Sowohl Oscar als auch ich hatten gut geschlafen. Die Sonne schien und um 10:15 Uhr machten wir uns bei Gegenwind auf den Weg nach Kåbdalis. Dort entdeckte ich einen schönen Badeplatz, der vermutlich auch als gutes Nachtlager hätte dienen können. Erstaunlich, dass man die schönsten Plätze immer am Morgen findet.
In Kådalis fuhren wir die Tankstelle an, um uns mit neuem Proviant zu versorgen. Doch die öffnete erst am Nachmittag. So fuhren wir gleich weiter zum Vildmarkscafé in Kittajaur.
Dort aßen wir ein Rentiersandwich und hinterher ließen wir uns von der Inhaberin erklären, welche kleinen Fliegen mich gebissen hatten.
Sie erklärte mir, dass es sich dabei um Knott (Kriebelmücken) handelte. In geschlossenen Räumen angeblich ganz harmlos, da sie nur nach einem Ausgang suchten und dabei stürben. Sie schob einen Blumentopf bei Seite, und auf dem Fensterbrett lagen tatsächlich einige Knott.
Das Bohren der Knott würde man nicht merken und sie würden auch nicht saugen, sondern das herauslaufendes Blut trinken. Als Gegenmittel empfahl sie Djungelolja oder Wilmas Nordic Summer.
Auch frisches Trinkwasser durften wir aus ihrem Wasserhahn zapfen. Dabei wies sie uns darauf hin, dass man in Norrbotten natürlich aus jedem fließenden Gewässer trinken könne und es auch eine Menge Quellen gäbe. Ihr Wasser käme aus dem Bach hinter dem Haus.
Um kurz vor 13:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Nördlichen Polarkreis. Dort kamen wir, immer noch bei strahlendem Sonnenschein, um 15:30 Uhr an. Wir taten uns mit einem Motorrad-Pärchen zusammen, um uns gegenseitig zu fotografieren, und fuhren dann gleich weiter, um in Jokkmokk eine ausgiebige Pause ein zu legen.
Die 7 km waren schnell geschafft, wir gingen einkaufen und dann eine riesige Pizza essen. Bei dem tollen Wetter war die Hauptgeschäfts-Straße voll mit Menschen.
Oscar versuchte einen Flaschenhalter zu bekommen, doch das war ein aussichtsloses Unterfangen. Ich fuhr zur Tankstelle, um den Luftdruck meiner Reifen zu kontrollieren, auch ein aussichtsloses Unterfangen, denn die Anzeige funktionierte nicht richtig.
Obwohl es schon auf 18:00 Uhr zuging, wollten wir beide das gute Wetter nutzen. Wir schwangen uns wieder auf die Räder, um zum Campingplatz in Porjus zu fahren.
Doch schon nach einer viertel Stunde mussten wir an einem Rastplatz wieder absteigen. Eine Traumhafte Aussicht bot sich uns, daran konnten wir nicht einfach vorbei fahren. Dann machten wir uns auf, die letzten 40 km nach Porjus zu erradeln.
20 km traten wir in die Pedalen, kamen an einigen Wasserkraftwerken vorbei, und dann hatten wir eine berauschende Abfahrt.
Leider blieb das nicht ohne Folgen, denn die letzten 15 km bis Porjus ging es stetig bergan. Obwohl wir nur noch zum Campingplatz fahren wollten, zapften wir aus der Quelle am Ortseigang Wasser. Es gibt einfach nichts besseres als Quellwasser.
Wir sahen uns auf dem Kraftwerksgelände ein wenig um, dann machten wir uns auf den Weg zum Campingplatz. Nur fanden wir weder einen Campingplatz, noch ein geöffnetes Lokal um etwas zu essen.
Porjus wirkte fast wie ausgestorben. Uns blieb nichts anderes übrig, als weiter in die Pedalen zu treten. Nach 8 km gaben wir die Hoffnung auf einen Campingplatz auf, suchten uns einen Lagerplatz neben der Straße und bauten um 21:30 Uhr die Zelte in hohem Gras auf.
Da der Bach hier unseres Erachtens nicht zum Baden geeignet war, steinig, flach und algenreich, mussten wir uns mit einer Katzenwäsche begnügen.
Wie gut, dass wir die Quelle angezapft hatten, so konnten wir uns nicht nur waschen, es reichte auch noch für den Kaffee.
133 km | 7:40 Std. | 17,7 km/h
Früh am Morgen wurden wir von der Sonne geweckt und konnten uns schon um 9:00 Uhr auf den Weg machen.
Kaum zu glauben, aber wahr: Nur knapp 4 km von unserem Lagerplatz entfernt gab es am Hapsasjaure einen wunderschönen Badeplatz, an dem man wunderbar die Zelte hätte aufstellen können.
