Rund um das Zelt sind Pfützen. Es muss die ganze Nacht durchgeregnet haben, aber das Zelt hat dicht gehalten. Nur das Kondenswasser tropft herunter.
Im Regen wird das Zelt abgebaut, und dann geht's los. Auf der gesamten Strecke sehe ich nun kleine Wildbäche und Wasserfälle in allen Variationen. Ich bin mir sicher, dass hier bis gestern nur kleine Rinnsale waren.
Seltsamerweise stört mich am Regen während der Fahrt nur, dass ich seinetwegen nicht sehr weit sehen kann und ich immer nasse Füße habe. Doch bei den angenehmen Temperaturen ist auch das zu ertragen und ich muss keine Erkältung befürchten.
Auf den Abstecher zum Gaustafall verzichte ich und fahre durch nach Stora Blåsjön, wo ich gleich die Supermarkttanke ansteuere. Alles andere ist eh geschlossen. Leider gibt es hier keinen Kaffee, aber dann fällt dem Besitzer ein, dass seine Frau doch eben einen aufgesetzt hatte. Während ich draußen Kaffee trinkend auf der Bank sitze und über den Regen sinniere, kommt die Frau heraus und bringt mir auch noch ein belegtes Brot und Kuchen.
So gestärkt geht es nun weiter gen Süden. Ob der Stor-Blåsjö immer diese seltsamen Sandbänke hat? Oder sind das die Auswirkungen des warmen und trockenen Sommers?
Zwischen dem Stor-Blåsjö und dem Lill-Jorm geht es noch einmal ordentlich bergauf. Danach kann ich ziemlich nah am See Jorm entlang fahren, komme durch lustige Orte, wie z. B. "Das Hähnchenwasser" und bin schließlich in Gäddede.
Hier fahre ich zum Campingplatz und miete mir für 350:- SEK eine Luxushütte. Wenn schon Hütte, dann möchte ich mich auch ausbreiten können. So früh am Tag habe ich noch genug Zeit für einen Spaziergang durch den Ort und in einem Skotergeschäft erwerbe ich für 159:- SEK ein paar Plastikstiefel, in die ich auch mit einem zusätzlichen Paar Norwegersocken noch hineinpasse.
Im Supermarkt kaufe ich das erste und einzige Bier auf dieser Reise, und dann mache ich es mir in meiner Hütte gemütlich.
75 km
Zehn Uhr: Die Regentropfen sind kleiner und, wir mir scheint, auch weniger geworden.
Morgen soll das Wetter dann noch ein wenig besser werden hat die Frau an der Rezeption in den Nachrichten gehört, denn der Regen zieht nach Norden ab. Das zu hören freut mich, bis ich mein Hirn einschalte. Das bedeutet für mich Gegenwind. Schon sind wir mitten in einem Kauderwelsch aus deutsch, englisch und schwedisch. Sie erzählt, wie anstrengend es ist, den Campingplatz, den sie und ihre Familie erst im Mai, ziemlich verwahrlost, übernommen haben, ordentlich herzurichten. Die vielen Gesetze die man zu verstehen und zu beachten hat, z. B. dass der Sand auf dem Spielplatz einer EU-Norm entsprechen muss. Aber zum Ausgleich trifft sie auf viele interessante Leute, z. B. Jemanden, der Ende September noch mit dem Fahrrad anreist.
Bis elf Uhr lasse ich mich aufhalten, dann radle ich los. Heute steht der Hällingsåfall, den ich vor neun Jahren verfehlt habe, auf dem Programm. Das Fahren mit den Stiefeln ist sehr ungewohnt. Seit Jahren habe ich nicht mehr auf dem Rad gesessen, ohne die Schuhe einzuklicken, und so versuche ich die Pedale bei jedem Stop hochzuziehen. Die Sohle ist so weich, das ich die Pedale hindurch unterm Fuß spüre, doch dafür ist sie einigermaßen rutschfest.
Nach einigen Kilometern sehe ich ein Schild: Riksgräns Norge. Das kann nicht richtig sein. Ich hatte gedacht, ich befinde mich schon auf der Nebenstraße, und hatte deshalb den richtigen Abzweig ignoriert. Leider handelt es sich dabei um eine klebrig-rutschige Schotterpiste mit vielen Schlaglöchern, die zu allem Unglück auch noch Steigungen hat.
