Pendelnd zwischen Norwegen und Schweden radle ich zum Njupeskär vattenfall im Fulufjället Nationalpark.
Dieser Tag ist von Anfang an seltsam. Schon um 6:30 Uhr bin ich wach und stehe auf, doch dann benötige ich fast dreieinhalb Stunden, bevor ich in der Lage bin, mich aufs Rad zu schwingen. Als Erstes fahre ich in den Ort zum Einkaufen und dann auf einer kleinen Nebenstraße Richtung Norden. Als die Straße nach wenigen Kilometern endet, entscheide ich mich, vorerst auf der schwedischen Seite der Grenze zu bleiben.
Nun geht es auf einer Nebenstraße bis zum Vällen und weiter folge ich der Straße bis Bortan Älvtorp. Dort biege ich auf eine Schotterpiste ab, fahre westlich des Storeken und dann zwischen Lilleken und Kattjärnet hindurch weiter gen Norden. Die Strecke ist ganz schön anstrengend, und ich bin froh, als ich nordwestlich vom Bogstjärnet eine etwas größere Straße erreiche.
Fürs Erste habe ich von den Nebenstraßen genug. Da rackert man sich ab, manchmal sogar mit auf Schotter durchdrehendem Hinterrad, und sieht nichts außer dicht bewachsenem Wald, der jeden Panoramablick über die Landschaft verhindert.
Die Straße führt mich am Bogsälven entlang direkt nach Norwegen bis nach Austmarka. In Austmarka halte ich nach einer Einkaufmöglichkeit Ausschau, aber ich finde keine. Vermutlich geht man hier lieber günstig in Schweden einkaufen. Aber ich habe ja noch Brot und Tubenkäse aus Charlottenberg. Am liebsten würde ich schon hier irgendwo mein Zelt aufstellen, so k.o. fühle ich mich. Aber dafür ist zwei Uhr am Nachmittag definitiv zu früh.
Ein paar Kilometer radle ich auf der 202 weiter nach Norden, dann biege ich, in der Hoffnung auf einen Kaffee, auf die 200 nach Kongsvinger ab. Dies scheint eine beliebte Rennradstrecke zu sein, denn mir kommen einige, sehr verbissen drein schauende Rennradler entgegen. An der ersten Tankstelle in Kongsvinger bekomme ich einen riesigen Becher Kaffee und auch ein Päckchen Zigaretten. Dafür muss ich nun an der 20 weiter nach Norden. Für die Verkehrsdichte, die ich hier erlebe, ist sie mir viel zu schmal. Zudem scheinen die Norweger schneller zu fahren als die Schweden. Ich komme mir vor, als ob ich gejagt werde und bin froh, als ich bei Roverud endlich auf die 205 ausweichen kann.
So langsam kann ich mich nach einem Lagerplatz umschauen. Doch leider steht an allen Badeplätzen die ich sehe ausdrücklich „Campen verboten“ und es sind immer Häuser in der Nähe. So fahre ich notgedrungen immer weiter bis ich schließlich wieder auf der 202 bin.
Und dort finde ich nach einigen Kilometern einen kleinen Schlafplatz im Wald. Tief unter mir befindet sich der Gravsjøen. Ich bin so fertig, dass ich sogar auf Kochen verzichte. 109 km / Schnitt 15,3 / 9 Std.
Nach einer recht lauen Nacht steige ich gegen halb Zehn aufs Rad und komme nach wenigen Kilometern, bei Græsberget, an einem geöffneten Campingplatz vorbei. Eigentlich eher ein Feriengelände mit Campingplatz, Hütten, Hotel, Supermarkt und Restaurant. Da kann ich nicht doch nicht einfach dran vorbeifahren und frühstücke noch einmal für 90:- NOK (Kaffee, Brot mit Käse, Schinken und Rührei und noch 2 Japp).
Frisch gestärkt, aber wie so oft mit leichtem Gegenwind, geht es auf der 202 weiter, westlich am Røgden und dann östlich am Rotberg-Sjøen vorbei, weiter zwischen Fallsjøen und Breidsjøen hindurch und bin ich plötzlich an einem Abzweig. Ich nehme lieber die kürzere Schotterpiste als den längeren Weg, der vielleicht ja auch zu einer Schotterpiste wird, und biege ab. Welch ein Glück, nach wenigen Kilometern ist die Strecke asphaltiert, und ich werde mit Ausblicken auf das Fjäll bzw. Fjell belohnt. Meine Stimmung steigt. 
