Von Süd nach Nord durch Schweden (2006)
So. 03. September
Bei arg schwülem Wetter mache ich mich Mittags auf zum Hamburger Hauptbahnhof und bin schon nass, als ich dort ankomme. Wieso ziehe ich auch bei dem Wetter eine Regenjacke an?
Wie gut, dass ich noch nicht alle Wasserflaschen gefüllt habe, denn der Aufzug zum Bahnsteig funktioniert nicht und ich muss das schwer beladene Rad (ich muss um diese Zeit Gepäck für jedes erdenkliche Wetter mitschleppen) die Treppe herunter wuchten. Im Fahrradabteil steht schon ein weiteres Reiserad, das sogar noch eine Packrolle mehr hat als meines. Leider kann ich den Fahrer nirgends entdecken. Ob der auch nach Schweden will?
Aber nein, in Elmshorn (oder war es Neumünster?) kommt er an, schnappt sein Rad und steigt aus.
Natürlich bin ich viel zu früh in Kiel und so mache ich noch einen kleinen Bummel durch die Stadt und suche mir ein Cafe. Dort komme ich mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch. Die Frau findet mein Vorhaben sehr spannend, während von dem Mann nur Laute des Entsetzens zu hören sind. Das wiederum finde ich sehr amüsant.
Als ich wieder zum Anleger komme, kann ich direkt auf das Schiff fahren. Nicht viel los um diese Jahreszeit. Aber zwei Reiseräder stehen schon dort. Die Kabine teile ich mit zwei weiteren Reiseradlern, die aber nicht zu den beiden Rädern gehören. Die beiden wollen von Göteborg aus 2 Wochen den Süden Schwedens erradeln.
Mo. 04. September
In der Nacht hat es im Schiff zwar ein wenig gewackelt, aber das für Göteborg angekündigte Unwetter bleibt aus. Als wir ankommen ist es ist sogar sonnig und warm, und so habe ich natürlich viel zu warme Kleidung an. "Irgendwas ist ja immer!" sagt mein Kabinennachbar dazu.
Ich verabschiede mich und suche mir einen Weg Richtung Norden. Das ist recht einfach, da ich immer nur am Wasser bleiben und irgendwann eine Brücke auf die andere Seite finden muss. So komme ich problemlos nach Kungälv. Dort suche ich ein wenig nach einer Nebenstraße. Westlich des Götaälv geht es dann durch viel Landschaft, und mit einigen Tropfen Regen, über Lilla Edet nach Trollhättan.
Hier will ich nun endlich mal die berühmten Wasserfälle sehen, doch ich entdecke nur Schleusen und fast leere Flussbetten.
Frustriert folge ich den Schildern zum Campingplatz. Dort kann man mir bestimmt auch sagen, wo ich die richtigen Fälle zu sehen bekomme. Doch der Platz ist geschlossen. Also weiter fahren. Doch wo? Ich orientiere mich am Götaälv und komme irgendwann auf ganz kleine Wege und bin ziemlich irritiert. Eine Spaziergängerin empfiehlt mir jedoch, einfach weiter am Fluss zu bleiben. Es ist eine schöne Strecke, die sogar Lagermöglichkeiten (z. B. in einer Kirchenruine) bietet, allerdings ohne Wasserversorgung, was mir durchaus nicht günstig erscheint, da mein Trinkwasser inzwischen verbraucht ist.
Bin ich froh, als ich eine Brücke entdecke und darüber nach Vänersborg komme. Dort steuere ich gleich den Supermarkt an und decke mich mit Wasser ein. Nun kann ich überall schlafen. Doch unerwarteterweise hat Camping Ursand noch geöffnet und, für 70:- SEK erspare ich mir die weitere Schlafplatzsuche. Außer mir gibtes noch mindestens 3 weitere Campinggäste.
120 km
Di. 05. September
Als ich um kurz vor acht wach werde scheint die Sonne.
Die erste Straße auf die ich vom Campingplatz komme, ist eine für Radfahrer durch zu fahrende Sackgasse. Die nehme ich, denn zwischen dem Vänern und der Nebenstraße kann ich mich ja kaum verfahren. Aus der Sackgasse wird ein Waldweg, der mich aber schließlich auf die Straße nach Mellerud führt.