Die Abfahrten kann ich wegen der Schlaglöcher auch nur sehr vorsichtig nehmen.
Noch schlimmer wird es, als ich nach 17 km auf dieser Piste abbiegen muss: Der Schotter wird noch gröber und ist mit richtigen Steinen bestückt. Zwei Kilometer vor dem Ziel überlege ich, das Fahrrad stehen zu lassen und zu Fuß weiter zu gehen, doch das geht gegen meine Radlerehre. Lieber drehe ich eine Extrarunde zum Herunterschalten und quäle mich im kleinsten Gang die letzte Steigung hoch.
43 Meter stürzt das Wasser des Hällingså, in die Tiefe des größten wassergefüllten Canon Nordeuropas, hinunter. Durch den entstehenden Sprühnebel soll man hier bei Sonnenschein mehrere Regenbögen gleichzeitig sehen können. Der Regen hat zwar nachgelassen, aber die Sonne kann ich leider nicht hervorlocken. Doch auch ohne Sonne ein faszinierendes Naturschauspiel.
Am ersten Abzweig auf dem Rückweg kann ich mich noch entscheiden: Entweder 17 km Schotterpiste zurück Richtung Gäddede, oder 23 km auf unbekannter Strecke vorwärts. Ich fahre vorwärts. Die Piste ist wie gehabt, allerdings mit weniger anstrengenden Steigungen. Diese Schlaglöcher sind entsetzlich! Bin ich froh, als ich endlich wieder Asphalt unter den Rädern habe.
Doch da ich nicht weiß wie lange die Straße asphaltiert ist, wechsle ich nach den 23 km wieder auf die 342. Sie empfängt mich mit einer tollen Abfahrt, bei der ich auch gleich einen Lagerplatz entdecke. Auf keinen Fall fahre ich jetzt noch weiter! Ich glaube, das waren die anstrengendsten 50 km meines Lebens.
Kurz vor dem Einschlafen fällt mir ein, dass diese merkwürdigen Haufen, die ich an der Straße so häufig gesehen habe, Bärenhaufen sein müssen. Bevor ich einschlafen kann, muss ich mir erst einmal mein Wissen über das Verhalten von Bären in Erinnerung rufen.
61 km
Am Morgen ist es zwar bedeckt, aber ohne Regen und Wind.
Das ändert sich natürlich als ich unterwegs bin. Den ganzen Vormittag über habe ich Nieselregen bei Gegenwind. Die übliche Windrichtung scheint das hier aber nicht zu sein, denn alle Blumen und Gräser neigen sich in Fahrtrichtung! Dabei würde sich die Strecke hervorragend zum Durchsausen eignen. Anfangs gibt es noch einige Lagerplätze, aber dann wird's langweilig und von den Seen ist nicht viel zu sehen.
In Lidsjöberg gibt es zur Abwechslung wenigstens einen Lanthandel und bei Alanäs ein Naturcamp mit dem Hinweis, dass das Wasser des Sees trinkbar ist. Vorsichtshalber fülle ich meine Flaschen auf.
Die ganze Fahrt scheint sich unendlich hinzuziehen, doch 20 km vor Strömsund geht plötzlich alles ganz leicht. Das muss an den fünf Kanelbullar liegen, die ich gegessen habe.
In Strömsund fahre ich zum Campingplatz. Ich will eine heiße Dusche. Natürlich ist die Rezeption nicht besetzt, aber für 70:- SEK bekomme ich den Schlüssel für das Servicehaus an der benachbarten Tankstelle. Da kann ich mir auch gleich eine große Portion tiefgefrorener Pytt i Panna kaufen. Die Fahrradbremsklötze, die es hier auch gibt, passen leider nicht zu meinen Bremsen. Ich brauche dringend neue und dafür nach Östersund zu fahren hätte ich mir gerne erspart.
Außer mir sind noch vier weitere Campinggäste hier, aber ich gehe davon aus, das sie nichts dagegen haben, dass ich den Duschraum auch zum Waschen und Trocken missbrauche.
