Bevor ich um kurz nach Zehn den Campingplatz verlasse, werden mit den Inhabern noch einige Anekdoten ausgetauscht. Das Leben ist bunt.
Der Himmel hingegen ist heute grau und trübe. Doch Frau Nilsson hat den Wetterbericht gehört: Es wird sich im Laufe des Tages aufklaren.
Guter Hoffnung mache ich mich auf den Weg nach Kalmar, wo ich vor lauter Starren auf den Bahnhof beinahe das Schloss übersehe. Nur aus den Augenwinkeln nehme ich noch wahr: Da war doch was. Ich nehme das Schloss und den Park etwas genauer in Augenschein und tingle anschließend noch ein wenig am Hafen umher.
Schon fallen die ersten Regentropfen. Schnell schwinge ich mich aufs Rad um dem Regen davon zu fahren.
Doch auf dem Radweg nach Ljungbyholm holt er mich ein. Es ist kalt und nass. Kilometerweit geht der Radweg immer nur geradeaus, dann wird er zu einer matschigen Baustelle, wo ich mich durch die Spurrillen der Bagger kämpfe. Als endlich eine Straße den Radweg kreuzt, verlasse ich ihn. Bei leichten Rückenwind, auf einer gut ausgebauten Straße, in reizloser Landschaft, versuche ich über Vassmolösa und Hagby dem Regen zu entkommen.
Doch bis Söderåkra gelingt mir das nicht. An einer Tankstelle wärme ich mich mit Kaffee auf. Die Tanke macht ein gutes Geschäft, denn das Einkaufszentrum nebenan ist heute geschlossen.
Über einen Abstecher nach Torsås geht es weiter nach Bergkvara. Es sieht tatsächlich so aus, als ob die Sonne doch noch durchkommen würde. Auf der E22, die ich hier ohne Karte nie als solche erkannt hätte, geht es nun weiter. Ob es an den gestrigen Midsommarparties liegt, dass ich die Straße fast für mich alleine habe?
Bei S Kärr verlasse ich diese Straße und fahre, vorbei am Friedensstein, über eine schöne Nebenstrecke weiter nach Kristianopel.
Ein kleiner unscheinbarer Ort denke ich und wundere mich über die vielen Menschen hier. Die alten Festungsmauern scheinen eine große Anziehungskraft zu haben. Da ich mir nicht vorstellen kann, an der dichtbesiedelten Küste ein lauschiges Plätzchen für mich zu finden fahre ich hier zum Campingplatz.
Noch mehr Menschen. Den Grund erfahre ich dann an der Rezeption: "Wenn sie schlafen wollen, sollten sie versuchen möglichst weit auf die linke Wiese zu kommen. Auf der anderen Wiese wird Midsommar gefeiert." "Aber Midsommar war doch gestern?" "Ja auch, Midsommar dauert drei Tage. Alles ganz harmlos, nur ein wenig laut."
In der äußersten Ecke, neben einem älteren Paar, dass sehr solide aussieht, stelle ich mein Zelt auf. Mein Abendessen nehme ich schon wieder bei strahlendem Sonnenschein zu mir. Doch als ich unter der Dusche stehe, schüttet es schon wieder wie aus Eimern. Wie gut, dass ich nicht weiter gefahren bin.
103 km
2012:
330 km
2011:
2813 km
2010:
3339 km
2009:
5112 km