Leider führt diese Straße durch Ackergebiete, wo ich dem Nordwestwind ziemlich ausgeliefert bin. Ab Mellerud geht es auf der 45 weiter bis Linderud. Hier gibt es ein Lokal und ich leiste mir ein "Dagens Rätt" (heute matschige Spaghetti Bolognese) in viel zu heißer Mittagssonne. Einerseits bin ich froh, dass auf der 45 wenig Verkehr herrscht, denn es gibt nicht überall Seitenstreifen. Doch andererseits freue ich mich bei dem Wind über jeden LKW der mich überholt und so ein wenig mitzieht.
Ein wenig abgekämpft erreiche ich den Campingplatz in Åmål. Hier treffe ich auf einen weiteren Reiseradler, den ich aber ignoriere nachdem er nicht einmal meinen Gruß erwidert.
Der Platz ist geöffnet, aber die Rezeption nicht. Das nervt mich ein wenig, weil das komplette Servicegebäude abgeschlossen ist und ich natürlich den Code für die Türen nicht habe.
93 km
Mi. 06. September
Bevor ich abreise gehe ich zur Rezeption und werde ziemlich sauer als ich den vollen Preis von 120:- SEK zahlen soll. Statt den ganzen Tag (wo eh nichts los ist) in der Rezeption zu sitzen, wäre es doch viel sinnvoller nur am Abend mal vorbei zu kommen und nach neuen Gästen Ausschau zu halten. Man würde Arbeitszeit sparen, könnte trotzdem kassieren und die Gäste könnten das Servicegebäude nutzen.
Doch diese Unsitte auf kommunalen Campingplätzen begegnet mir auf der Tour noch öfter.
Auf einem Radweg neben der 45 verlasse ich Åmål. Nicht schön aber schnell, denke ich. Doch dann verlässt der Radweg die Straße und führt durch einen Wald mit ein paar kleinen Dörfern nach Säffle. Dort gönne ich mir in der Sonne Kaffee und Wienerbröd. Nur von dem Kuchen bekomme ich nichts, denn als ich kurz verschwinde um eine zweite Tasse Kaffee zu holen nutzt eine Krähe die Chance und macht sich über meinen Kuchen her.
Da ich keine rechte Lust habe auf der Via Lappia weiter zu fahren, nehme ich ab Säffle die kleinere 175. Scheinbar ist es nicht möglich, einen Tag Rad zu fahren ohne sich irgendwann auf Sverigeleden zu befinden. Als Sverigeleden plötzlich rechts abbiegt halte ich das für einen der üblichen Umwege, auf denen man nach einigen Kilometern doch wieder auf die gleiche Straße geführt wird, und fahre geradeaus weiter. Dafür habe ich 2 Minuten später eine sehr heftige Steigung zu erklimmen und, als es wieder abwärts geht, eine Menge Spaß. In Grums überfällt mich der Hunger und ich esse in einer Pommesbude Köttbullar mit Kartoffelbrei. Das stillt zwar den Hunger, aber meine Geschmacksnerven fühlen sich arg belästigt.
Anschließend geht es auf der 45 über Valberg weiter. Doch es herrscht ziemlich viel Verkehr und die Strecke gefällt mir nicht. So nutze ich die Chance bei Edsvalla auf einer schönen Nebenstrecke weiter nach Kil zu fahren. Auf der Suche nach der nächsten Nebenstraße entdecke ich einen Campingplatz.
Zwar ist er eigentlich geschlossen, aber für 60:- SEK darf ich trotzdem bleiben. Kaum habe ich das Zelt aufgestellt, da beginnt es zu regnen. Wie gut, dass ich jetzt keinen Lagerplatz mehr suchen muss.
102 km
Do. 07. September
In der Nacht wurde ich von einer ankommenden Jugendgruppe geweckt. Sie waren zwar nicht sehr lange laut, aber ich war erst einmal wach. So schlafe ich am Morgen bis zehn Uhr und habe trotzdem Tränensäcke unter den Augen.
Außerdem hat es in der Nacht geregnet und das Zelt scheint nicht ganz dicht zu sein. Trotzdem geht's um elf los.