93 km
Ich werde von prasselndem Regen geweckt, der auch während der langen Frühstückszeit nicht nachlässt. Das Zelt wird im Regen abgebaut und ich schleppe darin bestimmt 2 Liter Wasser mit. Ich habe keine rechte Lust auf der 45 nach Östersund zu fahren, und nehme statt dessen den Umweg auf der 339 in Kauf.
Bei Bredkälen höre ich zum ersten Mal einen Elch schreien. Es nieselt nur noch, und bei angenehmen Temperaturen, und ohne Gegenwind, komme ich gut voran. In Laxsjö mache ich eine Pause an einem Badeplatz, auf dem ausdrücklich zum Campen aufgefordert wird. Auch nett, aber viel zu früh für mich.
Am Abzweig nach Föllinge steht doch tatsächlich Centrum. Das kann bei so einem kleinen Ort doch höchstens Kirche und Folkshuset sein. Doch ich will eh in die Richtung und fahre gleich die Tankstelle an. Die ist wirklich gut sortiert, außer Angelkram, Heimwerkerbedarf, Kosmetik und Lebensmitteln gibt es dort auch Vaniljemunkar (mit Vanillepudding gefüllte Berliner) und, ich kann mein Glück kaum fassen, die richtigen Bremsklötze für mich. Ich brauche nicht nach Östersund und bin deshalb auch keinen Umweg gefahren.
Trotz der gut sortierten Tankstelle gibt es im Ort noch einen Supermarkt und sogar ein geöffnetes Lokal. Doch nach den 2 Tassen Kaffee und 4 Vaniljemunkar an der Tanke bin ich erst einmal gesättigt. Die Sonne zeigt sich ein wenig und ich fahre weiter nach Lillholmsjö, wo ich schon um halb fünf auf dem kleinen, urigen Campingplatz für 60:- SEK mein Zelt aufschlagen kann.
Der Besitzer des Platzes empfiehlt mir, mein Zelt am Besten in der riesigen Jurte, die auf dem Platz steht, aufzustellen, um ganz sicher vor Regen geschützt zu sein. Im Sonnenschein kann ich mein Zelt aufbauen und die Bremsklötze wechseln. Ich wundere mich über die vielen Gäste hier, bis ich eine kleines Plakat entdecke: Seit gestern ist hier ein Treffen von Jägern.
79 km
Obwohl die Nacht sternenklar war, regnet es am Morgen. Zwar nur ein wenig, aber bei der Kälte doch unangenehm.
Bevor ich losfahre, will ich hier noch Müsli kaufen (wahrscheinlich musste es hier sein, damit ich das Fahren noch etwas hinauszögern konnte). Um zehn Uhr öffnet sich die Tür und der Besitzer entschuldigt sich. Er musste heute ein wenig länger schlafen, da morgens um fünf ein Jägerfrühstück war.
Bei meiner Abfahrt scheint die Sonne, doch nach 15 km radle ich schon wieder unter sehr tief hängenden Wolken. Laut meiner Karte gibt es am Alsensjö eine antike Ruinenstätte als besondere Sehenswürdigkeit. Dorthin will ich, auch wenn ich nicht weiß was "Hällristningar" bedeutet. Zuerst geht es die 340 hinunter, dann biege ich in Tulleråsen nach Änge ab. Auf einer besseren Schotterpiste geht es weiter bis nach Lungret...
und dann beginnt der Kampf mit der Piste!
Die Straße wirkt, als ob man auf den Pfad, den schon die antike Bevölkerung benutzte, Felsen geworfen hätte, und anschließend ein paar Kettenfahrzeuge zum Planieren darüber gefahren wären. Sengende Sonne während ich mich durch diesen Schotter bergauf quäle. Doch ich muss nur einmal vom Rad springen und ein paar Meter schieben, um nicht umzufallen.
Hoffentlich lohnt die antike Ruinenstätte solche Quälereien.
Die Ruinen liegen offensichtlich an einem Wanderpfad. Ein Stückchen schiebe ich das Rad, dann gehe ich alleine weiter.
Ich komme an einer Zeittafel vorbei, an alten Hütten, aufgehängten Elchfüßen und einem neuen Gebäude (Museum), welches aber geschlossen ist. Doch Hällristningar sind noch weiter. 