Ich überquere die Grenze nach Schweden und hoffe sehr, dass es auf dieser Seite ein Café gibt. Und wirklich, in Bograngen finde ich ein kleines, völlig überheiztes Wohnzimmercafé. Bei Kaffee und Kuchen lausche ich dem Gespräch der Wirtin mit den beiden anderen Gästen. Der Zusammenhang zwischen Arbeit in der Gegend und Preiselbeeren wird mir allerdings nicht klar. Gleich neben dem Café gibt es einen Supermarkt und ich fülle mal wieder Vorräte auf.
Als ich wieder aufs Rad steige, sind über mir nur dunkle Wolken zu sehen, doch ich fahre in einem Sonnenloch nördlich am Letten vorbei nach Letafors und überquere dann den Klarälven. Kurz überlege ich nach Sysslebäck zu fahren, aber Richtung Süden werde ich noch früh genug wieder müssen.
So geht es auf der 62, die ich fast für mich alleine habe, weiter bis nach Höljes, wo es sogar einen geöffneten Campingplatz mit einem Lokal gibt.
Während ich an der Rezeption meinen Kaffee schlürfe, muss ich einem älteren Mann erklären, woher ich komme (kein Problem) und wohin ich will (das weiß ich ja selbst nicht). Nachdem das Zelt steht und ich frisch geduscht bin, will ich in dem Lokal etwas essen. Doch ich bin zu spät, inzwischen ist es geschlossen. So koche ich mir wieder einmal Nudeln, während meine Uelzener Campingnachbarn Preiselbeermarmelade einkochen. 99 km | 8:10 Std. | 16,4 km/h
Um acht Uhr werde ich wach und muss feststellen, dass es ziemlich kühl ist. Davon habe ich in der Nacht gar nichts gemerkt. Der Daunenschlafsack scheint eine gute Investition gewesen zu sein.
Nach dem Frühstück unterhalte ich mich noch lange mit meinen Nachbarn und komme so erst ziemlich spät aufs Rad.
Da mir die Nachbarn sehr ans Herz gelegt haben, den örtlichen Supermarkt zu besuchen, ist das natürlich mein nächstes Ziel. Der Markt ist Lebensmittelmarkt, Baumarkt, Hobby- und Outdoorausrüster und Bekleidungsgeschäft in einem. Gleich nebenan ist die nicht zu übersehende Touristenauskunft.
Am Höljessjön entlang radle ich wieder Richtung Norwegen. Die letzten Kilometer vor der Grenze geht es langsam aber dafür stetig bergauf. Irgendwo an dieser Steigung sehe ich auf einem Rastplatz ein Fahrrad mit vollbepacktem Hänger stehen. Doch leider kann ich den Besitzer dieses Reiserades nirgends entdecken. Das letzte Gebäude auf schwedischer Seite ist ein Supermarkt mit Restaurant in Långflon. Für 65:- SEK gibt es hier ein Dagensrätt. Ich lasse mir kurz erklären was es gibt und schaue dann noch mal in die Schüsseln: Deftigste Hausmannskost, nicht so ganz nach meinem Geschmack, aber den anderen Gästen scheint es zu schmecken. Und da ich wieder einmal Hunger habe, schlage ich mir den Bauch mit Salat, 3 große Kartoffeln, 1 Frikadelle, 1 gebratene Wurstscheibe, Kohl-Hackauflauf und Kaffee voll. Mein Energieverbrauch scheint ganz enorm zu sein und irgendwann bemerke sogar ich, dass mein Gericht eigentlich 3 Gerichte sein sollten. Kartoffeln für alle und dazu entweder das eine oder das andere, aber doch nicht alles. So satt habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.
Auch auf der norwegischen Seite der Grenze gibt es ein Restaurant, aber hier kann ich keine Gäste entdecken. Da ich möglichst in der Nähe der Grenze bleiben will, biege ich an der nächsten Straße wieder ab und bin recht schnell wieder in Schweden. So langsam beginnt mich der Dauergegenwind, auch wenn er nur leicht weht, zu nerven. In Verbindung mit dem kühlen Fahrtwind brauche ich mich da über meinen Energiebedarf nicht zu wundern. In Rörbäcksnäs gibt es dann den nächsten Kaffee in einem kleinen, gemütlichen Lokal. Auf das Dagensrätt verzichte ich hier aber.
