In der Hoffnung auf eine Tour bei Sonnenschein, ließen wir den Wecker schon um 6:00 Uhr klingeln. Und tatsächlich schien am Morgen die Sonne.
Um 8:30 Uhr schwangen wir uns bei 7° C auf die Räder und der Kampf gegen den Wind begann. Der Wind wehte uns nahezu frontal entgegen und kam manchmal in Böen, die uns fast von der Straße fegten.
Einen gleichmäßigen Tretrhytmus zu finden, um mein Knie ein wenig zu schonen, war unmöglich. So kämpften wir uns voran bis zum Rastplatz am Sandsjön. 12 km hatten wir in einer Stunde geschafft. Das war nicht viel, aber eine Stärkung konnten wir trotzdem gut gebrauchen.
Das kleine Lokal hatte geöffnet, wir bestellten uns Käsesandwiches und bekamen ein Stück Fladenbrot mit Butter und Käse serviert. Unter Sandwich hatten wir uns etwas anderes vorgestellt. Dafür war es im Lokal warm und windgeschützt.
Die Zigarette konnte ich draußen nur in der Sonne rauchen, im Schatten begann ich unweigerlich zu frieren.
Fast 30 km strampelten wir anschließend weiter gegen den Wind, dann legten wir am Björnån die nächste Rast ein. Natürlich war Oscar schneller als ich, doch er nutzte die Wartezeiten sinnvoll mit dem Schießen von Fotos. Am Björnån gab es leider kein Lokal und wir stärken uns im Sonnenschein mit unserem Reiseproviant. ![]()
Als wir wieder auf die Räder stiegen, hatte der Wind ein wenig nachgelassen und wir nahmen die 35 km nach Sveg in Angriff.
Hungrig suchten wir dort eine Pizzeria auf und während des Essens beschlossen wir, die Nacht auf dem Campingplatz in Sveg zu verbringen. Meinem Knie konnte das nur Recht sein.
Im Sportgeschäft, nahe der Pizzeria, durchsuchte die freundliche Verkäuferin das Lager nach Winterkleidung, und Oscar bekam endlich sein Stirnband.
Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir die Zelte aufbauen, doch im Schatten war es immer noch recht kühl, 12° C zeigte das Thermometer um 17:00 Uhr.
78 km | 4:58 Std. | 15,9 km/h
Strahlender Sonnenschein weckte mich um 7:00 Uhr und es sah aus, als ob der Wind schwächer geworden war, aber noch aus gleicher Richtung kam. Das sah für die ersten 30 km, auf denen es strickt nach Osten gehen würde, doch ganz gut aus.
Motiviert packten wir unsere Sachen und radelten um 10:15 Uhr los.
Die ersten 30 km gingen wirklich flott. Dann ging es wieder in nördlicher Richtung weiter und wir wurden etwas langsamer. Doch im Vergleich zu gestern hatte der Wind erheblich nachgelassen. Trotzdem machte sich mein Knie wieder bemerkbar.
Nach etwas mehr als zwei Stunden hatten wir Ytterhogdal erreicht und machten eine Pause vor einem Supermarkt. Gestärkt von fettigem Fertig-Kartoffelsalat machten wir uns wieder auf den Weg.
Nach einer Stunde Fahrt sah ich in Överhogdal ein Café. Natürlich mussten wir dort eine Pause einlegen. Wir setzten uns auf die Veranda, um bei Kaffee und Kuchen den Sonnenschein zu genießen. Doch aus der gemütlichen Pause wurde ein hektisches um sich schlagen, so sehr wurden wir hier von den Mücken gejagt.
Wir schwangen uns wieder auf die Räder und traten bis Rätan in die Pedalen. Dort machten wir eine kurze Pause an einer Tankstelle. Wir stiegen wieder auf die Räder, fuhren wenige Minuten und ich musste wieder absteigen. So sehr schmerzte mein linkes Knie.
Nachdem ich einige Minuten gestanden hatte, konnte ich wieder aufsteigen und ohne Probleme weiter fahren. Ich nahm mir vor, in Zukunft jede Pause mit ein paar stehenden Minuten zu beenden.