Ich komme an einen kleinen Bach mit ein paar Wasserfällen. Ich mag Wasserfälle, auch kleine, aber eine antike Ruinenstätte sind sie nicht.
Trotzdem muss ich die Fälle aus allen möglichen Perspektiven begutachten, und dann entdecke ich sie: Hällristningar sind Felszeichnungen.
Danach geht es noch ein wenig auf dieser unsäglichen Schotterpiste bergab und am Alsensjö kann ich endlich wieder auf Asphalt fahren. Eigentlich hatte ich geplant nun auf kürzestem Weg zur E 14 zu fahren, sie nur zu überqueren um dann am Storsjö weiter zu fahren, doch jede Straße, die zur E 14 führt hat Schotter. 
Da nehme ich lieber den Umweg nach Mörsil und 7 km auf der E 14 in Kauf.
Auf der folgenden Nebenstraße werde ich dann doch unsicher. Kann eine Schotterpiste, auch wenn sie zu den besseren gehört, eine touristisch schöne Strecke sein? Wieso muss ich mehr Brücken überqueren, als ich auf der Karte erkennen kann? Doch ich komme tatsächlich auf die 321.
Als um kurz vor sechs immer noch kein Lagerplatz in Sicht ist, fahre ich das Fiskecamp bei Ån an. Ich bin mir ziemlich sicher, morgen gleich nach der Abfahrt den ersten Lagerplatz zu entdecken.
95 km
Auf der 321 geht es flott, aber mit Nieselregen voran. Kurz überlege ich, per Insel hopping nach Östersund überzusetzen und ein Stück mit dem Bus zu überbrücken, doch das verschiebe ich auf südlichere Gefilde.
Weshalb stehen hier eigentlich immer wieder Stühle in der Landschaft herum?
In Månsåsen gibt es sogar ein geöffnetes Lokal. Hier lasse ich mir ein wirklich gutes Smörgås schmecken. Die Inhaber geben sich wirklich Mühe mit mir:
Sie plündern ihre Briefmarken, damit ich meine Postkarten abschicken kann, achten darauf, dass meine Flaschen auch gefüllt sind und schenken mir zur Erinnerung noch eine Postkarte des Cafes. Infomaterial über Jämtland und Härjedalen bekomme ich hier auch noch.
Ich würde gerne einen Abstecher machen, um ein Stück am Ljungan entlang zu radeln, aber aus Furcht, diese kleinen Straßen könnten Schotterpisten werden, bleibe ich auf der 321, um hinter Sventavik wieder auf die 45 zu stoßen. Hier herrscht zwar nicht viel Verkehr, aber inzwischen bin ich wohl etwas empfindlich und froh, als ich die 45 hinter Åsarne wieder verlassen kann.
Seltsam, mir scheint auf der 316 ist weit mehr Verkehr als auf der 45. Da sie stetig bergauf geht, strengt sie mich sehr an und ich bekomme lahme Beine.
Doch aus Erfahrung weiß ich, dass es irgendwann auch wieder abwärts geht.
Einige Kilometer vor Klövsjö suche ich mir eine Waldlichtung und baue mein Zelt auf.
93 km
Schon wieder nieselt es und im Zelt tropft es. Ich wüsste gerne, ob es undicht ist, oder ob es sich bei den Tropfen um Kondenswasser handelt.
Einmal bergauf, dann wieder runter und schon sind die 5 km nach Klövsjön geschafft. Das Touristenbüro firmiert gleichzeitig noch als Post, Cafe und Ausstellungs- und Verkaufsraum für heimatliches Handwerk. Als mir zum Kaffee Schokoladenkuchen angeboten wird, kann ich natürlich nicht nein sagen. Der Busfahrplan hier endet leider an der Grenze Jämtlands, aber: "Mora ist eine große Stadt, da sollte es genug Busse nach Süden geben".
Im Supermarkt will ich eine Pfandflasche gegen eine volle Wasserflasche austauschen. "Warum?"
Mir wird die Flasche abgenommen, und mit sehr gutem Wasser aus dem Wasserhahn aufgefüllt, zurück gegeben.
Stetig bergauf geht es nun weiter bis nach Vemdalsskalet. In schöner Erinnerung hatte ich den Ort ja nicht mehr, aber heute finde ich ihn ausgesprochen hässlich und so fahre ich ohne Stop weiter nach Vemdalen.
