Ruhrtour

Nach der gelungenen Tour im letzten Jahr, planten Klaus und ich auch für 2009 eine gemeinsame Radreise. Für diese Reise hatten wir uns den Ruhrtalradweg und das Ruhrgebiet ausgesucht.

Am Morgen des 4. April machte ich mich mit dem Zug auf nach Dortmund. Dort wurde ich von Klaus schon am Bahnsteig empfangen. Wir hatten noch Zeit, am Kiosk einen Kaffee zu trinken, und dann ging es mit dem Dortmund-Sauerland-Express weiter nach Winterberg.
Im Zug Für Kurzweil während der Fahrt sorgte ein 84-jähriger Mann, der Geschichten aus seinem Leben erzählte, auf der Mundharmonika alte Seemannslieder zum Besten gab und sogar noch ein Bild von Arnsberg in mein Notizheft malte.
Zeichnung Zu unserem Erschrecken entdeckten wir vor der Einfahrt nach Winterberg Schneefelder auf einigen Bergen.
Um halb Drei konnten wir uns dann endlich in die Sättel schwingen. Kaum hatten wir die erste Steigung erklommen, als wir auch schon vor dem ersten Schneefeld standen.
Klaus Und es sollte noch schlimmer kommen. Der Waldweg zur Ruhrquelle war mit einer Schicht festgestampften, gefrorenem Schnee bedeckt, in dem die Reifen immer wieder einsanken und wegrutschten. Stellenweise war jedes Fahren unmöglich und wir mussten die Räder schieben. Doch schließlich erreichten wir die Quelle des Flusses, dem wir von nun an folgen wollten.
Ludger Ruhrquelle Zunächst ging es über matschige, stellenweise etwas vereiste Schotterpisten weiter durch den Naturpark Rothaargebirge. Es folgte eine asphaltierte Straße, eine Steigung in Niedersfeld und schon mussten wir eine Zwangspause einlegen.
Die Kette von Klaus' Rad hatte sich so unglücklich zwischen zwei Ritzel und Zähne geklemmt, dass sie sich nicht mehr bewegen ließ. Nur mit Schraubendreher und brachialer Gewalt konnten wir sie befreien. Erstaunlicherweise kam dabei kein Kettenglied zu schaden.
Ludger Ohne nennenswerte Erlebnisse fuhren wir weiter bis nach Olsberg, wo wir in einer extrem mit kitschiger Osterdeko vollgestopften Konditorei rasteten. Diese Stärkung war auch bitter nötig, denn um aus den Ort herauszukommen führten uns die Radwegschilder auf einem Wanderweg einen steilen Berg hinauf. Dann ging es zum Teil auf der B7 und zum Teil auf kleineren Straßen nach Meschede.
Auf dem weiteren Weg hielten wir nach Campingplätzen Ausschau, doch so etwas war in dieser Gegend nirgends zu finden und zum wild Campen fanden wir auch keinen richtigen Platz.
So erkundigten wir uns in Arnsberg nach günstigen Hotelzimmern und bekamen im Hotel Zur Linde ein Doppelzimmer mit getrennten Betten für 38,- € pro Nase.
Vor dem Schlafen gehen suchten wir noch ein Pizzeria auf. Das hatten wir uns nach diesem langen Tag wirklich verdient.
70 km | 4:41 Std. | 17,1 km/h