Wir ignorierten den Natur-Campingplatz am Rätansjön, legten noch 20 km nach und fuhren den Campingplatz in Åsarna an. Die Mückenschwärme hier waren nur mit dicker Kleidung und Djungelolja zu ertragen.
Seit Mora hatte ich gehofft, wenigsten einmal die Inlandsbahn zu sehen. Hier nun hörten wir sie hupen, dann fuhr sie, nur durch ein paar Sträucher von uns getrennt, vorbei. Ich griff nach meinem Fotoapparat, aber es war schon zu spät.
Im Lokal des Platzes aßen wir, wieder einmal, eine riesige Pizza. Anschließend machten wir, jeder für sich, noch einen Abendspaziergang.
111 km | 5:43 Std. | 19,7 km/h
Der Wecker läutete wieder um 8:00 Uhr und der Himmel war wieder mit einem demotivierenden Einheitsgrau bedeckt.
Als ich auf dem Weg von der Dusche zum Zelt war, ratterte gerade die Inlandsbahn vorbei. Leider sah ich sie nur noch von hinten, konnte aber gut erkennen, dass sie zwei Fahrräder auf einem Heckträger transportierte.
Als Oscar endlich auch seine Dusche beendet hatte, berichtete ich ihm davon. Oscar war entsetzt: "Und wenn es regnet?", rief er aus.
Um 10:30 Uhr verließen wir Åsarna mit leichtem Rückenwind, und ab Svenstavik gab es sogar wieder Sonnenschein. Wir fuhren etwas mehr als 30 km bis nach Billsta, dann fand sich direkt an der Straße ein Kiosk, der zur Kaffeepause und zum Einkauf von Süßigkeiten einlud.
Auch eine Gruppe deutscher Motorradfahrer machte hier Pause. "Davon werden wir unterwegs noch einige zu sehen bekommen", hörte ich jemanden sagen. Falls die Rede von uns war, und sie zum Nordkap unterwegs waren, würden sie hoffentlich recht behalten.
Auf leicht welliger Strecke fuhren wir weiter bis nach Brunflo. Dort hielten wir an einer Tankstelle, aßen matschige Baguettes und sahen zu, wie sich der Himmel immer mehr verdunkelte. Während die Schwedinnen noch in T-Shirts auf ihren Motorrollern fuhren, begannen wir schon zu frieren.
Verwundert schwangen wir uns wieder auf die Räder und hofften, dem Regen davon fahren zu können. Als die E45 zur Autobahn wurde, nahmen wir eine ausgeschilderte Nebenstrecke nach Östersund.
Da wir möglichst schnell voran kommen wollten und auch nicht einkaufen mussten, ersparten wir uns den Weg ins Zentrum und fuhren direkt weiter zur wieder befahrbaren E45.
Mit angenehmen Auf- und Abfahrten radelten wir Richtung Lit. Die beste Abfahrt hatten wir direkt vor Lit. Als wir mit 52 km/h ins Flusstal des Gröven sausten, wurde es mir bei dem Verkehr zu mulmig, und ich zog lieber die Bremse.
Wir überquerten den Gröven, fuhren auf den gleich dahinter liegenden Campingplatz und hatten es wirklich geschafft, trocken anzukommen.
Der Regen begann erst, während wir unsere Zelte aufbauten. Oscar nutzte die Regentropfen und die neuen Socken, um sein Fahrrad wieder auf Hochglanz zu bringen.
98 km | 5:04 Std. | 19,7 km/h
(Midsommarafton)
In der Nacht hatte ich mir Gedanken über mein Knie gemacht und mir war eingefallen, dass ich über den Winter meinen Sattel ein wenig herunter gestellt hatte.
So stellte ich am Morgen als erstes den Sattel 1 cm höher. Vielleicht würde das dem Knie gut tun.
Bei der Abfahrt um 10:30 Uhr war der Himmel wieder einmal bedeckt. Doch statt dunkelgrau war er heute fast weiß. Die Temperatur fühlte sich angenehm an und es war beinahe windstill. Beste Voraussetzungen für einen guten Radeltag.