Welch ein Spaß, es geht ausschließlich abwärts. Ich will in der Pizzeria nur einen Kaffee trinken, doch als mir der würzige Pizzaduft in die Nase steigt, kann ich nicht widerstehen. Mir scheint, auf dieser Tour könnte ich durchgehend essen.
Von Bergen umgeben, geht es anschließend, auf fast ebener Strecke, weiter nach Hede.
Auf dem weiteren Weg nach Tännäs geht es wieder auf und ab, und an einer Quelle kann ich meine Flaschen auffüllen. Zwar gibt es auf der Strecke einige akzeptable Lagerplätze, aber ich werde sentimental und möchte auf meinen alten Platz nach Tännäs. 
Als ich am Staudamm des Lossen ankomme, beginnt es schon fast zu dämmern. Aber ich habe es ja fast geschafft, nur noch einen Berg muss ich überwinden. Und dann noch einmal hinauf nach Tännäs.
Als ich den Ort um halb acht erreiche, ist es schon ziemlich dunkel und von einem Campingplatz ist nichts zu sehen.
Eine Frau schickt mich um die Kirche und dann immer nur hinunter. Das klingt gut, aber alles was ich finde, ist ein Fiskecentrum und Naturum.
Doch an einem Weg gegenüber entdecke ich ein Schild: Camping förbjuden. Wo campen verboten ist, findet sich fast immer genug Platz für ein Zelt.
Mit Stirnlampe baue ich mein Zelt auf, bemerke damit aber nicht die Delle im Boden und muss nun ziemlich unbequem schlafen.
111 km
Auch abgenknickt habe ich recht gut geschlafen.
Ich fahre den Berg wieder hinauf und sehe, dass das kombinierte Cafe und Lebensmittelgeschäft geöffnet ist. Auch hier füllt man lieber meine Flasche am Wasserhahn auf, statt mir welches zu verkaufen.
Während ich mich bei Kaffee und Zigarette umschaue, sehe ich ein Schild: Die 311 nach Särna ist die Straße, an der ich geschlafen habe.
Ohne den Kaffee wäre ich falsch gefahren. Die Frau weist mich auf das ständige Auf und Ab dieser Strecke hin.
In die gleiche Richtung zeigt auch ein Hinweisschild zum Campingplatz.
Ich sause wieder hinunter, und tatsächlich, einige hundert Meter hinter dem Fiskecentrum und einer zweiten Flussüberquerung, befindet sich ein Campingplatz. 
Dann geht es wieder ordentlich hinauf, und für die ersten neun Kilometer brauche ich wirklich eine Stunde. Danach geht es zwar etwas leichter, ist aber immer noch anstrengend.
Dafür aber eine wunderschöne Landschaft, bei der ich sofort an Trolle denke.

Nur in Dalarna finde ich die Strecke etwas langweilig. Insgesamt empfinde ich die Strecke wie ein komprimiertes Schweden.
Als ich am Österdalälv jede Menge Lagerplätze entdecke, erspare ich mir die letzten 15 km nach Särna und schlage mein Zelt hier auf.
88 km
Gestern Nacht bin ich spät eingeschlafen und heute entsprechend müde.
Die Touristeninformation in Särna ist leider geschlossen, und so erfahre ich nichts über die Busverbindungen in Malung und Mora.
Die Strecke nach Malung erscheint mir auf der Karte wesentlich attraktiver als die nach Mora, doch Mora ist größer und hat vermutlich mehr Busverbindungen. Also geht es nun auf der 70 weiter.
Welch eine öde Strecke!
Die einzige Abwechslung zwischendurch sind verdreckte Rastplätze. Nach 35 km ist immerhin der Straßengraben begrünt. Bei Bunkris gibt es einen Aussichtsturm, der auf meiner Karte mit schöner Aussicht gekennzeichnet ist. Ich klettere nicht hinauf, denn urplötzlich bin ich von dichtem Nebel umgeben.
Ab Hållstugan geht die Strecke ein wenig bergab und ich kann auch wieder mehr sehen, und als ich dann noch an ein paar Wasserfällen vorbeikomme, bin ich wieder besänftigt.