Am Sonntagmorgen gab es für uns ein opulentes Frühstück. Das Buffet hätte für eine komplette Fußballmannschaft gereicht, dabei waren wir die einzigen Gäste im Hotel. Die Wirtin persönlich schaute hin und wieder in den Frühstücksraum, um uns mit ausreichend frischem Kaffee zu versorgen. Außerdem machte sie uns darauf aufmerksam, dass Radfahrer sich ein Bütterken machen dürften. Wir konnten uns also auch noch ein Lunchpaket machen.
Ruhr Mit strammen Bäuchen begaben wir uns wieder auf die Räder und fuhren eine kleine Schleife durch das noch verschlafene Arnsberg. Wenn wir schon den Ruhrtalradweg fahren wollten, dann auch ganz.
Sperrwerk Über Wickede, Fröndenberg und Langschede radelten wir bis nach Ohle, wo wir einen Biolandhof als Radfahrer-Raststätte entdeckten. Klar, dass wir diese Gelegenheit zu einer Rast nutzten.
Pause Von einem anderen Gast wurde uns versichert, dass die Strecke, die uns bisher schon gut gefallen hatte, noch schöner werden würde. Doch erst einmal füllte sich der Weg mit Spaziergängern, Joggern und Radfahrern und ab Herdecke mussten wir uns regelrecht durch die Massen klingeln.
Ruhrtalradweg Zwar etwas nervig, aber auch verständlich an einem relativ schönem Sonntag Nachmittag. Meistens ziemlich nah an der Ruhr fuhren wir weiter und erreichten gegen 16:00 Uhr die Zeche Nachtigall, wo wir die nächste Rast einlegten.
Zeche Kaum saßen wir wieder auf den Sätteln, mussten wir auch schon wieder absteigen, um mit einer Fußgängerfähre die Ruhr zu überqueren.
Fähre Dann ging es am Kemmnader See entlang und weiter bis nach Hattingen. Dort befand sich gleich am Ruhrtalradweg ein Campingplatz.
Zelt Ich hatte gerade den Seesack mit Schlafsack und Isomatte vom Gepäckträger genommen, als dieser auch schon nach hinten kippte. Beide Schrauben an der Sattelstrebe hatten sich gelöst und waren nicht mehr aufzufinden. Da ich den Verschluss des Seesacks immer an der Sattelstütze sichere, wurde der Träger während der Fahrt davon gehalten.
Manche Eigenheiten scheinen doch ganz nützlich zu sein. Es folgte eine Notreparatur mit Kabelbinder.
Beim Essen Nachdem wir uns ein wenig ausgeruht und aufgefrischt hatten, schwangen wir uns wieder auf die Räder und radelten einige Kilometer zurück, um im Haus Kemmnade zu speisen, bzw. Sascha, einem Freund von Klaus, zu überraschen. Die Überraschung gelang, das Essen war lecker und im Anschluss sorgte Sascha für eine Burgstubenführung.
In tiefer Dunkelheit fanden wir den Weg zurück zum Campingplatz.
118 km | 6:05 Std. | 19,2 km/h

Es wurde eine lange Nacht, da Sascha nach seinem Dienst noch zu Besuch kam.
Entsprechend träge waren wir am Montag Morgen. Als wir dann endlich zur Abfahrt bereit waren, lud uns der Campingnachbar noch zum Kaffee ein. Den konnten wir natürlich auch nicht ablehnen.
Reparatur Bei strahlendem Sonnenschein kamen wir dann um 11:30 Uhr endlich los. Durch eine große Baustelle fuhren wir in die Stadt zum Fahrradhändler, damit ich meine Gepäckträgerschrauben erneuern konnte. Es folgte ein Bummel durch die Innenstadt, gefolgt vom Essen holländischer Pommes.
Giebel Auf dem Weg zurück zum Ruhrtalradweg trafen wir auf einen einheimischen Radler, der uns freundlicherweise die Fahrt durch die Baustelle ersparen wollte und deshalb die Führung übernahm. Er führte uns in einige Sackgassen und dann endlich, kaum noch erwartet, an den Radweg.
Ludger Nun ging es immer an der Ruhr entlang weiter bis nach Essen-Werden. Da wir beide nicht so richtig fit waren und auch keine Lust auf eine längere Campingplatzsuche hatten, steuerten wir dort den Campingplatz an und ließen uns häuslich nieder. Ludger So hatten wir Zeit, die Sonne gemütlich vor dem Zelt sitzend zu genießen und dabei zu überlegen, wie wir die nächsten Tage verbringen wollten.
Da es offensichtlich nicht so viele Campingplätze gab, beschlossen wir Essen-Werden zu unserem Basislager zu machen und den Rest des Radwegs, sowie Sightseeingtouren, ohne Gepäck zu machen.
37 km | 2:18 Std. | 16,1 km/h

