Gaski - Dźwirzyno - Rewal
Am Morgen wartete ich darauf, dass der Regen endlich nachließ, doch schließlich wurde ich ungeduldig und begann im Regen meine Sachen zu packen. Diese Aktivität war scheinbar auch im Haus bemerkt worden, denn eine sympathische ältere Frau kam, unterm Regenschirm kaum zu sehen, zu mir und kassierte nur 10,- PLN,, drückte mir ihre Visitenkarte in die Hand und entschuldigte sich, weil ich wegen ihres späten Heimkommens in der Nacht die Duschen nicht hatte benutzen können.
Im Regen und gegen den Wind kämpfend arbeitet ich mich, zwischen Straße und Radroute pendelnd voran. Mal versank ich in schwarzem Schlamm, an anderen Stelle gab es gar kein weiterkommen, weil der Weg nur noch ein sumpfiger Trampelpfad war. Während ich mich so dahin quälte, ließ der Regen langsam nach, und als ich in Kolobrzeg ankam konnte man schon fast von schönem Wetter sprechen. Wenn nur der Wind nicht gewesen wäre. Während der ganzen Tour war er fast ausschließlich aus östlichen Richtungen gekommen, aber kaum bewegte ich mich nach Westen...
Erschöpft suchte ich mir erst mal einen Kaffee, bevor ich über die Strandpromenade zum Leuchtturm schlenderte. Bei dem Wetter, und den nahezu ausgestorbenen Orten vorher, hatte ich nicht erwartet, hier auf solche Menschenmengen zu treffen.
Ich fuhr weiter an der Küste entlang, wobei ich vorsichtshalber aber auf der Straße bleib, bis nach Dźwirzyno. Dort aß ich mich bei deutschem Preisniveau richtig satt und erlebte dabei minutenschnelle Wechsel zwischen schönstem Sonnenschein und Unwetter. Ich nutzte ein Loch in den Wolken und machte mich wieder auf den Weg, bis ich vor einer Baustelle mit einer improvisierten Fußgängerbrücke Halt machen musste.
Ich suchte nach Ausweichmöglichkeiten, doch außer riesigen Umwegen war da nicht zu finden. Also fragte ich die Bauarbeiter, ob ich hinter der Brücke auch ganz sicher mit dem Rad weiter käme. Mir wurde versichert, dass es sogar eine richtige Straße gäbe, und allen Vorurteilen zum Trotz nahm ich mein Gepäck vom Rad, stellte es an die Brücke und schleppte mein Rad hinüber. Ich stellte das Rad ab und holte in zwei Durchgängen das Gepäck hinterher. Meine Vorurteile wurden nicht bestätigt. Ich konnte schließlich weiter fahren, ohne das mir auch nur ein Teil abhanden gekommen wäre.
Auf der anderen Seite gab es auch tatsächlich eine Straße, allerdings aus Betonplatten. Kein schönes Gehoppel, aber eine schöne Strecke durch einen Wald direkt an der Ostsee.
Durch das Naturschutzgebiet hinter Mrzeżyno wagte ich wegen des Kopfsteinpflasters nicht zu fahren und der ausgeschilderte Ostseeküstenradweg schien mir in die falsche Richtung zu führen. So folgte ich einer Straße, die sich später als Parallele zum Ostseeküstenradweg herausstellte. Auf fast baumloser Strecke kämpfte ich bis nach Trzebiatów, und dann kämpfte ich auf dem Ostseeküstenradweg weiter bis nach Rewal.
Und als ich dort am Ortsausgang einen geöffneten Campingplatz entdeckte, war klar was ich zu tun hatte.
93 km | 6:24 Std. | 14,63 km/h
Rewal - Świnoujście - Ückeritz
Und wieder einmal musste ich im Regen abreisen. Doch zum meinem Glück hielt sich das Wetter nicht, und zwischendurch gab es dann sogar richtig warmen Sonnenschein.