Auf dem Weg nach Hammerdal wurde es sogar etwas sonnig, doch dafür machte sich dann auch gleich ein leichter Gegenwind bemerkbar. Viele der uns entgegen kommenden Autos waren mit Birkenzweigen zum Mittsommer geschmückt.
Da wollte ich natürlich mithalten und nutzte einen kurzen Fotostop, um mein Fahrrad auch ein wenig mit Birkenzweigen zu schmücken. Mit diesen zusätzlichen Windfängern stieß ich bei Oscar auf völliges Unverständnis.
Unsere erste kurze Pause machten wir auf einem kleinen Rastplatz bei Lorås. Die angreifenden Mückenschwärme hier waren unerträglich und wir ergriffen schnell die Flucht.
Nach 45 km kamen wir in Hammerdal an, kauften ein, und ich musste natürlich noch einen Kaffee trinken. Bei der Gelegenheit bestellte ich mir auch gleich ein Hamburger-Menü.
Ich wurde gefragt, ob ich Salat und Dressing dazu wollte, verneinte und bekam dann tatsächlich eine Pommes und einen Hamburger, der nur aus einem trockenen Brötchen und einer ebenso trockenen Frikadelle bestand. Und ich dachte immer Hamburger wären ein Standard der überall auf der Welt einheitlich ist.
Noch während ich aß, wurden im Kiosk die Lichter gelöscht, das Personal verließ einer nach dem anderen das Lokal, und als ich meinen Teller abgegeben hatte, wurde die Tür abgeschlossen.
Midsommar ist Ausnahmezustand.
Ein Autokonvoi aus vier Wagen, der Erste mit scheppernden Dosen im Schlepp, fuhr mehrmals an uns vorbei. Ob Mittsommerbrauch oder frisch verheiratet konnten wir nicht erkennen.
Doch das Herumfahren in dem kleinen Ort wurde wohl schnell langweilig. Jedesmal, wenn sie an uns vorbei fuhren, war es wieder ein Wagen weniger.
Gegen 14:00 Uhr fuhren wir weiter. Auf einer welligen Berg- und Talstrecke radelten wir die nächsten 33 km bei leichtem Gegenwind bis nach Strömsund.
Ich hatte etwas Sorge, dass es über die Mittsommer-Feiertage keine Einkaufsmöglichkeiten gab, doch hier hatte noch ein Konsum geöffnet und wir konnten noch einmal einkaufen.
Auf der Weiterfahrt sahen wir beide zum ersten Mal in unserem Leben einen jungen Bären in freier Wildbahn. Er kauerte direkt neben der Straße und mein erschreckter Gedanke war: "Wo ist die Mutter?". Doch da flüchtete der Kleine zum Glück schon in den Wald.
Kurz vor Lövberga sahen wir ein Schild, dass auf einen Campingplatz in 2 km Entfernung hinwies. Nach den beiden Kilometern standen wir an einem Abzweig mit einem Schild, welches auf einen Platz in 9 km Entfernung (nicht in unserer Richtung) hinwies.
"So eine Frechheit", dachten wir. Diesen Umweg wollten wir nicht machen und beschlossen, dann eben irgendwo in der Pampa zu übernachten.
Wir traten wieder in die Pedalen und 300 Meter später standen wir auf einem Campingplatz. Auf dem Platz hatte ich schon einmal ein Pause gemacht, ihn nur wieder vergessen.
Hier gab es zwar einen kleinen Mittsommerbaum, aber mit wilden Parties mussten wir hier nicht rechnen.
Das Einstellen des Sattels hatte Wunder gewirkt und ich hatte während des Tages kaum Schmerzen im Knie. So stellte ich ihn noch einen Zentimeter höher.
Unseren Mittsommerabend feierten wir mit, an der Rezeption gekaufter, Erbsensuppe aus der Dose.
101 km | 5:25 Std. | 19,0 km/h
2012:
330 km
2011:
2813 km
2010:
3339 km
2009:
5112 km