Die Nebenstrecke wird nach kurzer Zeit zu eine Schotterpiste und ist ziemlich verschlammt. Ich quäle mich eine Steigung hoch und dann sieht die Piste aus, als ob Kettenfahrzeuge dort eine Ralley veranstaltet hätten. Durch den Schlamm kann ich, trotz 50 mm breiter Reifen, nur schieben und bin trotzdem total verdreckt. Als Verantwortlicher für diesen Schlammassel entpuppt sich ein einzelner Holzfäller mit seiner Maschine.
Ab Nilsby ist die Straße wieder asphaltiert und in Östra Ämtervik kann ich mich in einem Handlar'n endlich wieder mit Naschkram eindecken. Die Nebenstrecke ist ganz schön anstrengend und nach einem Kuchen in Sunne wage ich mich wieder auf die 45 und es beginnt zu regnen. Vermutlich waren die Wettergötter um meine Sicherheit besorgt, denn der Regen lässt nach, als ich endlich meine leuchtend gelbe Allroundjacke anhabe und immer weithin sichtbar bin.
Die Straße kommt mir recht schmal vor und ich bekomme einen Hass auf die meistens sehr eng überholenden LKW-Fahrer.
Die Steigungen sind moderat: Nur einmal muss ich mein kleines Kettenblatt bemühen und werde dafür mit einer wunderbaren Aussicht am Rastplatz Tosseklätten belohnt. Nachdem ich mich von diesem Anblick losreißen kann, geht es weiter bis zum Campingplatz in Svenneby, der mich 70:- SEK kostet.
Hier rasten auch 4 Trapper aus Groß Britannien, die mit Jeeps und Zelt auf dem Dach in Russland unterwegs waren. Als ich mich auf die Isomatte setze um meinen Kaffee zu kochen überfällt sie das Mitleid und sie versuchen mir einen Klappstuhl aufzuschwatzen.
71 km
Fr. 08. September
Am Morgen strahlt mich um acht Uhr schon die Sonne an, doch es ist windig und kühl. Auch die Nacht war ziemlich kalt. Die nächsten Nächte werde ich wohl in meiner Ullfrotté Kleidung (Wäsche aus Wollfrottee) schlafen.
Kurz nach der Abfahrt werde ich auf der 45 von einer Gruppe Verkehrspolizisten gestoppt. Doch sie wollen sich nur ein wenig unterhalten, und als sie das erste Auto stoppen können, wünschen sie mir: "Eine gute Reise in diesem wunderschönen Land".
Die weitere Fahrt ist ein einziger Kampf gegen den Wind, mit langen flachen Steigungen und ebensolchen Abfahrten. Doch gegen den Wind muss ich auch bei den Abfahrten antreten. Dafür bietet die Strecke, wenn auch leider viel zu selten, wunderschöne Weitsichten.
Nach 65 km habe ich die Schnauze voll, am liebsten würde ich auf dem Rastplatz liegen bleiben. Mit Pausen habe ich dafür fast sieben Stunden gebraucht. Doch dann kriege ich plötzlich einen Energieschub und in 1 Std. und 15 Min. schaffe ich 25 km bis Malung.
Lagerplätze scheint es an der Strecke kaum zu geben, und so bleibe ich in Malung auf dem Campingplatz. Wieso sind auf meiner Karte eigentlich keine Badeplätze eingetragen?
Ein sonniger Tag mit kaltem Wind: Bergauf schwitzend, bergab frierend.
90 km
Sa. 09. September
Ein toller Tag. Schon wieder Sonnenschein und Wind aus unterschiedlichen Richtungen. Manchmal sogar von hinten.
Ich bleibe auf der Via Lappia, koche mir am Rastplatz Siljanfors einen Kaffee, werfe in Mora kurz einen Blick auf den Siljan und bin schon um vier Uhr in Orsa. Im Cafeett mache ich eine ausgiebige Pause und schaue mir dabei die kommunale Karte an, um einen Badeplatz zum Campen zu finden. Erst als ich wieder unterwegs bin bemerke ich, dass der Maßstab der Karte riesig war und ich die Badeplätze heute wohl kaum erreichen werde.
Das Dorf Höghed wirkt auf mich wie ein Freilichtmuseum, doch stoppen will ich nicht, da ich mich bergauf quälen muss. Doch es geht ja auch wieder bergab und dabei genieße ich einen schönen Ausblick über das Tal, bis ich auf der anderen Seite des Tales hoch oben die Straße wieder sehe. Was mute ich mir hier eigentlich zu?
