkstatt gäbe, bekam eine positive Antwort und schob mein Fahrrad durch den Laden. Der Mechaniker hatte natürlich noch einiges andere zu tun, wollte mein Rad aber bis 12:00 Uhr fertig haben.
Die Wartezeit nutzten wir mit Einkäufen. Oscar kaufte sich ein paar kurze Handschuhe und suchte nach einem Stirnband, um seine Ohren gegen Kälte schützen zu können. Doch das war im Intersport nicht zu finden.
Ich erstand zehn Paar Tennissocken für 120:- SEK, die wir unter uns aufteilten. Mein erstes Paar Socken war schon, mehrfach durch Plastiktüten gegen austretenden Geruch gesichert, ganz unten in der Packtasche verstaut. Unter den Umständen könnten die mitgenommen fünf Paare knapp werden.

See Um kurz nach 12:00 Uhr war mein Rad fertig und wir machten uns auf den Weg nach Orsa. Das Wetter war, wie gewohnt, kühl und regnerisch. Meine Haut im Gesicht war dadurch schon ziemlich trocken und gespannt.
Nach einigem Suchen fanden wir in Orsa ein sehr stylisch eingerichtetes Café. Wir bestellten uns etwas zu essen und plötzlich spürte ich meinen Hosenbund in der Kniekehle. Rot geworden sah ich an mir herunter und stellte zu meiner Erleichterung fest, das ich nur die Regenhose nicht richtig geschlossen hatte.
Während wir unsere belegten Baguettes aßen, schnappte ein Passant einige unserer Gesprächsfetzen auf, kam auf uns zu und tat uns seine Bewunderung kund.
Obwohl unsere Tour bisher nichts besonderes war, tat die Anerkennung doch gut.

Um 14:00 Uhr bestiegen wir wieder unsere Räder und der Kampf gegen den Wind ging weiter.
Das kleine Café in Kvarnberg hatte leider geschlossen, doch ich wusste noch, dass sich einige Kilometer weiter, in Noppikoski, eine Tankstelle mit einem großen Lokal befand.
Ludger Voller Freude auf ein warmes Essen und Kaffee fuhren wir dieses Lokal an - doch es war geschlossen. Ein Schild an der Tür verkündete, dass es gegen Mittsommer wieder öffnen würde.

Was sollten wir nun, es war inzwischen bereits 17:30 Uhr, tun? Weiter fahren und dann irgendwo wild campen? Dazu hatte Oscar bei dem Wetter nicht sehr viel Lust, und ich hätte dazu meine Wasservorräte irgendwo auffüllen müssen.
Dann entdeckte ich das Schild einer Zimmervermietung, nahm mein Handy und rief die Nummer an. Begeistert war ich von dieser Lösung nicht, aber etwas Besseres fiel mir auch nicht ein.
Essplatz Küche Am Telefon erfuhr ich, wo sich das Haus und die Schlüssel dazu befanden und das wir die 350:- SEK am nächsten Morgen einfach im Zimmer deponieren sollten. Wir mussten kurz nach dem Haus suchen, und dann konnten wir ein großes Zimmer in einem Vandrahem beziehen. Auf meinem Bett lag noch das Geld eines Vormieters.
Fahrrad Wir hatten gerade alles Gepäck im Zimmer verstaut, da siegte die Sonne über die Wolken, und wir bauten unsere Zelte zum Trocknen auf.
In der Dusche hatte jemand sein Duschgel stehen gelassen. Ich testete es und tauschte es dann gegen meine neu erstandene Cremedusche aus.
Am Abend machten wir noch einen langen Spaziergang entlang des Oreälven. Beim Anblick des Flusses träumte und schwärmte Oscar vom Angeln. 70 km | 4:34 Std. | 15,7 km/h

Oreälven Sauna Oreälven