Der Morgen ist kühl und trübe. Doch - tapfer wie ich bin - packe ich meine Sachen, und als ich mich um 10.00 Uhr von Jana und Johannes verabschiede, dringen schon erste Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke.
Zu meinem großen Entsetzen muss ich feststellen, dass ich meine Fahrradhandschuhe vergessen habe. So muß es halt ohne gehen, obwohl ich das bei langen Strecken ziemlich unangenehm finde.
Da ich befürchte, dass die Hauptstraße entlang der Küste stark befahren ist, folge ich erst einmal Sverigeleden.
Am ersten Konsum auf der Strecke mache ich Halt und gehe einkaufen, denn schließlich bin ich ohne Frühstück losgefahren. Auf ein Müsli nur mit Wasser hatte ich keine Lust, so etwas hebe ich mir lieber für Notzeiten auf.
Die Kanelbullar (schwedische Zimtschnecken) sind köstlich und werden mich von nun an auf der ganzen Reise begleiten.
Inzwischen brennt auch die Sonne schon so stark, dass ich mich meiner langen Kleidung entledigen muss.
Ein kurzes Stück führt mich Sverigeleden entlang der Hauptstraße, die weit weniger von Autos befahren ist als ich vermutete. In Smygehamn geht es durch ein Wohngebiet mit jeder Menge Rollsplitt, der sich besonders an Kreuzungen in kleinen Haufen sammelt.
In so einen Haufen gerate ich, als ich nach einem Wegweiser Ausschau halte. Natürlich sinkt das schwer bepackte Vorderrad ein, rutscht weg und liegt plötzlich zwischen meinen Beinen, während ich im Vierfüsslerstand mit den Händen über den Rollsplitt schlittere.
Aua! Die linke Handinnenfläche hat ziemlich tiefe Schürfwunden abgekriegt. Deutlicher lässt sich der Sinn von Fahrradhandschuhen kaum zeigen. In der Hoffnung selbstdesinfizierend zu sein säubere ich die Wunde mit Spucke und Papiertaschentuch und fahre weiter.
Da ich nicht weiß wohin Sverigeleden führt, bleibe ich auf der ruhigen Hauptstraße, als er nach links ins Landesinnere abbiegt. Denn ich will unbedingt nach Ystad,der Stadt Kurt Wallanders.
Doch bevor ich dort ankomme, tauchen über mir die ersten bedrohlichen Regenwolken auf, und bei Abbekås fallen die ersten Tropfen. Doch es bleibt bei der Drohung und ich komme trocken in Ystad an.
Bevor ich mich hier auf die Spuren Wallanders begebe, besorge ich mir eine Straßenkarte und schiebe ich mein Rad durch die volle Fußgängerzone zum erstbesten Cafe. Mein erster schwedischer Kaffee und es wird kühl, es wird dunkel, es beginnt zu regnen. Innerhalb von Sekunden ist die Stadt wie leergefegt und auch ich schiebe schnell stadtauswärts. Wallander muss bis zum nächsten Mal warten.
Im vorbei gehen sehe ich, wie die Kunden eines Eiscafes mit Decken ausgestattet werden, die sie sich um die Schultern legen. Doch auch von so netten Gesten lasse ich mich jetzt nicht mehr aufhalten.
Bis Nybrostrand bleibe ich auf der Hauptstraße, dann geht es über Tomelilla immer weiter Richtung Norden. Das Wetter wechselt stetig zwischen sonnig und warm und bewölkt und kühl. Doch den Wind habe ich den ganzen Tag im Rücken und so fahre und fahre ich munter drauf los. Am Abend kriege ich nicht einmal mehr den genauen Streckenverlauf zusammen, aber immer wieder bin ich auf Sverigeleden oder Cykelspåret gestoßen oder ihnen gefolgt.
Von Flüssen oder Seen habe ich heute allerdings nichts gesehen, und nie wieder werde ich behaupten, Schonen sei flach!
Die letzten Kilometer bis Degeberga geht es bergab und mir wird ganz mulmig bei der Geschwindigkeit. Mich erwartet ein kleiner einfacher Campingplatz, der aber sogar eine kleine Küche hat. Für 70:- SEK kann ich bleiben.
Außer mir gibt es noch zwei weitere Gäste: Zwei weitere Radler, die gestern auf der Fähre waren.
117 km
2012:
330 km
2011:
2813 km
2010:
3339 km
2009:
5112 km