Die 102 hatte ich zwar meistens für mich alleine, doch wenn Autos vorbei kamen, kamen sie aus beiden Richtungen gleichzeitig, und dann wurde es ziemlich eng für mich. Natürlich hätte ich auch hier immer auf dem Ostseeküstenradweg bleiben können, aber der war streckenweise als unbefestigt ausgezeichnet, und im Schlamm wollte ich mich nicht wälzen.
Die Straße führte fast nur durch Waldgebiete und ich blickte neidisch auf Unmengen von Pilzsammlern. So radelte ich, bis ich eine Schild zu einem Aussichtspunkt an der Steilküste sah.
Hier fuhr ich den Waldweg hinein, musste schließlich doch absteigen und meinen Packesel abstellen, und kletterte dann den restlichen Weg hinauf, um den Blick auf die Ostsee und ihre Küste zu genießen. Lange hielt der Genuss nicht an; dazu wehte mir der Wind hier oben zu kalt um die Ohren. Wieder auf dem Rad trat ich kräftig in die Pedalen, um mich wieder aufzuwärmen.
Der Autoverkehr nahm zu und in Międzyzdroje hatte ich die Nase voll davon, verließ die 102 und folgte den ausgeschilderten Radrouten. Anfangs auf löchrigem Pflaster, dann auf Betonpiste und schließlich auf einem Trampelpfad durch den Wald.
Ich staunte nicht schlecht, als mir auf diesem Pfad sogar ein Paar auf einem Tandem entgegenkam. Nach fast 9 km endete der Waldweg an einer Straße und die Ausschilderung der Route 10 wies in zwei Richtungen. Nach links schien sie auf eine größere Straße zu führen, so nahm ich den Weg nach rechts und wurde von einem Regenschauer überrascht. Dann ging der Weg in geschützten Wald weiter, vorbei an Bunkern und Kanonen, bis er vor einem Militärmuseum o. ä. endete.
Ich konnte natürlich nicht entziffern, was dort auf den Schildern stand und kehrte vorsichtshalber um und kam schließlich doch noch nach Warszów. Dort sah ich zwei Reiseradler, denen ich kurz entschlossen folgte, weil ich annahm, dass sie auch zur Fähre nach Świnoujście wollten. Gemeinsam warteten wir auf die Fähre und die Beiden berichteten, dass sie als Pensionäre ja viel Zeit hätten und von Helsinki hier herunter gefahren wären. Nun waren sie auf dem Weg in ihr Zuhause nach Norderstedt.
Im Gegensatz zu mir wollten die beiden jedoch in Świnoujście bleiben.
Ich überquerte die Grenze nach Deutschland und fuhr auf dem Radweg Berlin-Usedom weiter. Die Seebäder waren mir viel zu überfüllt und ich war froh als ich im ruhigen Wald weiterfahren konnte. Mitten im Wald entdeckte ich zu meiner großen Freude ein Café und nach der Pause ging es weiter bis zum Campingplatz Ückeritz.
89 km | 6:01 Std. | 14,82 km/h
Ückeritz - Greifswald - Stahlbrode
Völlig lustlos machte ich mich auf den Weg und hoffte, schnell ein Café zu finden. Doch auf die Lokale an der Promenade beim Campingplatz hatte ich keine auch keine Lust. Doch das «Kunstwerk! Anfassen verboten!» musste ich mir aus der Nähe ansehen und kurzzeitig ein wenig verschönern.
Kurze Zeit später fand ich im Ort eine Bäckerei mit angeschlossenem Café. Aber auch Kaffee und Brötchen konnten mir nicht helfen. Wie so oft bei Heimfahrten, wollte sich die Lust aufs Radeln einfach nicht einstellen. Trotzdem machte ich mich irgendwann wieder auf den Weg und war sofort von den vielen Autos genervt.
So fuhr ich ab Koserow lieber auf ausgewiesenen Radrouten, die mich, durch Wald führend, wenigsten vor Wind und Autos schützten. Doch nur bis Karlshagen, dann war es vorbei mit Wald und Windschutz. Gänzlich ungeschützt kämpfte ich mich durch die 5 km nach Peenemünde und genoss dann umso mehr die Fährüberfahrt nach Freest, warm und windstill in der Kabine. Dann radelte ich auf einer ruhigen Landstraße weiter Richtung Greifswald.
