Die Kälte überrascht mich, als ich nach dem fürstlichen Frühstück die Pension verlasse.
Zum Glück habe ich die Jacke nicht tief unten im Gepäck verstaut. Schnell bekomme ich kalte Finger und, ein wenig später, auch kalte Füße.
Bis nach Rozmberk nad Vltavou bleibe ich auf der Straße am Ufer, und frage mich bei der guten Strecke, warum die Hauptroute wieder querfeldein führt.
Vielleicht zeigt sich das Ende der Saison auch in weniger Autoverkehr. Mich stören die wenigen Wagen nicht.
Langsam aber sicher gewinnt die Sonne an Kraft und als ich Rozmberk erreiche ist es wieder richtig warm. Meine Jacke kann ich einpacken.
Das Fahren an Flüssen finde ich weit schöner als nur an Wiesen und Äckern. Deshalb bleibe ich auf der Straße und komme über Vyssi Brod nach Lipno nad Vltavou. Auf der Straße geht es über Frymburk nach Cerná v Posumavi, wobei ich um einige erträgliche Steigungen nicht herumkomme. Dann über eine lange Brücke, auf nach Horní Planá.
Ich kriege einen Riesenschrecken, muss ich mir jetzt eine ganz neue Strecke suchen? Dort auf der Straße steht die Fähre!
Zwei nette Frauen bewegen mich mit Händen und Füßen dazu, doch mal hinter die Fähre zu schauen. Ich schleppe das Rad durch Gras, Sand und Schotter - und entdecke eine kleine Ersatzfähre.
In 45 Min. wird sie ablegen.
Ich überlege, ob ich nicht bis zum nächsten Tag warten soll, denn der Campingplatz hier sieht recht komfortabel aus. Doch noch scheint die Sonne, es ist warm, und in Nová Pec soll es noch einen Campingplatz geben.
Der Fährmann hilft mir, das Rad auf die Fähre zu wuchten, der Motorradfahrer kann nicht mit. Auf der anderen Seite geht es dann weiter nach Nova Pec. Für die wenigen Kilometer und den Campingplatz hat sich die Überfahrt nicht gelohnt.
Der Campingplatz entpuppt sich als große Wiese mit Klo- und Waschhäuschen, und Nová Pec finde ich ziemlich häßlich.
Während das einstmals sicher sehr schöne alte Hotel langsam zu Schutt zerfällt, werden gleichzeitig mehrere neue Hotels gebaut.
Aber wozu nur? Wer würde hier Urlaub machen?
Als ich mein Zelt aufgebaut habe verliert die Sonne an Kraft und es wird schnell merklich kühler.
Das ist der Preis für so spätes Reisen: Die Tage, und damit die Zeit zum Fahren und für Besichtigungen, werden kürzer. Sobald die Sonne bedeckt ist wird es kühl, und innerhalb von einer Stunde wird es dunkel.
Dafür muß man nichts in sengender Sonne machen und das Licht ist schöner. Und das Wichtigste:
Ich mag diese Jahreszeit.
88 km
2012:
330 km
2011:
2813 km
2010:
3339 km
2009:
5112 km