Wenn ich nicht in München verabredet wäre, bliebe ich noch ein paar Tage in Prag und würde irgendwo duch die Tschechei zurück fahren.
Aber nun muß ich natürlich weiter. Bevor ich abfahre erkundige ich mich bei der Vermieterin nach der nächsten Apotheke, um Alkohol zu kaufen. Eine Apotheke in der Nähe kennt sie auch nicht, aber ihr Mann hätte bestimmt was brauchbares im Haus.
Tatsächlich, nach einigem Suchen findet er etwas brennbares, dessen Geruch Alkohol sein könnte und schenkt mir einen viertel Liter. Der Test abends im Kocher ist positiv! Damit sollte ich ein paar Tage über die Runden kommen.
In Prag drehe ich noch ein paar Runden und trinke einige Espresso. Die Stadt ist zu schön um einfach abzureisen, aber ich habe keine andere Wahl.
Über eine Bundesstraße, auf der ich mich aber recht wohl fühle, verlasse ich Prag.
Bei einer Autobahnauffahrt, bzw. was ich dafür halte, wirds mir dann aber doch zu voll und ich schaue mich genauer um. Auf der anderen Straßenseite tauchen von unten Radfahrer auf. Also versuche ich es auch dort und lerne kurze Zeit später eine ganz andere Seite von Prag kennen.
Zwischen Brücken und sonstigen Betonwänden haben sich ein ganze Menge Obdachloser häuslich eingerichtet.
Als ich in Radotín andere Radler entdecke, mache ich dort natürlich eine kleine Pause.
In Zbraslav muß ich mich entscheiden wie ich weiter nach ?techovice komme. Hauptroute durch Wald und Feld mit Steigungen oder stark befahrene Strecke am Moldauufer. Klar, das ich letzter Variante nehme.
Die Straße läßt sich wunderbar fahren, bis ich vor einer Baustelle stehe, wo eine Ampel die einseitige Durchfahrt regelt. Für Radfahrer gesperrt! Aber was soll ich tun? Ganz zurück fahren, durch die Moldau schwimmen oder alles über den bewaldeten Berg tragen?
Auch auf die Gefahr hin, nicht schnell genug zu sein und die Fahrspur mit dem Gegenverkehr teilen zu müssen, ignoriere ich das Schild.
Mitten auf der Baustelle wirds extrem eng und ich kann keinen Autofahrer mehr durchlassen. Doch niemand hupt oder drängelt. Die Autofahrer bleiben ruhig hinter mir, bis ich eine Möglichkeit habe, sie durchzulassen.
Wieder einmal bin ich von den tschechischen Autofahrern begeistert.
Hinter Stechovice bleibe ich auf dieser Straße und es gibt eine endlos lange Steigung. Durch die Länge wird sie ganz schön anstrengend, und hinterher bleibe ich vorerst auf der Hauptroute mit Wechsel von Steigung und Gefälle.
Uferstrecken gibt es bis Vestec nicht mehr, kreuz und quer, und auf und ab, durch Wald und Feld. Nachdem ich bei Vestec die Moldau überquert habe, finde ich den Campingplatz.
Die Saison ist vorbei und der Platz eigentlich geschlossen, aber für 150 CZK darf ich bleiben und man öffnet sogar das Damenklo für mich. Die Duschen bleiben aber abgeschaltet.
89 km
2012:
330 km
2011:
2813 km
2010:
3339 km
2009:
5112 km