Mit nur einer kurzen Unterbrechung fuhren wir die 43 km bis nach Gällivare. Obwohl mir die Strecke ziemlich anstrengend vorkam, waren wir schon um 11:30 Uhr dort. Wir gingen einkaufen und suchten dann ein Lokal auf, damit ich meinen Kaffee bekam. Dazu bestellte ich mir ein Sandwich, dass mich zwar sättigte, dessen Zutaten sich mir aber nicht erschlossen.
Um 13:00 Uhr setzten wir uns wieder auf die Räder. Die ersten 15 km kamen wir gut voran, doch dann hatten wir, auf der E10/E45, wieder den Wind gegen uns.
Der Verkehr wurde stärker, viele Autofahrer scherten erst nach dem Überholen aus, die Steigungen waren lang gestreckt und die flachen Abfahrten gegen den Wind kaum zu bemerken. Ich war von dieser Strecke ziemlich genervt und fand sie extrem anstrengend.
So quälten wir uns von Pausenplatz zu Pausenplatz.
In Skaulo fanden wir einen geöffneten Lanthandel und nutzten die Gelegenheit zum Einkaufen und Essen. Als besonderen Service für die Kunden wurde in dem Laden kostenlos Kaffee ausgeschenkt.
Die Bäckerei in Puoltikasvaara in der ich eine Pause machen wollte, hatte leider schon geschlossen, als wir um kurz nach 17:00 Uhr dort ankamen. Doch der weithin ausgeschilderte Rastplatz am Kalixälv war ja nur noch 6 km entfernt.
Vorsichtshalber fragten wir hier, ob es den Campingplatz am Piilijärvi geben würde. Den Platz kannte hier niemand, dafür wurde uns empfohlen, doch einfach hier am Fluss zu zelten.
An dem Platz standen auch schon zwei Wohnmobile und wir stellten unsere Zelte dazu. Die Schweden neben uns boten uns ihren Grill an, aber da wir kein Grillgut dabei hatten, mussten wir das nette Angebot leider ablehnen.
Zum Waschen konnten wir ein Waschbecken auf dem Rastplatz nutzen. Das war zwar nicht so erfrischend wie ein Bad im Fluss, aber wir wurden wenigstens sauber.
Für mich war dies der anstrengendste Tag der ganzen Reise. Den ganzen Tag fand ich keine befriedigende Position auf meinem Sattel, doch mein Knie hatte sich offensichtlich komplett erholt.
Die Radlerdichte nahm zu, je weiter wir nach Norden kamen. Heute kamen uns vier Reiseradler entgegen.
103 km | 5:43 Std. | 18,4 km/h
Von drückender Hitze im Zelt wurden wir schon um 6:00 Uhr geweckt und konnten deshalb bereits um 8:15 Uhr starten. Nach wenigen Kilometern wies ein Schild auf den Campingplatz am Piilijärvi hin, es gab ihn also doch.
Eine Stunde später waren wir in Svappavaara und fuhren zur Gruvköket. Manche Orte sollte man kein zweites Mal aufsuchen. Die Gruvköket enttäuschte mich. Den Kaffee gab es nur in Pappbechern und die Speisekarte hatte nichts außer zwei Tagesgerichten im Angebot.
Durch den Ort fuhren wir zurück zum Inlandsväg, fanden einen Supermarkt und kauften Proviant für die 30 km bis nach Vittangi.
Auf dieser Strecke war der Wind besser, wir konnten recht flott durchfahren und kamen um 11:45 Uhr in Vittangi an. Die Pizzeria war geöffnet und wir kehrten ein.
Das Tagesgericht, Kartoffelbrei mit Fleischbällchen und Preiselbeeren, konnte uns nicht reizen und so bestellten wir eine Pizza bei einer alten, recht runzeligen Bedienung.
"Ingen pizza!" kam barsch die Antwort. Eine Pizzeria, in der es erst ab 14:00 Uhr Pizza gab. Wir versuchten es mit Hamburgern.
"Hamburger menu?" fragte sie. Wir wagten nicht zu wiedersprechen und nahmen ein Hamburger-Menü. War die Frau einfach nur wortkarg oder unfreundlich und lustlos?
Wir konnten es nicht erkennen, auf uns wirkte sie wie eine Hexe oder Schamanin. Wir gingen auf die Terrasse und malten uns aus, was sie alles mit unserem Essen anstellen könnte.
Doch als sie sich auf die Terrasse setzte und die Sonne anstrahlte wirkte sie sogar sympathisch. Außerdem schmeckte das Hamburger menu sehr lecker.