Sperrwerk Um kurz nach Zehn am Dienstag Morgen machten wir uns auf den Weg nach Duisburg. Wann wir dabei von einer Stadt in die Nächste kamen, konnte ich nicht mehr nachvollziehen. Mühlheim, Oberhausen, Duisburg hätten auch Stadtteile von Großruhrstadt sein können.
Wassermuseum Bevor wir unser Ziel erreichten, mussten wir in Mühlheim aber noch ins Aquarius Wassermuseum, ein spannendes und schön gestaltetes Museum in einem ehemaligen Wasserturm.
Ruhrmündung Danach fuhren wir weiter zur Mündung der Ruhr in den Rhein nach Duisburg. Damit hatten wir unser Ziel erreicht und konnten uns nun auf reine Sightseeingtour begeben.
Dazu folgten wir zunächst dem Emscher Park Radweg, einem Hauptweg der Route der Industriekultur per Rad, zum Landschaftspark Duisburg Nord, dessen Zentrum ein stillgelegtes Hüttenwerk ist.
Landschaftspark Landschaftspark Landschaftspark

 

Landschaftspark Landschaftspark Landschaftspark Zwischen diesen Anlagen kam ich mir ganz schön klein vor. Nach diesen Eindrücken mussten wir uns erstmal ein wenig ausruhen, bevor wir uns auf die nächste Etappe, zum Gasometer nach Oberhausen, begaben. Hier wurde die Ausstellung „Sternstunden - Wunder des Sonnensystems” gezeigt.
Gasometer Gasometer Gasometer Gasometer Im gläsernen Fahrstuhl fuhren (flogen) wir am Mond vorbei. Mir wurde ziemlich mulmig zumute und ich war froh, als ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, obwohl sich dieser Boden hoch über den Dächern von Oberhausen befand.
Unser nächste Ziel war die Gartenstadt Margarethenhöhe in Essen.
Siedlung Marktplatz Wegen kleinerer Baustellen und nicht vorhandener Umleitungsbeschilderungen war der Weg nicht so einfach zu finden und wir waren vom vielen Verfahren ziemlich gereizt. Schließlich erreichten wir die Margarethenhöhe. Ich war inzwischen kaum noch aufnahmefähig und froh, weil es danach nur noch zurück zum Campingplatz ging. Hundertwasserhaus Nicht einmal das Hundertwasserhaus im Grugapark konnte mich zum Anhalten bewegen.
86 km | 4:53 Std. | 18,4 km/h

Auch der Mittwoch war geprägt von Sightseeing und einer Menge von Eindrücken. Sascha hatte uns angeboten, uns dazu im Auto zu chauffieren. Das Angebot nahmen wir gerne an und ließen unsere Fahrräder auf dem Campingplatz zurück.
Villa Als erstes fuhren wir zur Villa Hügel. Außer dem Gebäude nebst Informationen zur Geschichte der Krupps gab es auch noch eine Ausstellung des Museum Folkwang zu sehen.
Danach fuhr uns Sascha zur Zeche Zollverein. Während sich Sascha und Klaus die Design-Ausstellung ansahen, beschränkte ich mich auf einen langen Spaziergang kreuz und quer über das Gelände und den Besuch einer kleinen Fotoausstellung.
0 km | 0:00 Std. | 0,0 km/h

 

Zeche Zeche Zeche Zeche

An unserem letzten gemeinsamen Tag mussten wir den Ruhrtalradweg bis zur Schleuse bei Steele zurück radeln und dann weiter bis nach Kray, wo wir eine kurze Mittagspause einlegten.
Zeche Danach fuhren wir zum Emscher Park Radweg, folgten ihm einige Kilometer und bogen dann noch Norden ab um auf dem nördlichen Emscher Park Radweg weiter zu fahren.
Schiffshebewerk Entlang der Emscher, die stellenweise doch einen sehr unangenehmen Geruch aussandte, radelten wir zum Schiffshebewerk Henrichenburg. Hier gab es einen Kiosk mit Kaffee und Kuchen und einer sehr netten Bedienung, die mir sogar sagen konnte, welche Campingplätze in der Umgebung geöffnet hatten.
Spurwerkturm Bei Waltrop verließen wir die Radroute und begaben uns in den Gewerbepark Zeche Waltrop. Während Klaus sich bei Manufactum umsah, entdeckte ich die Manufaktur von Hase Bikes. Schade, dass man so eine Werkstatt nicht einfach stürmen kann während dort gearbeitet wird.
Nun war die Zeit des Abschieds gekommen. Klaus' Weg führte nach Dortmund um von dort aus wieder den Zug nach Hause zu nehmen und mein Weg führte zum Campingplatz in Datteln.
80 km | 4:41 Std. | 18,8 km/h