Danach folgen noch einige anstrengende Kilometer bis ich die 71 erreiche, und dann habe ich 12 km lang eine richtig schöne und schnelle Fahrt nach Stöten, und dabei immer wieder tolle Ausblicke auf das Fjäll. Auch der erste Stuhl in der Landschaft fällt mir auf und in vielen Waldwegen stehen Autos herum. Offenbar ist schon wieder Jagdsaison. Der Campingplatz ist geöffnet und es sind relativ viele Gäste da, obwohl die Skisaison noch nicht begonnen hat. Ich frage mich, ob das alles Jäger sind? Leider ist die Rezeption nicht mehr besetzt, doch nach einem Telefonat weiß ich, wie ich an einen Schlüssel für die heiße Dusche komme. Da meine Windjacke doch zu viel an kühlen Fahrtwind durchgelassen hat, werde ich mich morgen wärmer anziehen. 71 km | 6:30 Std. | 15,5 km/h
Der Morgen begrüßt mich mit Kälte und strahlendem Sonnenschein.
Ich überquere die Grenze nach Norwegen und dann geht es entlang des Flusses Ljøra nach Norden. Eine flache Strecke, die ich flott durchfahre, ohne viel vom Fluss zu sehen. Doch es gibt einige Rast- und Badeplätze ohne Camping-verboten-Schilder und herrliche Ausblicke auf das Fjell. In Ljørdal gibt es einen Supermarkt, doch der hat geschlossen. Vermutlich lohnt es sich für die wenigen Menschen in der Gegend aber auch, zum Einkaufen nach Schweden zu fahren.
Kurz bevor ich wieder die Grenze nach Schweden überquere, schlage ich mir an einem Rastplatz den Bauch mit Brötchen und Tubenkäse voll. Selber schuld, kann ich mir nach einigen Kilometern nur eingestehen, schließlich hätte ich mir doch denken können, dass es nicht weit hinter der Grenze ein Lokal gibt.
Das Lokal wirkt sehr klein, hat aber eine Terrasse und ist geöffnet. Innen gibt es sogar einen Saal und es wird ein Dagensrätt angeboten. Aber satt wie ich noch bin, beschränke ich mich auf Kaffee und Kuchen, den ich in der Sonne genießen kann. Zur Zeit ist nicht so viel los erzählt mir die Wirtin, aber bald kommen die Jäger. Als ich mich wieder auf den Weg mache, scheint immer noch die Sonne. Ich kann es kaum glauben, und auch die Männer (Jäger?) hier scheinen sich wie im Hochsommer zu fühlen und baden im Fluss.
Mit leichtem Gegenwind und einer leichten, aber stetigen Steigung, geht es weiter. Ich will Schweden schon verfluchen, als ich mit einer tollen Abfahrt belohnt werde, und auch die Straße ist hier besser als auf der norwegischen Seite.
Wenn ich nun schon am Fulufjäll bin, sollte ich mir wenigstens den Njupeskär, Schwedens höchsten Wasserfall, anschauen! So radle ich bis nach Mörkret und biege dann zum Njupeskär ab. Doch die Straße dorthin ist ziemlich steil. Nach wenigen Kilometern gebe ich auf und beschließe, morgen eine Fußwanderung dorthin zu machen. Im Vandrarhem, das hier gleich an der Straße steht, frage ich nach einer Campingmöglichkeit und mir wird ein Platz am Fluss empfohlen. Es handelt sich um einen einfachen, dafür aber auch kostenlosen Platz. Es gibt nichts außer einer kleinen Wiese für Zelte, ein paar Wohnwagenstellplätze und Toiletten.
Nur ein paar Angler sind noch hier. Der Hübscheste von ihnen ist etwas neugierig und beginnt ein Gespräch mit mir. Er empfiehlt mir, unbedingt in den Fulufjäll Nationalpark und zum Wasserfall zu gehen. Sogar einen deutschsprachigen Prospekt über den Nationalpark überreicht er mir. Wer kann da noch nein sagen? 79 km | 6:45 Std. | 16,1 km/h
2013
84 km
2012:
3598 km
2011:
2813 km
2010:
3339 km
2009:
5112 km