Bei Rot sind sogar die Lagerplätze ausgeschildert. Trotzdem fahre ich noch in den Ort, um meine Wasservorräte aufzufüllen. Nur eine Einkaufsmöglichkeit kann ich dort nicht finden.
So geht es zurück zum letzten Lagerplatz und ich koche mit Wasser aus dem Österdalälv.
95 km
Als es beim Aufwachen regnet, lege ich mich noch einmal hin und schlafe ein weiteres Stündchen.
Es nützt nichts. Auch bei der Abfahrt regnet es noch und ich durchfahre Rot, ohne es richtig zu bemerken und bin plötzlich in Älvdalen. Die Touristeninformation hat am Wochenende leider geschlossen. Warum fahre ich überhaupt noch eine Touristeninformation an? Ein Stückchen weiter gibt es eine Gatukök. Dort lasse ich mir zum 2. Frühstück ein warmes Smörgås schmecken.
Endlich wird auch der Regen weniger. Bei Oxberg verlasse ich die 70, da mir die Nebenstrecke nach Mora schöner erscheint. Die Strecke ist wirklich schön, doch als ich immer wieder Schüsse höre, wird mir doch etwas mulmig zumute. Ich hoffe, die Jäger sind so klug, nicht Richtung Straße zu schießen.
Um kurz nach zwei komme ich bei der Touristeninformation in Mora an. Die hat seit zwei Uhr geschlossen. Ich fahre zum Busbahnhof, doch dort hängen nur Pläne der Regionalbusse aus. Auch die Leute, die hier auf Busse warten, können mir nicht weiterhelfen. Das ist mir zu unsicher, da fahre ich lieber mit dem Rad weiter Richtung Malung. Die hässliche Strecke und den Umweg über Mora hätte ich mir also sparen können.
Ein dick eingemummter, asiatisch aussehender Reiseradler kommt mir entgegen. Ist da jemand noch später dran als ich?
Als ich hinter Kättbo an einem Campingplatz vorbeikomme, beginnt es wieder wie aus Eimern zu schütten. Jetzt reicht es mir! Ich fahre auf den Campingplatz.
Die Rezeption ist nicht verschlossen, aber niemand ist dort. Auch im Wohnhaus habe ich kein Glück. Ich schaue mich weiter um. Die Serviceräume sind geöffnet und sogar in den Hütten stecken Schlüssel: Zwei Etagenbetten, ein Tisch mit vier Stühlen, ein kleiner Schrank, Kaffeemaschine, 2-Platten-Kocher und einen Wasserkocher gibt es dort.
Der Regen lässt ein wenig nach und ich baue schnell mein Zelt auf. Später gesellen sich noch zwei Paare mit Wohnwagen dazu.
83 km
Wieder bin ich spät eingeschlafen, doch ich habe die Ursache gefunden: Vollmond.
Da regnet es den ganzen Tag in Strömen, dann in der Nacht ein sternenklarer Himmel und morgens um sieben ein wunderbarer Sonnenaufgang.
Bevor ich abfahre treffe ich noch den Eigentümer des Platzes und zahle 100:- SEK. Er ist ein emigrierter Holländer. "Ein Haus oder Grundstück zu kaufen ist in Schweden gar nicht so teuer" sagt er, "aber hinterher sein Leben hier zu finanzieren ist schon schwieriger." Er läßt den Platz immer offen, wenn er mal wegfährt. Da er sich direkt an der 45 befindet kommen immer mal Camper an, und aus den Häusern ist noch nie etwas gestohlen worden.
Die Fahrt auf der 45 finde ich heute öde. Aber trotz Gegenwind komme ich einigermaßen gut voran. Von überall höre ich Schüsse, am Straßen- bzw. Waldrand sitzen immer wieder wartende Jäger, und dann sehe ich den ersten erlegten Elch. Kein schöner Anblick. Er liegt auf einer Art riesiger Schaufel und wird gerade mit einem dieser kleinen, kraftstrotzenden Autos auf einen Anhänger gezerrt.
Auch in Malung kann ich nichts von irgendwelchen Buslinien entdecken. Ob ich wirklich bis nach Göteborg mit dem Rad muss?