Doch dieser Anstieg entpuppt sich zwar als heftig, aber recht kurz. Dann folgt wieder einer dieser Daueranstiege. Ich will nicht mehr! Als ich neben der Straße einen Angelplatz sehe, bleibe ich. Wie gut, dass ich eine Zeltunterlage dabei habe, denn es gibt reichlich Schotter hier.
Der Platz ist von der Straße aus nicht einsehbar, aber ich habe Sorge, dass ein Autofahrer der z. B. zum Angeln komm, das dunkle Zelt nicht sieht. Vor dem Schlafen gehen stelle ich mein Rad so vors Zelt, dass die reflektierenden Reifen mich hoffentlich schützen.
119 km
So. 10. September
In der Nacht wurde ich zwar nicht überfahren, aber von einer Horde Gänse geweckt, die sich auf ihrem Weg nach Süden den selben See zum Rasten ausgesucht hat. Da jede Gans den Anderen kundtun muss, dass sie auch angekommen ist, dauert es eine ganze Weile, bis wieder Ruhe eingekehrt ist. Entsprechend müde und unmotiviert bin ich am Morgen.
Zum Glück ist die Strecke weniger anstrengend als erwartet und in Kvarnberg gibt es sogar ein geöffnetes Cafe. Dort sitze ich eine Weile bei drei, Preiselbeeren sortierenden, Frauen. Sie erzählen mir, das am Freitag ein furchtbarer Sturm war. Kein Wunder, dass ich mich so anstrengen musste!
Dann geht es weiter bis nach Västbacka, wo ich mir in einer Gatukök den Bauch mit "Pytt i panna" vollschlage. Fettigerweise liegt mir das Gericht zwar etwas schwer im Magen, aber ich kann viel besser fahren. Vielleicht sollte ich einfach mehr essen?
Mit einer kurzen Pause am Björnån geht es weiter nach Sveg. Die Strecke erscheint mir flach, auf jeden Fall muss ich mich nicht mehr so anstrengen. In Sveg fühle ich mich zwar noch sehr fit, aber aus Sorge an der 45 keinen anständigen Lagerplatz zu finden, bleibe ich lieber hier und sehe den nach Süden fliegenden Schwänen nach. Heute gab es weniger Sonne, aber dafür war der Fahrtwind wärmer.
92 km
Mo. 11. September
Nachdem ich in der Nacht wieder geweckt wurde, diesmal durch Leute die ihre Wohnwagen abholten, komme ich erst um elf los.
Über Älvros geht es nach Ytterhogdal. Eine tolle Fahrt, geht's hier wirklich nur bergab? Auf der Strecke sind mindestens zwei Campingplätze, die nicht auf der Karte vermerkt sind. Ich hätte gestern also ruhig noch weiter fahren können.
Als ich Ytterhogdal verlasse, sieht es aus als ob ich direkt in eine Regenfront fahre. Nun ja, zehn Tropfen bekomme ich ab und in Överhogdal wird mir versichert, dass morgen wieder die Sonne scheint. So lange der Wind sich so ruhig wie heute verhält, ist mir das übrige Wetter fast egal. Schade, das Hemslöjd Cafe ist geschlossen. Doch meinen Kaffee bekomme ich gegenüber im Tante Emma Laden.
Um kurz nach vier bin ich in Rätan und lege an der Tanke eine Pause ein. Für 5:- SEK gibt es hier einen Kaffee, und statt mir Flaschenwasser zu verkaufen, zeigt mir die Bedienung wo ich den Wasserhahn zum Auffüllen der Flaschen finde. Ich will die Zeit nutzen und noch einige Kilometer fahren, da entdecke ich am Rätansjö einen Naturcampingplatz.
So eine Gelegenheit kann ich mir doch nicht entgehen lassen.
Zwar reizt es mich, in den See zu hopsen, doch den Mumm habe ich bei dem kalten Wasser nicht. Später gesellt sich noch ein schwedisches Ehepaar mit einem Wohnwagen zu mir auf den Platz.
Ingesamt eine tolle Strecke heute. Hier oben kann man auch auf der 45 gut fahren und sogar die LKW halten Abstand, hupen und winken mir zu. Bin ich plötzlich einer unter Gleichen geworden? Eben ein Fernfahrer?