Um 10:30 Uhr machte ich mich vom Campingplatz auf den Weg nach Selm. Dort sollte es eine St. Ludger Kirche geben und die wollte ich natürlich sehen.
Auf dem Weg dorthin holten mich zwei Rennradler ein, wechselten ein paar Worte mit mir und zogen davon. Die halb durchscheinende weiße Radhose sah von hinten wirklich appetitlich aus. Doch mit meinem langsamen Packesel war mir der Anblick nicht lange vergönnt.
Kirche Bei der Kirche handelte es sich natürlich wieder nur um eine St. Ludgeri. Ich werde wohl selbst dafür sorgen müssen, dass es auch mal einen heiligen Ludger gibt. Dafür gab es in der Nähe ein Café, das auch am Karfreitag geöffnet hatte.
Da ich für diesen Teil mal wieder keine Karten dabei hatte, navigierte ich, indem ich auf dem GPS-Display noch Orten in nordöstlicher Richtung suchte und dann nach kleineren Straßen, die dort hinführten. Das klappte im Großen und Ganzen ziemlich gut und direkt.
Auf meistens gut befahrbaren Kreis- und Landstraßen kam ich über Nordkirchen, Ascheberg und Hiltrup bis nach Telgte. Ich folgte der B 51 bis nach Ostbevern, und dann den Kreis- und Landstraßen bis nach Bad Iburg. Hier musste ich unbedingt eine Pommes essen, die mir hinterher schwer im Magen lag. Doch dafür erfuhr ich auch, wo der nächste Campingplatz lag, nur noch 2,5 km bergauf.
Ein schöner Platz zu dem auch eine Gaststätte gehört und auf dem ich begeistert empfangen wurde.
100 km | 5:17 Std. | 19,2 km/h

Am Samstag kam ich für meine Verhältnisse schon recht früh los. Schon um 8:45 Uhr machte ich mich auf den Weg. Über Hagen am Teutoburger Wald und Georgsmarienhütte fuhr ich bis nach Borgloh und hatte schon 25 km auf dem Tacho zu einer Zeit, wo ich sonst erst losfahre. Da konnte ich mir doch eine ausgedehnte Pause beim Bäcker gönnen.
Dorf Melle Die nächste Rast gönnte ich mir in Melle, wohin ich über Wellingholzhausen fuhr. Vermutlich wäre der Radweg R7 genau so gut gewesen, aber den kannte ich zu der Zeit noch nicht.
Nach Buer und Linken folgte ein anstrengender Anstieg bis Büscherheide und dann eine wunderbare Abfahrt nach Preußisch Oldendorf.
Fachwerkhäuser Fachwerkhaus Über kleine Straßen fuhr ich weiter nach Rahden und dann über Kreisstraßen bis Ströhen. Dort musste ich leider feststellen, dass der nächst Campingplatz in meiner Richtung mindestens 40 km entfernt war.
Dorfplatz So änderte ich kurzerhand meine Richtung und fuhr über Landstraßen nach Lembruch am Dümmer, wo ich den Campingplatz Tiemanns Hof ansteuerte, auf dem Klaus und ich uns im letzten Jahr getroffen hatten.
Zwar musste ich den Inhaber anrufen, weil die Rezeption geschlossen hatte, doch er kam prompt vorbei um mir den Schlüssel für Küche und Sanitärgebäude zu überreichen. Die Übernachtung bekam ich von ihm als vorgezogenes Ostergeschenk, da er kein Wechselgeld mitgebracht hatte.
126 km | 7:03 Std. | 18,0 km/h

Frohen Mutes machte ich mich am Ostersonntag auf den Weg. Doch als ich mal wieder gegen den Wind antreten musste, verließ mich die Lust und kurz entschlossen bog ich nach Diepholz ab und nahm von dort aus die Bahn, um nach Hause zu kommen.

Insgesamt eine schöne Woche. Der Ruhrtalradweg ist ein Flussradweg, der über weite Strecken am Fluss entlang führt, das Ruhrgebiet ist mit der Industriekultur sehr spannend und auf den Radrouten bemerkt man kaum, dass man sich einen Weg durch mehrere Großstätte bahnt. Ganz im Gegenteil, es wirkt richtig grün.