Am Rastplatz Lisskogsbrändan mache ich eine Pause. Heute ist das Lokal Dutch Mountain geöffnet. Die vielen unschwedischen Holzschuhe hier stören mich ein wenig, aber der Kuchen ist lecker. Bevor ich weiter radle, werde ich noch gewarnt ja nicht ohne die leuchtende Jacke in den Wald zu gehen, da die Jagdwoche beginnt.

Obwohl es kräftig bergab geht (kein Wunder, dass ich hier auf der Hinfahrt so fertig war), macht es mir keinen Spaß, auf demselben Weg hin und zurück zu fahren und so weiche ich in Värnäs auf die 62 aus. Die Strecke ist wirklich viel schöner. Außerdem kehrt hier gerade der Sommer zurück und die Berge schützen mich vor dem Wind.
In Ekshärad biege ich zum Campingplatz nach Byn ab. Von einer Frau werde ich gewarnt, weil es hier um diese Zeit keinen Service mehr gibt, doch als sie hört, dass ich manchmal im Wald gelagert habe, meint sie, dass es dann ja kein Problem für mich wäre.
112 km
Nach dem heißen Sommerwetter gestern Nachmittag war die Nacht ziemlich kalt, und der Morgen ist zugenebelt.
Ich kann mein Glück kaum fassen, als die Touristeninformation in Ekshärad tatsächlich geöffnet ist. Dazu ein Service, wie man ihn sich besser kaum wünschen kann. 
Alle Busunternehmen, die in der Gegend fahren, werden angerufen und schließlich finden wir heraus, dass ich von Karlstad aus via Bussgods mein Rad nach Göteborg befördern kann. Auch der Fahrplan wird mir gleich ausgedruckt. Dann bekomme ich noch den Hinweis, dass ein ehemaliger Bahndamm zur Fahrradroute nach Karlstad umgebaut wurde.
Da ich mit ehemaligen Bahndämmen gute Erfahrungen gemacht habe, nehme ich nun die Klarälvsban. Ein sehr nett gemachter Radweg, mit Ausschilderungen für Sehenswürdigkeiten etc. und Rastplätzen.
Nur vom Klarälv selbst ist leider nicht viel zu sehen.
In Deje mache ich eine kleine Pause mit Kaffee und Kuchen für 15:- SEK. Und dann will man mir auch noch den zweiten, kostenlosen Becher aufdrängen.
Da es am Weg keine Lagerplätze gibt, fahre ich den Campingplatz in Forshaga an. Die Rezeption ist von 7:00 Uhr bis 16:00 Uhr besetzt. Was für ein Schwachsinn.
85 km
Nun regent es doch wieder und die Rezeption ist am Morgen tatsächlich besetzt. Ich bereite mich schon auf einen Streit vor, weil die Servicegebäude geschlossen waren, da heißt es ich bräuchte nichts zu bezahlen.
Auf Klarälvbanan geht es nun im Regen nach Karlstad. Dort drehe ich eine Ehrenrunde, weil die Fahrradausschilderungen zur Unkenntlichkeit beschmiert sind, doch mit einigen Fragen finde ich zum Busbahnhof.
Nein, es ist keine Problem: Für 313:- SEK schickt Bussgods mein Rad nach Göteborg. Aber ich will doch auch mit! Das ist auch kein Problem, das Ticket bekomme ich für 150:- SEK am Schalter von Säfflebussen. Der Bus nach Göteborg hat allerdings keinen Frachtraum: Mitsamt dem ganzen Gepäck wird das Fahrrad einfach in den Gepäckraum gelegt.
Nach dreieinhalb Stunden Busfahrt kommen wir in Göteborg an.
Bin ich froh, die Strecke nicht mit dem Rad gefahren zu sein. Die 45 in die falsche Richtung zu fahren ist wirklich nicht schön. Außerdem ist mir hier im Süden viel zu viel Betrieb.
Ich radle zum Fährterminal und buche meine Passage um. Dann mache ich es mir bis zur Abreise in einem Cafe in Göteborg gemütlich.
Morgen früh bin ich in Kiel und werde von dort aus mit dem Zug nach Hause fahren.
39 km
2012:
330 km
2011:
2813 km
2010:
3339 km
2009:
5112 km