89 km
Di. 12. September
Fast erstaunt stelle ich fest, dass ich in der Nacht nicht geweckt wurde. Der Morgen ist eiskalt, aber sonnig.
Hier im Norden gefällt mir der Inlandsväg. Die erste Pause mache ich in Åsarne. So eine Frechheit: Hier muss man Geld in einen Kaffeeautomaten werfen. Die schöne schwedische Sitte, die zweite Tasse gratis zu bekommen, ist damit natürlich außer Kraft gesetzt.
Dann geht es weiter Richtung Brunflo und nach einer tollen Abfahrt stehe ich plötzlich direkt neben einem Elch. Wir kriegen beider einen Schrecken und weg ist der Elch. Dafür sind die Rentiere umso zutraulicher und ich muss sie regelrecht von der Straße jagen als ein Autofahrer vorbei kommt.
In Brunflo treffen die 45 und die E 14 aufeinander und ich rechne mit hohem Verkehrsaufkommen. Doch es gibt eine schöne Nebenstraße nach Östersund, die ich nehmen kann bzw. muss, da die andere Straße zur Autobahn wird.
Ich fahre den Bahnhof an, um zu sehen, ob ich von hier notfalls mit dem Zug zurück nach Göteborg kann, denn wenn die Tour weiter so gut läuft, könnte ich bis zum Nordkapp durchfahren. Dann hätte ich aber gerne eine Bahn- oder Busoption als Zeitpuffer. Eine Direktverbindung nach Göteborg gibt es von hier aus aber nur in der Zeit vom 23.12. - 06.01.
Aus Östersund herauszufinden ist schwierig, weil ich die 45 noch für eine Autobahn halte. Ich versuche einen Radweg, doch der geht zurück nach Brunflo. Also auf der anderen Straßenseite noch einmal versuchen. Ich lande in einem Wald, überquere die 45 auf einer Brücke und ackere mich auf einer Schotterpiste mit Schlaglöchern einen Berg hinauf, in der Hoffnung irgendwann wieder links abbiegen zu können.
Und tatsächlich, es gibt so eine Straße. Mit einer Geschwindigkeit von 53 km/h sause ich wieder auf die 45 zu. Dann geht es noch weiter bis Lit, wo ich den Campingplatz anfahre.
129 km
Mi. 13. September
Der Morgen ist ziemlich kalt und die Nacht muss ziemlich feucht gewesen sein: Die trocken im Zelt aufgehängten Wollsocken sind feucht.
Für die Fahrt ziehe ich mir eine Schicht Kleider mehr an, die ich aber bei der Kaffeepause in Hammerdal gleich wieder ausziehen kann. Es ist zwar bedeckt, aber inzwischen sehr mild. Lagermöglichkeiten gibt es hin und wieder auch an der 45. Vor Lorås entdecke ich eine, der von den Dorfbewohnern ehrenamtlich in Ordnung gehalten wird. Aber nach 30 km mag ich mein Zelt noch nicht aufstellen.
Auf dem Weg nach Strömsund muss ich in Tullingsås stoppen, um die Aussicht über den Russfjärden auf mich wirken zu lassen. Kurz nach Strömsund wundere ich mich über die vielen schwarzen Müllsäcke, die hier an der Straße stehen. Gibt es so nah an der Stadt keine Mülltonnen? Das Rätsel klärt sich schnell auf: Ein Straßenarbeiter sammelt hier den Müll vom Straßenrand ein, und das scheint eine ganze Menge zu sein.
Obwohl die weitere Strecke nach Hoting gut zu befahren ist und hin und wieder mit einer schönen Aussicht belohnt, ziehen sich die Minuten und Kilometer unendlich in die Länge. Trotzdem bin ich um kurz nach fünf in Hoting und fühle mich immer noch fit.
Doch die heranziehenden Regenwolken überzeugen mich, lieber den Campingplatz anzusteuern. Die Rezeption ist zwar geschlossen, aber immerhin sind die Servicegebäude geöffnet.
Hier haben sich in einer Hütte auch die beiden ekelhaftesten Menschen dieser Tour einquartiert: Zum Pinkeln öffnen sie die Haustür und machen mal eben um die Ecke und auch Essenreste werden nur aus dem Topf gekratzt und direkt vor die Haustür geworfen. Vermutlich ihre Vorstellung von Wildnisleben.
127 km