Bei Gegenwind strampelten wir weiter und machten nach 15 km bei der Rasthütte am Kokkajärvi eine Pause. Ein sehr angenehmer Geruch von altem Holz und Kaminfeuer hing in der Hütte.
Nach zwanzig Minuten radelten wir in sengender Hitze wieder los. Die Wälder wurden lichter und die Bäume kleiner. Ich war froh drum, denn ich mochte langsam kein Grün mehr sehen. Immer nur grün und als einziger Farbklecks weißes Wollgras.
Oscar war froh, dass wir nun in Gefilde kamen, die auch mir fremd waren. Er brauchte sich nun nicht mehr anzuhören: "Da gibt es dieses", oder: "Dort habe ich jenes erlebt."
Etwas mehr als zwei Stunden, in denen die Hitze durch ein paar Wolken gemildert wurde, strampelten wir uns ab und dann waren wir schon in Nedre Soppero. Vielleicht war uns die Schamanin ja doch wohlgesonnener gewesen als wir befürchtet hatten.
Zwar fanden wir 16:00 Uhr etwas früh für einen Campingplatz, doch die Aussicht auf eine richtige Dusche ließ uns bleiben. Pro Zelt zahlten wir hier 130:- SEK, das Sanitärgebäude war eine altes Haus, aber innen erstaunlich gut, und eine Küche befand sich im Wohnhaus der alten Inhaberin.
Als wir unsere Zelte aufbauten, fuhren zwei Reiseradler auf einem Tandem an uns vorbei und riefen: "Da gehts lang!", doch wir wollten nun unsere Dusche genießen.
Ich machte noch einen kleinen Spaziergang und suchte ein paar Farbkleckse. Eine Wohltat für meine Augen.
98 km | 5:21 Std. | 18,5 km/h
Der Himmel war bedeckt und es war angenehm kühl, als wir gegen 8:30 Uhr den Campingplatz verließen. Doch das Fahren in kurzen Hosen war noch möglich.
Den Wind gegen uns radelten wir die 58 km bis nach Karesuando.
Endlich, hier im letzten Warenhaus in Schweden, gab es auch Wilmas Nordic Summer. Zwar hatte ich noch ausreichend Djungelolja, aber ich liebe den Geruch von Nordic Summer.
Unsere letzte Mahlzeit in Schweden sollte endlich typisch schwedisch sein, und so aßen wir Pytt i panna, ein Gericht, ähnlich dem deutschen Bauernfrühstück.
Wir überquerten die Brücke und waren in Karesuvanto, dem finnischen Teil von Karesuando.
Nun folgten wir der E8 nach Südosten und hatten den lange ersehnten Rückenwind! So machte das leichte Auf und Ab der Straße richtig Spaß. Immer wieder konnten wir einen Blick auf den Fluss und hinüber nach Schweden werfen.
Nach zwei Stunden hatten wir die 37 km auf der E8 geschafft. Zwischendurch hatten wir eine Abfahrt mit 57 km/h Höchstgeschwindigkeit, und eine Pause in einem Kåta-Café in Kuttanen.
Nun in Palojoensuu, hatten wir fast 100 km auf dem Tacho, machten Pause vor einem ehemaligen Supermarkt und beratschlagten, ob wir weiter- oder den Campingplatz anfahren sollten.
Das Wetter war einfach zu gut, um schon einen Campingplatz aufzusuchen und so verließen wir die E8 und fuhren auf der RV93 weiter.
An einem Rastplatz machten wir einen kurzen Stop, fuhren dann weiter bis Enontekiö, und dort auf den ersten Campingplatz.
Für 22,- € pro Person hätten wir eine Hütte mieten können, für 17,- € pro Person im Zelt übernachten. Ich beschloss im Zelt zu schlafen und Oscar tat es mir nach.
Daraufhin fand er Platzinhaber den Preis wohl doch zu teuer und wir sollten zusammen nur noch 17,- € zahlen.
Da er aber lieber schwedische Kronen als meine EC-Karte wollte, wurde das Bezahlen eine ziemlich komplizierte Rechnerei und zu guter Letzt wusste ich nicht, wie viel ich nun wirklich bezahlte.
Die Sanitäreinrichtungen des Platzes waren schon etwas älter. Der Dusch- und Waschraum hätte Dank des großen Boilers, auch als Dampfsauna genutzt werden können, und die Toiletten waren Plumsklos mit Doppelsitzen.
Wir waren überrascht, so etwas auf einem 3-Sterne-Platz vorzufinden. Später, beim Spaziergang in den Ort, stellte ich fest, dass wir uns gar nicht auf dem 3-Sterne-Platz befanden. Der war 250 Meter weiter.
127 km | 6:41 Std. | 19,2 km/h
2012:
330 km
2011:
2813 km
2010:
3339 km
2009:
5112 km