Doch je näher ich Greifswald kam, umso mehr nahm auch der Verkehr zu. Ich irrte ein wenig zwischen Ostsee und Greifswald umher, fand dann aber wieder den Ostseeküstenradweg und fuhr dort in vermeintlicher Ruhe weiter. Ich war noch nicht einmal 2 km auf der Route geradelt, da wurde ich schon von einer Tussi mit dickem Auto angeblafft, weil ich auf der Dorfstraße nicht den Gehweg benutzte.
Nach einem Bogen mit Blick auf den Kooser See führte die Route auf einer alten hoppeligen Pflasterstraße direkt neben der B 105 bis nach Reinberg. Dort bog ich ab nach Stahlbrode, fuhr zum Campingplatz und baute mein Zelt windgeschützt hinter einem Haus auf. Die Rezeption des Platzes war zwar geschlossen, aber das Sanitärgebäude war offen und ich konnte mich unter der heißen Dusche aufwärmen. Anschließend machte ich einen Spaziergang durch den kleinen Ort, ein inzwischen fast unbekanntes Bewegungsgefühl machte sich breit.
87 km | 5:38 Std. | 15,46 km/h
Stahlbrode - Tribsees - Schwaan
Leider hatte der Wind über Nacht nicht nachgelassen und so fuhr ich, nachdem ich meine Übernachtung bezahlt hatte, zur Fischräucherei und kaufte mir dort ausreichend Fischbrötchen als Proviant für einen vermutlich harten Tag. Obwohl es ein ständiger Kampf gegen den Wind war, versuchte ich möglichst direkt südwestlich Richtung Hamburg zu fahren.
Ich kämpfte mich 25 km bis nach Grimmen durch, dann brauchte ich dringend eine Pause und etwas zu essen. Eine gut sortierte Bäckerei ermöglichte mir beides.
Danach folgte ich sozusagen der A 20.In Tribsees entdeckte ich einen Supermarkt und kaufte Proviant, von dem ich gleich auf dem Parkplatz einen großen Teil verzehrte. Der stetige kalte Gegenwind forderte seinen Tribut. Anschließend fuhr ich meist auf regionalen Radwegen weiter, wobei ich immer wieder die Autobahn kreuzte, bis nach Tessin.
Von dort nahm ich dann die L 18, überquerte ein letztes Mal die Autobahn und hatte auf dem Weg nach Laage endlich hin und wieder kleine Wäldchen, die kurzfristigen Windschutz boten. Nachdem ich mit Hilfe meines GPS-Empfängers einem Autofahrer den Weg zur Tankstelle sagen konnte, suchte ich für mich eine Strecke nach Schwaan heraus, wo sich ein Campingplatz befinden sollte.
Auf Nebenstraßen kam ich am Airport Rostock-Laage vorbei zum Hohen Sprenzer See und nach weiteren 10 km erreichte ich endlich den Campingplatz Schwaan.
Frierend baute ich mein Zelt auf, nahm eine heiße Dusche und schaffte es gerade noch einen Kaffee zu trinken bevor ich im warmen Schlafsack einschlief.
111 km | 7:36 Std. | 14,6 km/h
Schwaan - Rostock
Nach nur zwei Minuten auf dem Rad stellte ich fest, dass der Wind immer noch nicht nachgelassen hatte und immer noch aus der falschen Richtung kam. Da beschloss ich mich für den Heimweg nicht noch zwei weitere Tage zu quälen, fuhr mit viel besserem Wind nach Rostock und nahm von dort den Zug nach Hamburg.
Fast eine Woche früher als geplant kam ich zu Hause an, und Masuren steht immer noch auf der Radreise-Wunschliste. 25 km
Ich habe nur einen Bruchteil von Polen gesehen, aber der hat mich überzeugt, das Polen auf jeden Fall eine Radreise wert ist. Nicht nur wegen der tollen Kekse!
2012:
330 km
2011:
2813 km
2010:
3339 km
2009:
5112 km